Der größte Agententausch seit dem Ende des Kalten Krieges ist weit unspektakulärer verlaufen als ähnliche Operationen im Thriller: Kaum in Wien eingetroffen, wurden die Spione auch schon zwischen den USA und Russland ausgetaucht.

Auf der Jagd nach den Spionen: Fotografen versuchen in Wien, Bilder vom Agentenaustausch zu machen© Matthias Schrader/AP
Transatlantischer Spionage-Showdown: Der größte Agentenaustausch zwischen den USA und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges wurde zügig abgewickelt. Am Mittag hob eine russische Maschine mit Mitgliedern des kürzlich in den USA gesprengten russischen Spionagerings vom Flughafen Wien ab. Es wurde angenommen, dass das Flugzeug Moskau zum Ziel hat. Auch die US-Maschine, die die Spione nach Wien geflogen hatte, hob nur Minuten nach der russischen Maschine ab.
Die zehn in den USA enttarnten russischen Spione waren kurz zuvor mit der von der US-Regierung gecharterten Maschine von New York nach Wien geflogen. Das Flugzeug von Vision Airlines landete am Vormittag in der österreichischen Hauptstadt. Kurz davor hatte eine russische Militärmaschine aufgesetzt. An Bord, so wurde vermutet: die vier Russen, die für den Westen spioniert haben sollen und gegen die die zehn anderen Spione ausgetauscht werden soll.
Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. "Wir können keine Details der Aktion nennen", wurde ein namentlich nicht genannter hochrangiger US-Regierungsbeamter am Freitag in russischen Medien zitiert. Auch die österreichischen Behörden wollten die Geschehnisse nicht kommentieren.
Nur Stunden vor ihrem Abflug hatten die enttarnten russischen Spione vor einer New Yorker Richterin zugegeben, für die russische Regierung gearbeitet zu haben. Für jeden einzelnen stand ein Anwalt auf und antwortete auf die Frage, ob sie die Anklage akzeptieren, mit einem knappen "Ja". Die meisten hatten sich als Amerikaner getarnt. Ihre Häuser und Autos sowie Teile ihres Vermögens wurden eingezogen. Einige haben Kinder, die nun selbst entscheiden sollen, ob sie ihren Eltern nach Russland folgen.
Vor Gericht hießen "Richard" und "Cynthia Murphy" wieder Wladimir und Lydia Guryew, "Donald" und "Tracey" wurden wieder zu Andrej und Elena. Die als schöne Spionin bekannt gewordene Anna Chapman heißt allerdings wirklich so. Auch zwei weitere der zehn spionierten unter ihren tatsächlichen Namen. Sie waren erst Ende Juni nach jahrelangen Ermittlungen vom FBI festgenommen worden.