Ein Schattenmann tritt ins Licht

29. Januar 2011, 20:19 Uhr

Erstmals in seiner 30-jährigen Herrschaft hat Ägyptens Staatschef Mubarak einen Vize-Präsidenten bestimmt: Geheimdienstchef Omar Suleiman gilt als engster Vertrauter und Berater Mubaraks – und wird bereits als dessen Nachfolger gehandelt.

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Dem Präsidenten Mubarak rettete Omar Suleiman einst das Leben©

Das Scheinwerferlicht scheut er, öffentliche Reden hielt er bisher keine. Omar Suleiman, während der Unruhen in Ägypten überraschend zum Vize-Präsidenten ernannt, ist nicht nur der oberste Geheimdienstler seines Landes. Er ist engster Vertrauter und Berater seines Präsidenten Husni Mubarak und subtiler Vermittler in den komplizierten Nahost-Friedensgesprächen, im hochkomplexen Streit der Afrikaner um das Nilwasser und zwischen den verfeindeten Palästinenserfraktionen. In Ägypten wird ihm die erfolgreiche Zerschlagung der islamistischen Terrorzellen zugeschrieben.

Seine schlanke Gestalt, das auffällige Schnurrbärtchen und das feinsinnige Lächeln lassen Suleiman wie einen britischen Oberst aus der Kolonialzeit wirken. Oder zumindest wie einen Gentleman-Agenten à la Hollywood. Er ist diskret, gilt bei seinen Freunden als ruhig und beherrscht. Neben seiner militärischen Ausbildung in Kairo hat er Politikwissenschaften studiert. Er stammt aus der ländlichen Provinz Kena in Oberägypten, wo er nach unterschiedlichen Quellenangaben 1935 oder 1936 geboren wurde.

Mubaraks Mann für heikle Aufträge

Nach einer Laufbahn in der Militärabwehr wurde er 1993 Chef des Allgemeinen Sicherheitsdienstes. Während seine Vorgänger stets nur im Verborgenen wirken durften, so stand Suleiman seit 2000 in der Öffentlichkeit, meist an der Seite seines Präsidenten oder am Rande wichtiger Friedensverhandlungen. Mehr als sein typisches Lächeln hatte er aber für die auf ihn gerichteten Fernsehkameras nicht übrig. Die Rolle des diskreten Schattenmannes steht ihm besser.

Der General, der in den beiden Nahostkriegen 1967 und 1973 gegen Israel gekämpft hatte, ist Mubaraks Mann für heikle Aufträge. Das unbedingte Vertrauen seines obersten Chefs errang er 1995, als dieser an einem Afrika-Gipfel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba teilnahm. Elf ägyptische Extremisten waren ihm dorthin gefolgt und hatten auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Feuer auf die Präsidenten-Limousine eröffnet. Mubarak blieb unversehrt - denn Suleiman hatte am Tag zuvor dafür gesorgt, dass der ursprünglich eingeflogene "softe" Wagen gegen ein Fahrzeug mit Panzerung ausgetauscht wurde.

Möglicher Nachfolger des Präsidenten

Suleiman gilt seit Jahren als potenzieller Nachfolger des nunmehr in Bedrängnis geratenen Präsidenten. Die USA und Israel betrachten ihn als "Wunschpartner", da er nicht nur den islamistischen Terror in seiner eigenen Heimat bekämpfte, sondern auch die pro-westliche Palästinenserfraktion um deren Präsidenten Mahmud Abbas gegen die islamische Hamas unterstützt. Andere Gerüchte sahen ihn als künftigen Vize-Präsidenten für den Fall, dass Mubarak das Präsidentenamt an seinen Sohn Gamal weitergeben würde. Der Geschäftsmann und Politiker wäre der erste Präsident seit 1952, der nicht aus dem Militär käme. Suleiman würde in diesem Szenario dieses "Defizit" ausgleichen.

Der Spionage-General gilt außerdem als unberührt von der im Regime weit verbreiteten Korruption. Auch mit den schmutzigen und menschenverachtenden Praktiken der inländischen Geheimdienste soll er der wohlmeinenden Legende zufolge nichts zu tun haben. Mubarak, der um sein politisches Überleben kämpft, hat nun den heikelsten Auftrag für ihn: zu retten, was noch zu retten ist. Im schlimmsten Fall könnte er immer noch zum Manager eines geordneten Rückzugs und eines möglichst schmerzfreien Übergangs werden.

Doch die Umstände seiner hastigen Ernennung zum Vize-Präsidenten - ein Amt, das die Verfassung vorsieht, das aber Mubarak fast 30 Jahre unbesetzt ließ - dürften ihm nicht helfen. Den Druck der Straße wird er nicht lindern können. Omar Suleiman mag das freundlich lächelnde Gesicht des hässlichen Regimes in Kairo sein. Für die Menschen auf der Straße ist er dennoch ein Gesicht des Regimes.

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