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9. August 2010, 13:53 Uhr

Deich bei Bad Muskau gebrochen

Das Hochwasser bahnt sich seinen Weg langsamer als angenommen von Sachsen nach Brandenburg. Vor dem Städtchen Bad Muskau hielt der Deich den Wassermassen nicht stand. Zwei Dörfer wurden überflutet.

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Das Schloss im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau ist von Wasser eingeschlossen© Arno Burgi/EPA

Der Scheitelpunkt der Flutwelle hat das sächsische Städtchen Bad Muskau erreicht. Die Wassermassen der Neiße haben die beiden Dörfer Podrosche und Sagar überflutet. "Sie stehen unter Wasser", sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzstabs des Landkreises Oberlausitz-Niederschlesien in Niesky am Montag. Die Deiche seien unter dem Druck des Hochwassers gebrochen. Die zwei Orte seien zuvor geräumt und etwa 80 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Die Häuser in den betroffenen Orten seien überflutet, aber nicht überspült oder fortgerissen worden. Nach Angaben des Krisenstabes brach der Deich am Vormittag, als die Welle bereits den Ort Bad Muskau erreicht hatte.

Etwa 40 Menschen in besonders tief liegenden Gegenden in Bad Muskau mussten ihre Häuser ebenfalls verlassen. Der Fachmann schätzte den Wasserstand der Neiße auf mehr als sieben Meter - sechs Meter über dem normalen Pegel. Im Bereich Bad Muskau sei der Hochwasserscheitel inzwischen angekommen. Dort ist auch der Fürst-Pückler-Park überflutet, der als einer der schönsten Landschaftsparks Europas gilt und zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Der Schlosspark steht zur Hälfte unter Wasser. Neues Schloss und Orangerie sind von Wasser umgeben, höher gelegene Teile der Anlage blieben zunächst verschont.

Die Mitarbeiter der Parkstiftung hatten das Gelände am Mittag verlassen müssen, da die Lage zu gefährlich geworden sei, sagte eine Sprecherin. Seit Samstag hatten sie Gebäude mit Sandsäcken geschützt und wertvolle Gegenstände in Sicherheit gebracht.

Da auch technisches Gerät weggebracht worden war, rechne die Stadt vor allem mit Wasserschäden, sagte Bürgermeister Andreas Bänder (CDU). Direkt am Fluss befindliche Teile des Areals sind zudem natürlicher Flutungsraum. Die Behörden gehen davon aus, dass das derzeitige Wasserniveau über zwölf Stunden so bleibt.

Höchste Pegelstände seit 1981

Die Flut hat mittlerweile das Bundesland Brandenburg erreicht. An der Spree in Spremberg und an der Neiße bei Klein Bademeusel gilt seit Montagvormittag die Alarmstufe 3, teilte das Landesumweltamt mit. Bis zum Abend müsse dort jeweils mit der höchsten Alarmstufe 4 gerechnet werden, sagte ein Behördensprecher. Eine genauere Prognose sei schwierig, weil es an Pegeln zwischen Sachsen und Brandenburg mangele.

Bedroht waren zunächst vor allem Orte an der Neiße in Südbrandenburg. Auch an der Oder, in die bei Ratzdorf die Neiße mündet, sollen die Pegel steigen. "Große Sorge bereitet uns auch die Spree", sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Dort werden nach starken Niederschlägen der vergangenen Tage Pegelstände vorhergesagt, wie es sie seit 1981 nicht mehr gegeben hat. Allerdings hofft der Krisenstab, den Zufluss in die Spree über die Talsperre Spremberg etwas regulieren zu können, damit die Pegel weniger schnell steigen. Am Staudamm war in den vergangenen Wochen für Bauarbeiten Wasser abgelassen worden. "Das gibt jetzt die Chance, die Hochwasserwelle für zwei bis drei Tage zwischenzuspeichern", erläuterte Freude. Nach Spremberg, Forst und Guben an der polnischen Grenze wurden bereits Zehntausende Sandsäcke gebracht.

Aufräumarbeiten in Ostsachsen

Unterdessen ist das Hochwasser in Ostsachsen bereits deutlich zurückgegangen. Vielerorts konnten die Menschen in ihre Häuser, die Aufräumarbeiten begannen. Das am Wochenende wegen Überflutung abgestellte Wasserwerk Görlitz ist wieder in Betrieb. Auch die Stromversorgung funktioniert zum Großteil wieder. Seit Samstag waren etwa 5000 Haushalte in Görlitz ohne Strom, nachdem viele Umspannstationen vom Netz genommen worden waren.

Einen Schaden von mehreren Millionen Euro hat das Hochwasser der Neiße im Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal in Ostritz angerichtet. Das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal sprach am Montag von der schlimmsten Überschwemmung seit Gründung des Klosters im Jahre 1234. Die Flut hatte das an der Neiße gelegene Gelände eingeschlossen. Fast alle Gebäude seien von Zerstörungen betroffen. Die 15 Schwestern, die in St. Marienthal leben, hätten sich während des Hochwassers in obere Räume zurückgezogen, hieß es.

swd/DPA/APN
 
 
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