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26. Juni 2007, 10:15 Uhr
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"Sie hat mich angefasst, ich bin gekommen"

Was genau ist in jener verhängnisvollen Nacht im türkischen Badeort Antalya passiert? Nun hat sich der inhaftierte Marco W. erstmals zu seinem Urlaubsflirt geäußert. Zu sexuellen Kontakten sei es es schon gekommen - aber auf Initiative der 13-jährigen Britin, sagt der Schüler.

Marco W. äußert sich zum ersten Mal zu den Geschehnissen in Antalya© DDP

Seit fast elf Wochen sitzt der 17-Jährige Marco W. in einem türkischen Knast. Eine 13-jährige Britin soll er im Urlaub missbraucht haben. Nun hat sich der Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen zum ersten Mal zu den Vorwürfen geäußert. In einem Gespräch mit einem Reporter der türkischen Tageszeitung "Hürriyet", das die "Bild"-Zeitung abdruckte, hat er sexuelle Kontakte mit dem Mädchen zugegeben. In einem Zimmer habe er das Mädchen umarmt. "Sie hat mich geküsst, angefasst, da bin ich zu früh gekommen", sagte Marco W. Sie habe ihm die Unterhose ausgezogen. Die Vagina des Mädchens habe er nicht berührt. Allerdings meint der Marco W.: "Wenn ich nicht gekommen wäre, hätte ich mit ihr geschlafen. Sie wollte das auch."

An dem Mädchen hätten ihm "ihre Art und ihre Eleganz" gefallen, sagte der Jugendliche. Sie habe ihm gesagt, sie sei 15 Jahre alt. "Als ich später erfuhr, dass sie 13 ist, habe ich einen Schock bekommen."

Marco W. drohen acht Jahre Haft

Die türkischen Ermittler beurteilten die Vorgänge anders, berichtet Bild. Nach ausgiebigem Alkoholkonsum sei Marco W. zudringlich geworden, das britische Mädchen habe dann um Hilfe gerufen. Die Mutter habe die Polizei gerufen, die Marco W. sofort festnahm.

Der türkische Anwalt für Ausländerangelegenheiten in Antalya, Bilal Kalayci, hatte Einblick in die Anklageschrift. Demnach werde dem Jungen sexueller Missbrauch von Kindern in einem schweren Fall und eine Gewalttat vorgeworfen, sagte er dem Fernsehsender N24. Die Anklage berufe sich auf die Aussage des Mädchens und Gutachter. Der 17-Jährige könnte mit bis zu acht Jahren Haft bestraft werden. Kalayci hatte nach eigenen Angaben Marco im Gefängnis besucht und dessen Gesundheitszustand als "ganz gut" beschrieben.

Für den Jungen sei es wichtig, dass das Mädchen in der am 6. Juli angesetzten Verhandlung persönlich aussagt. Ansonsten müsste die 13- Jährige über ein Rechtshilfeabkommen in England vernommen werden. "Das dauert nach meinen Kenntnissen sechs Monate. Wenn das Mädchen mit seinen Eltern hierher kommt und seine Aussage macht, dann wird das Verfahren kürzer sein", betonte Kalayci.

Unterdessen haben deutsche Spitzenpolitiker an die Türkei appelliert, den Schüler freizulassen. "Nach den Informationen, die mir vorliegen, gehört der Junge zu seinen Eltern nach Hause und nicht ins Gefängnis", schrieb Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) in einem Brief an den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan. Eventuell notwendige Ermittlungen könnten auch in Deutschland erfolgen.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will sich persönlich einschalten. Die Bundesregierung bat die türkischen Behörden um Hafterleichterungen. SPD-Fraktionschef Peter Struck hat die Türkei wegen des Falls des inhaftierten Jugendlichen aus Deutschland vor einer Verschlechterung der Beziehungen gewarnt. "Ich appelliere sehr an die türkischen Behörden, dafür zu sorgen, dass der Junge gegen Kaution aus der Haft entlassen wird", sagte Struck in Berlin.

Lehrer und Mitschüler des Jugendlichen in Uelzen zeigten sich entsetzt über die Vorwürfe gegen ihren Mitschüler. Die Mutter des Mädchens hatte den Realschüler angezeigt. Der Junge beteuerte, dass es sich um einen harmlosen Urlaubsflirt gehandelt habe. Zudem habe ihm das Mädchen gesagt, es sei 15 Jahre alt.

"Dies ist ein bedauerliches Schicksal, das uns nicht kalt lässt", sagte Steinmeier am Rande einer Menschenrechtskonferenz in Nürnberg. Er wolle den Fall an diesem Dienstag mit dem türkischen Außenminister Abdullah Gül besprechen. Die Bundesregierung sprach sich für häufigere Besuche der Angehörigen sowie eine bessere Versorgung des Jungen mit Medikamenten aus, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. An die türkischen Behörden sei appelliert worden, auf die Familie des Minderjährigen Rücksicht zu nehmen.

Niedersachsens Ministerpräsident Wulff sagte, der Fall zeige, wie stark die kulturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern seien. "Es sollte daraus hoffentlich kein größerer Konflikt zwischen der Türkei und Deutschland werden", sagte Wulff.

In Uelzen sind Freunde und Mitschüler des 17-Jährigen erschüttert über die Vorwürfe gegen ihre Schulkameraden. "Wenn jemand Probleme hatte, konnte er immer zu Marco gehen, er hat das immer geklärt", sagte die 14 Jahre alte Alexandra. Seine Schulleiterin, Elke Schießer, beschreibt den Jugendlichen als sensibel, freundlich und eher etwas kindlich. "Auf keinen Fall ist er ein Aufreißer." Nach ihren Angaben hatten die Eltern des Jungen versucht, mit den Eltern des Mädchens über den Vorfall zu sprechen. Das hätten die Briten aber abgelehnt und stattdessen die türkische Polizei eingeschaltet.

Nach Angaben des Bundesjustizministeriums könnte der Schüler im Falle einer Verurteilung seine Strafe nicht in Deutschland absitzen. Nach deutschem Recht seien die Vorwürfe, soweit sie bislang bekannt seien, nicht strafbar, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Eine abschließende Bewertung des Falles sei allerdings Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Eine solche könne aber erst erfolgen, wenn der Sachverhalt vollständig aufgeklärt sei.

mta/dpa
KOMMENTARE (10 von 43)
 
tufang (27.06.2007, 10:34 Uhr)
KATZIKA

Herzlichen Dank für ihren Beitrag und zu Ihren Objektivität wie RECHTS sie haben.
Ich bin froh darüber dass Menschen gibt wie "KATZIKA"
Mfg
Katzika (27.06.2007, 09:32 Uhr)
Sachlich bleiben!
Eine Mutter hat einen Jungen wegen eines Sexualdeliktes angezeigt. Eine Staatsanwaltschaft ermittelt, der Junge sitzt in U-Haft. Das ist alles, was wir wissen. Ob das in der Türkei, in Timbuktu oder sonstwo passiert spielt zur Sache absolut keine Rolle.
Weshalb hier über ein Land hergezogen wird, das seine Gesetze anwendet ist nicht rational nachvollziehbar.
Leider gibt es bei "Homo Sapiens Sapiens" zu viele Exemplare, die völlig irrational ihre Engstirnigkeit ausleben.
Schlimm, dass die Souveränität des türkischen Staates bzw. der türkischen gesetzgebung derart angeggriffen wird. Ich schäme mich dafür, dass aus Deutschland solche Reaktionen kommen.
Erkan74 (26.06.2007, 19:25 Uhr)
Ergänzung
Das Beispiel was ich vorhin geschrieben habe mit meinem Kollegen der Verhaftet wurde wegen Vergewaltigung,es hat sich nachher herausgestellt das das Mädchen gelogen hatte um ihm wegen was auch immer eins auszuwischen hat zwar jetzt mit dem Thema nichts zu tun aber ich dachte ich schreibe das mal noch dazu.
Erkan74 (26.06.2007, 19:10 Uhr)
Was wäre wenn????
Was wäre wenn eine hier in Deutschland lebende Deutsche Familie einen 17 jährigen Türkischen Jungen Anzeigen würde wegen Sexuellen Mißbrauches ihrer 13 jährigen Tochter?
Ich kann euch sagen was.
Einen Kollegen von mir ist das passiert obwohl beide zu dem Zeitpunkt volljährig waren haben die Polizeibeamten die Wohnung von dem Kollegen gestürmt zu dem Zeitpunkt saß er auf dem Klo natürlich wurde diese Tür eingetreten und er hatte noch nicht einmal Gelegenheit sich die Hosen hochzuziehen und das vor seine ganzen Familie soviel dazu. Wäre so eine Verhaftung einem Deutschen in der Türkei widerfahren ich glaube die Deutschen hätten den Türken sofort den Krieg erklärt.
Die Juztiz ist unabhängig sagen die Europäer immer gerne aber nur bis dahin wie es ihnen gerade paßt sonst würde auf Politischer Ebene nicht der Druck auf die Türkei so groß sein den jungen freizulassen.
Es wurde eine Anzeige von einer Mutter gemacht ob jetzt zu recht oder unrecht das ist ein anderes Thema und dem wird jetzt nachgegangen und Untersuchungen angestellt in Deutschland würde das genauso lange dauern.
Und wegen den Haftbedingungen kann ich nur sagen so ist das nun mal in der türkei wenn es denn Deutschen um Menschenrechte geht dann sollen Sie sich auch mal um die tausenden Türkischen inhaftierten einsetzen denn die haben es auch nicht besser im Gefängnis.Hier schreiben mit Sicherheit auch Familienväter ihren Kommentar zu,von diesen Leuten möchte Ich gerne mal wissen wenn deren Töchter kommen und sagen ich wurde Sexuell mißbraucht und der Vater oder die Mutter das dann zur Anzeige bringt und die Türkische Polizei oder Staatsanwalt würde sagen "da haben Sie Pech gehabt Ich werde nichts dagegen unternehmen sozusagen den vermeintlichen Starftäter nicht Verhaften" wie wäre die Reaktion von den Eltern des mißbrauchten Kindes????
Es kann ja sein das Marco W. unschuldig ist aber das muß erstmal alles geklärt in der Bild steht es kam zu keinem Geschlechtsverkehr und das Sie auch wollte aber in der Lage in der er sich jetzt befindet würden wir das auch sagen.
Tatsache ist man muß die Untersuchungen abwarten bis Licht in die ganze Sache kommt.
Spocks_Kommentar (26.06.2007, 17:35 Uhr)
@ Bob noch was zur Versachlichung
In unserem Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Leider haben es viele vergessen: Kinder sind auch Menschen und da steht nicht: Die Würde des Erwachsenen ist unantastbar.
Was sonst, als die Würde des kindlichen Menschen sollte der Maßstab sein und die erwächst aus seiner körperlichen und geistigen Entwicklung und nicht aus der Bibel oder aus den Wünschen der Eltern.
Es muß aufhören, daß Kinder Sachmenschen sind, die zur Einrichtung des Wohnzimmers gehören und ansonsten möglichst das Bild der heilen Familie nicht stören dürfen.
Auch die Würde des Kindes ist unantastbar - auch durch die Eltern und erstrecht durch Moralapostel aller Couleur.
Wer es anders möchte, muß sich der Arbeit unterziehen, seiner Tochter oder seinem Sohn zu erklären warum und muß sie / ihn überzeugen. Aber nicht nach dem Staat rufen.
Angefangen hat der Jugendschutz vor sexuellen Übergriffen 1871 einmal als Teil des Vergewaltigungsparagrafen, als Schutz abwehrunfähiger Kinder gegen ungewollte oder unverstandene Übergriffe. Die Verschärfungen seither gehen überwiegend auf die Nationalsozialisten und christliche Fundamentalisten sowie auf den Widerstand der Frauen gegen die jüngeren Wettbewerberinnen zurück, verfolgt werden die Männer.
In der Verfassung steht auch, es darf keiner wegen seines Geschlechts verfolgt werden. Das muß auch für Männer gelten.
claudik1 (26.06.2007, 17:19 Uhr)
Ganz schlimm!!!!
Also ich finde das alles ganz fürchterlich! Ich möchte eigentlich auch gar nicht darüber diskutieren, sondern nur wissen, wie man helfen kann?! Sicher, keiner von uns oder von den Behörden war dabei, als die beiden Youngsters zusammen am Zimmer waren, aber ich kann mich noch gut erinnern, wie es war als ich 13, 14, 15 war! Man ist im Urlaub, lernt jemanden kennen und fragt in diesem Alter ganz bestimmt nicht nach dem Ausweis! Ich sehe das ganze als Ferienromanze - wer von uns hatte so etwas nicht??!!! Nach den letzten Berichterstattungen ist das Mädchen noch Jungfrau - also was ist schon wirklich passiert??? Ich habe auch Kinder und bin dafür, dass sie durch solche Gesetze geschützt werden, aber diese ganze Angelegenheit ist völlig überzogen! Und auch ich bin -wie wohl einige andere auch in diesem Forum!- der Meinung, dass die Türkei noch lange lange nicht reif ist für die EU!
Ich werde dort garantiert keinen Urlaub mehr machen! ....aber kein Döner mehr zu essen, war wohl doch eher polemisch gemeint, oder? ;o)
Spocks_Kommentar (26.06.2007, 16:53 Uhr)
@Bob
Heißer Tip: Sprechen Sie einmal mit einem Staatsanwalt, der einschlägig tätig ist, Sie werden sich wundern, was so alles in Deutschland als Kindesmißbrauch strafbar ist. Mindestens 80% aller Väter würden sofort für mehrere Jahre im Gefängnis verschwinden, würden sie angezeigt. Das zum Thema Versachlichung.....
bob-der-meister (26.06.2007, 15:57 Uhr)
zur Versachlichung
"Gebärfähigkeit" kann überhaupt nicht das Kriterium sein.
13jährige Kinder sind in jedem Fall zu jung um die möglichen Folgen ihres Handelns zu übersehen und es ist grundsätzlich richtig, dass es gesetzliche Grenzen gibt.
Erst recht natürlich, wenn der Altersunterschied größer ist als im konkreten Fall. Was in diesem Fall entscheidend ist, ist Marcos eigenes jugendliches Alter und dass man ihm auf Grund dessen zugute halten kann, dass er die Lage vollkommen falsch eingeschätzt hat. Daher scheint mir das Vorgehen der Behörden in dem Fall unverhältnismäßig.
Dass es, gerade in Zeiten, in denen die Pubertät immer früher einsetzt, Gesetze zum Schutz Minderjähriger gibt, hat nichts mit Hexenjagd zu tun.
Spocks_Kommentar (26.06.2007, 15:07 Uhr)
Denkfehler
Wulff redet Unsinn. Wäre das ganze in Deutschland passiert - es ginge ihm keinen deut besser, vielleicht bis auf die Haftbedingungen.
Aber vielleicht kommt jetzt der eine oder andere zum Nachdenken darüber, daß viele 13-jährige seit langem gebärfähig und daß gebärfähige Frauen nicht immer reine Kinder sind und die Hexenjagd auf Männer wird etwas eingedämmt.
Wäre rechtsstaatlich - aber da sind sicher die Mütter vor, die die Konkurrenz ihrer Töchter fürchten und Angst haben, keinen mehr abzukriegen, falls ihre kleine gegen sie antritt.
Pragmatiker (26.06.2007, 14:58 Uhr)
Im Ton vergriffen
@JensM ich weiß zwar nicht wie Ihre Griffel aussehen, aber meine sind nicht dreckig. Zum Thema: ein derartiger polemischer Vergleich hinkt schon sehr. Oder geht es Ihnen nur um Renitenz. Außerdem lassen sich starke Defizite an Rechtsstaatlichkeit in der Türkei nun mal nicht leugnen.
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