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11. Dezember 2008, 07:58 Uhr

Jugendliche greifen Polizeiwachen an

Krawalle ohne Ende: In Griechenland haben am fünften Tag in Folge Jugendliche randaliert und gegen den Tod eines 15-Jährigen demonstriert. In der Nacht sind außerdem in mehreren europäischen Ländern Solidaritätskundgebungen mit den griechischen Demonstranten eskaliert.

Proteste, Krawalle, Solidarität, Griechenland

Demonstranten setzen in der Nähe der griechischen Botschaft in Rom einen Müllcontainer in Brand© EPA/DPA

Jugendliche haben am Donnerstag in der griechischen Hauptstadt Athen mindestens fünf Polizeiwachen mit Steinen und Flaschen angegriffen. Eine Person wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Damit setzten sich die Ausschreitungen nach dem Tod eines 15-Jährigen durch Polizeischüsse den fünften Tag in Folge fort.

In der Nacht hatten maskierte Jugendliche in Athen und in Thessaloniki wieder Steine und Molotow-Cocktails auf die Polizei geschleudert, die Tränengas einsetzte. Bei den Aufräumarbeiten schützten sich die Straßenreiniger mit Gesichtsmasken und Schals vor möglichen Tränengasresten, als sie Steine und Barrikaden aus der Nacht wegräumten. Die Lage blieb angespannt. Gruppen von Gymnasiasten und Studenten wollten in der Hauptstadt vereinzelt Straßen blockieren.

Druck auf griechische Regierung wächst

Der Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis wird unterdessen immer größer. Der Tod des jugendlichen Demonstranten hat Griechenland schockiert, der Regierung wird zudem schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Anwohner und Ladeneigentümer beschweren sich, dass die Polizei nur sich selbst geschützt habe. Meinungsumfragen stellen der Regierung ein verheerendes Zeugnis aus, die Opposition fordert den Rücktritt.

Gewaltaktionen in ganz Europa

In der Nacht war es auch außerhalb Griechenlands zu Protestaktionen vor diplomatischen Vertretungen des Landes gekommen. In Spanien kam es in Madrid und Barcelona zu Unruhen. In Madrid gingen rund 200 junge Menschen auf die Straßen und griffen eine Polizeistelle in der Innenstadt an. Mehrere Polizisten wurden verletzt, fünf Demonstranten festgenommen. In Barcelona gingen 400 zumeist Jugendliche auf die Straßen und protestierten gegen den Tod des 15-jährigen Griechen. Sie setzten Mülleimer in Brand und beschädigten Bankautomaten. Die Polizei löste die Kundgebung auf, nachdem Teilnehmer Steine gegen Geschäftsstellen von Banken geschleudert hatten. Die Beamten nahmen zwei Gewalttäter fest, darunter eine junge Griechin.

Zu Ausschreitungen kam es nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa am Abend auch in Rom und Bologna. In der italienischen Hauptstadt seien Soldaten nach einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft von Demonstranten mit Steinen attackiert worden. Dabei wurde ein Soldat verletzt. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten vor dem griechischen Generalkonsulat in Bologna wurden den Berichten zufolge fünf Polizisten verletzt.

Auch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen löste die Polizei am Abend eine nicht genehmigte Kundgebung auf. Die knapp 150 Demonstranten erklärten in Sprechchören ihre Sympathie für die protestierenden Jugendlichen in Griechenland. Mindestens 32 Demonstranten wurden bei gewaltsamen Ausschreitungen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Den Ordnungskräften zufolge hatten sich Vertreter der Kopenhagener Untergrund-Szene zusammengetan und Flaschen sowie Farbbeutel geworfen. In New York schleuderte ein Passant einen Ziegelstein gegen das Konsulat, in Istanbul sprühten Unbekannte ein Anarchistenzeichen an die Hauswand der Vertretung.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Corazito3333 (11.12.2008, 21:21 Uhr)
es ist wahnsinn
wenn man so liest, was viele von euch schreiben "die keule zwischen die augen" etc. habt ihr immer noch nicht kapiert, daß die demokratie und der sozialstaat nicht mehr existieren? Es gibt nur mehr die Reichen und Herrschenden und was sind wir - ein Spielball und Kühe zum Abmelken
Corazito3333 (11.12.2008, 21:07 Uhr)
Die Wiege der Demokratie
ist Griechenland. Die Jugend demonstriert, geht auf die Straße, welche Mittel haben sie schon - ein ruhiger Protestmarsch, wen interessierts. Hey, die Macht und das Geld und wir alle sind ausgeschlossen und werden zu Arbeitssklaven "Lets make money" der Film deckt Hintergründe auf und dann mal nachdenken, anstatt sein Glück im kleinen zu suchen und hoffen daß es nicht gestört wird, es wird gestört werden.
ArthurMueller (11.12.2008, 17:24 Uhr)
20$ und einen Plastikkoffer
wir wohl jeder der faulen Griechen in Griechenland in der tache haben haben um es hunderttausenden Griechen nachzumachen die im letzten Jahrhundert nach Deutschland oder in die USA oder nach Canada oder nach Australien ausgewandert sind und durch ehrliche Arbeit zu Wohlstand gekommen sind!
Die Formel in Griechenland ist ganz einfach=Es gibt keine Arbeitsplätze weil keiner den Arbeitswillen und Mumm hat welceh SELBST zu schaffen. So einfach ist das. Aber für Krawalle und Anarchie und natürlich Streiks hat man massenhaft Zeit. Ich freue mich auf den Tag, wenn Panzer das leidige Polytechnikum und sein Märchen platt machen!
manesse (11.12.2008, 12:42 Uhr)
@zero87
Gerade die Jugend leidet nicht in Europa; deren Lebensstandard ist besser gesichert als zu allen Zeiten zuvor und als in den allermeisten Regionen der Welt ohnehin.
Vielmehr besteht diese Jugend zu Großteilen aus jungen Leuten, die sich anstrengen und etwas lernen. Eine kleine Minderheit der heutigen Jugend ist dazu zu faul oder zu dumm. Die rennen nun, von Neid und Habgier getrieben, auf die Straße und machen kurz und klein, was sie anderen Leuten nicht gönnen.
Dieser pöbelnde Mob besteht zu Großteilen aus verzärtelten Wohlstandskindern, die zu bequem sind ihr Leben konstruktiv zu gestalten. Es sind deren Eltern, die diesen verrohten Pöbeljugendlichen keine Erziehung angedeihen ließen. Es handelt sich bei dieser Gruppe um ein gemeingefährliches Verwahrlosungsproblem. Diejenigen, die diesen brutalen Leuten noch Verständnis entgegenbringen oder Beifall spenden, sind herzlich naiv.
Hans_Juergen (11.12.2008, 10:57 Uhr)
Alexis Freunde: Brief an die Massenmedien
Dieser Brief wurde gestern abend von den Freunden des Verstorbenen veröffentlicht.
"
WE WANT A BETTER WORLD. HELP US
We are not terrorists, “hoodies”, “the usual suspects”
WE ARE YOUR CHILDREN.
These “usual suspects”….
We have dreams – don’t kill our dreams.
We are passionate – don’t stop our passion.

REMEMBER. Once you used to be young.
Now you chase after money, you care only about your reputation, you’ve got fat,
You’ve gone bald, YOU HAVE FORGOTTEN.
We waited for your support. We waited for you to be interested, for you to make us proud just for once. IN VAIN.
You live false lives, your heads are bowed, you have lowered your trousers and wait for the day you will die.
You imagine nothing, you do not fall in love, you do not create.
You just buy and sell.
GOODS EVERYWHERE LOVE NOWHERE – TRUTH NOWHERE
Where are the parents?
Where are the artists?
Why don’t they come out?
HELP US, THE CHILDREN

p.s. Don’t fire any more tear gas at us. WE are already crying on our own
"
zero87 (11.12.2008, 10:45 Uhr)
@ mister-mister
Uns allen hier dürfte bewusst sein, dass sich in unserer Gesellschaft etwas zu Gunsten der Allgemeinheit ändern muss. Und gerade die Jugend leidet unter den herrschenden Zuständen, nicht nur hier, sondern überall. Wie, glauben Sie, soll sich etwas verändern, wenn nicht so?
Anders funktioniert es einfach nicht! Wenn man mit einer friedlichen Protestdemo durch die Straßen zieht, interessiert es keine Sau!
Dass bei solchen Ausschreitungen immer ein paar Idioten dabei sind, ist völlig normal. Aber um die geht's nicht.
Verraten Sie mir doch, wie man sonst an die "Herren Herrscher" herantreten soll?
whismerh2 (11.12.2008, 10:40 Uhr)
@endbenutzer
Da kannst Du drauf wetten, wer was anderes glaubt, glaubt warscheinlich
auch an den Weinachtsmann.
Ich habe den Bericht ebenfalls gesehen und aufgezeichnet.
Solange sich die Gesetze diesbezüglich Korruption nicht ändern
wir sich nichts ändern, die die Gesetze ändern könnte, hängen zu tief mit drinnen.
Dem Volke wird als Gerechtigkeit die Pendlerpauschale verkauft, die wie
angekündigt uns woander wieder abgenommen wird.
Manchmal denke ich es muß noch weiter
den Bach runter gehen bis sich endlich was ändert, und diese koruppten Säcke endlich mal in die Verantwortung gezogen werden.
Deswegen ziehe ich auch positive Sachen aus den Ereignissen in Griechenland auch wenn ich diese sinnlose Zerstörung von Geschäften nicht gut heiße, bei den Banken kann man geteilter Meinung sein
endbenutzer (11.12.2008, 10:32 Uhr)
@mister-mister:
"...Es sind nichts weiter als gewalttätige Kriminelle, die einen Vorwand zum Trittbrettfahren gesucht und gefunden haben und eigentllich nichts verdienen - außer einer Keule genau zwischen die Augen...."
.
So einfach kann man es sich natürlich auch machen. Übrigens: Wie nennt man heute eigentlich die Teilnehmer der französischen Revolution?
mister-mister (11.12.2008, 09:58 Uhr)
@sphinxi
Wäre es Ihnen lieber, wenn auch hier das Chaotenpack (natürlich unter dem Deckmäntelchen "Solidarität" - heute schon gelacht?)durch die Städte ziehen würde?? So beschränkt schätze ich Sie nicht ein.
.
Es sind nichts weiter als gewalttätige Kriminelle, die einen Vorwand zum Trittbrettfahren gesucht und gefunden haben und eigentllich nichts verdienen - außer einer Keule genau zwischen die Augen.
endbenutzer (11.12.2008, 09:39 Uhr)
@whismerh2:
Interessant in diesem Zusammenhang war z.B. der Bericht des "Frontal21"-Teams zum Thema Pharmaindustrie. Ich denke, dieser Bericht leiße sich locker ausweiten auf die Automobilindustrie, die Atomwirtschaft, Banken sowie Versicherungen...
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