. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. August 2009, 08:28 Uhr

Daten von 130 Millionen Kreditkarten geklaut

Es ist der bislang größte Kreditkartenbetrug in den USA: Ein Mann soll die Daten von 130 Millionen Kreditkartenkonten ausspioniert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als Hacker die Systeme von Unternehmen geknackt zu haben.

USA, Kreditkartenklau, Hacker, 130, Millionen, Kreditkarten

Per virtuellen Raubzügen soll der Hacker mit zwei Komplizen Nummern und Namen von Kreditkarten ausgespäht haben© Mark Lennihan/AP

Der bislang größte Fall von Datendiebstahl im Internet kommt in den USA vor Gericht: Dem 28-jährigen Albert Gonzales, der schon 2003 für eine weltweite Hacker-Attacke auf Kreditkarten-Daten verantwortlich war, wird nach Angaben des US- Justizministeriums vom Montag gemeinsam mit zwei russischen Komplizen der Prozess gemacht. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft in New Jersey ist es dem Hacker-Trio gelungen, die Daten von 130 Millionen Kreditkarten zu knacken - rund zehn Prozent aller in Amerika ausgegebenen Kreditkarten. Am Dienstag war noch unklar, wie hoch der Schaden ist, der durch den Datenklau entstand. Freier Mitarbeiter beim Geheimdienst?

Besonders pikant: Nachdem Gonzales 2003 wegen millionenfachen Datenklaus gefasst worden war, hatte ihn der US-Geheimdienst laut "Wall Street Journal" zeitweise als Informanten und freien Mitarbeiter engagiert. Der Mann aus Miami sollte helfen, Hacker und andere Internet-Kriminelle aufzuspüren. Die Zusammenarbeit sei beendet worden, nachdem US-Ermittler festgestellt hätten, dass Gonzales auch Verdächtige und Kriminelle über polizeiliche Ermittlungen informierte. Im Mai 2008 wurde er wegen Datendiebstahls bei einer Restaurant-Kette erneut verhaftet. Wegen dieser Straftat muss er sich noch in diesem Jahr vor einem New Yorker Gericht verantworten.

Der Polizei bereits einschlägig bekannt

Eine bisher unbekannte Zahl von Kreditkarten wurde laut dem Fernsehsender MSNBC online verkauft und für betrügerische Zwecke eingesetzt. Noch sei unklar, wie viele der vom Diebstahl betroffenen Bürger bisher informiert worden seien. "Operation reich werden oder sterben"

Der Hacker, der keine Ausbildung als Informatiker oder Computerfachmann hat, sitzt derzeit im New Yorker Stadtteil Brooklyn in Haft. Er spiele eine "sehr wichtige Rolle" in einem Hackerring, der auf Kreditkarten-Betrug spezialisiert sei, sagte Seth Kosto von der Staatsanwaltschaft in New Jersey dem "Wall Street Journal". Gonzales sei ein "aufstrebender Star" der Internet-Untergrund-Szene gewesen, berichtete die Zeitung. Seine Ambitionen habe er als "Operation reich werden oder sterben" bezeichnet. Für seine letzte Geburtstagsparty soll er 75.000 Dollar ausgegeben haben.

Ausgefeilte Technik angewandt

Gonzales und die beiden anderen Männer haben nach Erkenntnissen der Justizbehörden seit Oktober 2006 Kartennummern und Namen unter anderem in den Computersystemen einer Firma für Zahlungsabwicklungen in New Jersey, der 7-Eleven-Supermarktkette und weiteren landesweit und regional tätigen Einzelhändlern ausgespäht. Bei ihren virtuellen Raubzügen hätten sich die Hacker Sicherheitslücken in der Programmierung sogenannter SQL-Datenbanken zunutze gemacht, hieß es.

Außerdem hätten sie ausgefeilte Techniken angewandt, um ihre Angriffe zu tarnen und die mögliche Entdeckung durch Anti-Viren- Software zu verhindern. Die ausgespähten Daten seien dann an eigene Server in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Illinois sowie in Lettland, den Niederlanden und der Ukraine übermittelt worden.

Umsatzstärkste Unternehmen ausgesucht

Der Fall zeige, dass sich Einzelhandel und Banken in den USA stärker als bisher vor Hacker-Angriffen schützen müssten, sagte der Sicherheitsexperte Richard Wang von der Firma SophosLabs der "New York Times". Es gebe weltweit noch eine Reihe von Leuten mit entsprechendem technischen Wissen, die zu solch millionenfachen Angriffen auf geheime Daten in der Lage seien.

Wie die "New York Times" berichtete, suchten sich die Hacker ihre Opfer anhand der "Fortune 500"-Liste, dem Verzeichnis der 500 umsatzstärksten US-Unternehmen, aus. Im Falle einer Verurteilung in dem neuen Verfahren drohen Gonzales, der sich im Internet "soupnazi" (Suppen-Nazi) nennt, wegen Verschwörung und Verschwörung zum Kartenbetrug bis zu 25 Jahre Haft sowie Geldstrafen in Höhe von insgesamt bis zu 500.000 Dollar.

DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Internet-Dienst Hacker zwingen Twitter in die Knie

Mit einer Flut von Anfragen haben Hacker den Mikro-Bloggerdienst Twitter lahmgelegt. Über mehrere Stunden hinweg hatte es sich im Internet "ausgezwitschert". Die Twitter-Betreiber haben Gegenmaßnahmen ergriffen. Auch das soziale Netzwerk Facebook soll betroffen gewesen sein. mehr...

Hackerangriff War das schon ein Cyber-Krieg?

Erst kürzlich wurden Computersysteme von US-Behörden von Hackern angegriffen. Als Urheber dieser kriminellen Aktivitäten kam Nordkorea in Verdacht. Doch was kann man dagegen tun? Die Möglichkeiten einer Reaktion begrenzt - am Ende trifft man noch den Falschen. mehr...

Millionenfacher Datenklau Telekom-Chef verspielt Vertrauen

Der bislang größte Datendiebstahl in Deutschland erschüttert das Vertrauen in die Telekom. Oppositionspolitiker und Datenschützer haben massive Zweifel an der Datensicherheit beim ehemaligen Staatskonzern geäußert - und fordern Konsequenzen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe