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17. Februar 2009, 09:23 Uhr

Das Hotel der Spione

SV Werder Bremen verliert

"Als wir für unseren Film mit Wenzel sprachen, erklärte er, Schalck sei nach Warnemünde gekommen, um Skat zu spielen und sich zu erholen", erinnert sich Friederike Pohlmann. Sie meint: "Dass es neben der Erholung für Schalck-Golodkowski aber auch geschäftliche Termine gab, liegt nahe, nicht zufällig war in der Nähe von Rostock, in Kavelstorf, das Lager der "KoKo"-Firma IMES Export Import gebaut worden, die mit Waffen und militärischem Gerät handelte."

Neben den meist undurchsichtigen politischen und wirtschaftlichen Treffen, die in den verborgenen Hinterzimmern des "Neptun" stattfanden, gab es auch Ost-West-Beziehungen ganz anderer Art. Das Spiel der "Neptun"-Kicker gegen den "Freundeskreis des SV Werder Bremen" im Juli 1989 war so ein Treffen. 500 Zuschauer kamen ins Warnemünder Parkstadion zu einem Fußballspiel, das offiziell nirgends angekündigt worden war. Der Freundeskreis von Werder Bremen, zu dem unter anderen auch Willi Lemke, Rudi Assauer und Bernd Neumann gehörten, war privat nach Warnemünde gereist, um sich ein paar schöne Tage am Strand und im "Neptun" zu machen. Pohlmann: "Der Freundeskreis von Werder fuhr jedes Jahr nach Warnemünde, es gab Kontakte auf privater Ebene, und so hatte der damalige Werder-Manager Willi Lemke die Idee zu einem Spiel der ganz besonderen Art. Die Staatssicherheit hatte einiges daran gesetzt, die sportliche Begegnung zu verhindern. Erfolglos, das Spiel wurde pünktlich angepfiffen und lief auch gar nicht schlecht für die Amateure aus Rostock, 2:1 für Bremen war das Ergebnis."

BND will den Hoteldirektor haben

Hoteldirektor Klaus Wenzel hatte von der Eröffnung des Hauses im Jahr 1971 bis 2007 die Fäden im "Neptun" fest in der Hand. Pohlmann: "Zu den Gerüchten, die sich um das Hotel und seinen langjährigen Direktor ranken, gehört auch die stets hinter vorgehaltener Hand geäußerte Vermutung, Wenzel habe nicht nur für die Stasi, sondern auch für den Bundesnachrichtendienst BND gearbeitet." Wenzels Kontakte mit dem Bundesnachrichtendienst seien deshalb auch ein Thema bei seiner Befragung durch den Bundestags- Untersuchungsausschuss "KoKo" gewesen. Pohlmanns Recherchen zufolge, habe Wenzel Wert darauf gelegt, dass seine Befragung zu diesem Komplex in nichtöffentlicher Sitzung stattfand, da er noch im Berufsleben stehe und das Thema sicher die Presse beschäftigen werde. Auf Nachfragen habe Wenzel den Ausschussmitgliedern erklärt, er habe bei seinen Aufenthalten in westlichen Ländern wiederholt festgestellt, dass sein Gepäck im Hotelzimmer durchsucht worden sei. Er habe sogar "freundliche Zettel" geschrieben, mit dem Hinweis, wann er zurückkomme. Pohlmann: "Auf Nachfragen erläuterte Klaus Wenzel dem Bundestags-Untersuchungsausschuss, dass sich die beiden BND-Mitarbeiter mit Namen bei ihm vorgestellt hätten, und sich ihre Anwerbeversuche über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren erstreckt hätten. Zurück in der DDR sei ihm anonym geraten worden, der Staatssicherheit über den Kontaktversuch umgehend zu berichten, da man dort bereits davon wisse. Das habe er denn auch getan."

Wende-Wirren und seltsame Verbindungen

Im Bundestags-Untersuchungsausschuss "KoKo" kam, laut Pohlmann, auch zur Sprache, dass ausgerechnet der Rechtsanwalt von Alexander Schalck-Golodkowski, Peter Danckert, im Dezember 1990 von der Treuhandanstalt in den Aufsichtsrat für das Hotel "Neptun" bestellt wurde. Neuer Eigentümer des "Neptun" wurde nach Angaben von Klaus Wenzel im Untersuchungsausschuss die amerikanisch-libanesische Gruppe "Abela-Ameropa". In den 90er Jahren wurde das Hotel "Neptun" erneut verkauft, inzwischen gehört es unter das Dach der Deutschen Seereederei Rostock, einer Firma in Nachfolge des VEB Deutsche Seereederei Rostock, die 1993 von der Treuhand privatisiert und an die Hamburger Investorengruppe Rahe/Schües verkauft wurde.

IM "Benjamin" geht ins Adlon

Als Friederike Pohlmann und Wolfram Bortfeldt im September 2006 ihren "Neptun"- Film veröffentlichten, sorgten sie für Aufregung, weil neben diversen Geschichten über Stasi-Zuträger auch der Fall des früheren Empfangssekretärs im "Neptun", Thomas Klippstein, dargestellt wurde. Klippstein alias IM "Benjamin" hatte Ende der 1980er Jahre Berichte über Hotelgäste des "Neptun" an das MfS geliefert. Inzwischen war Klippstein seit gut zwei Jahren Direktor des Berliner Hotels "Adlon", das häufig Staatsgäste beherbergt. Zwei schriftliche Anfragen nach einem Interview zu seiner IM-Akte lehnte der Adlon-Direktor, laut Pohlmann, mit dem Hinweis auf Terminschwierigkeiten ab. Die Autorin schreibt: Nachdem Klippstein durch seine Anwälte die frühere Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit zunächst bestritten hatte, nahm sich die überregionale Presse des Themas an. Die "Welt" stellte Auszüge aus Klippsteins MfS-Akte über den IM "Benjamin" samt dem darin befindlichen Foto, das, obwohl in schlechter Kopie, eine deutliche Ähnlichkeit aufwies, ins Internet. Fünf Tage nach der ersten Ausstrahlung von "Hotel der Spione" wurde Klippstein auf eigenen Wunsch, so die Presseerklärung, durch den Präsidenten der Kempinski-Gruppe von seinen Aufgaben im Hotel Adlon entbunden.

In Warnemünde jedenfalls blieb zunächst personell alles beim Alten. Im April 2007 kündigte das Hotel "Neptun" an, dass im Laufe des Jahres neue Leute aus den eigenen Reihen" das Steuer übernehmen werden. Friederike Pohlmann schreibt: "Zumindest einer dieser "Neuen" war Ende der 80er Jahre als IM "Peter Müller" bei der Staatssicherheit Rostock aktenkundig."

Und für Ex-Direktor Klaus Wenzel war es offenbar völlig normal, dass fast 20 Jahre nach der Wende, bei seiner Geburtstagsparty Mitte November 2007, im Bernsteinsaal des "Neptun" neben dem Ministerpräsidenten Harald Ringstorff auch der frühere "KoKo"-Chef Alexander Schalck-Golodkowski zu den Gratulanten gehörte."

Von Manuela Pfohl
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