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Lebenslänglich für Mubarak Vom Präsidentenstuhl in die Zelle - eine Chronologie


Ägyptens Ex-Staatschef Husni Mubarak ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. stern.de wirft einen Blick zurück, wie es dazu kommen konnte.

Ein Strafgericht in Kairo hat den ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Staatsanwalt hatte zuvor die Todesstrafe gefordert. Er sieht es als erwiesen an, dass er die Schuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten im Januar und Februar 2011 trägt.

Massenproteste hatten den 84-Jährigen im Februar 2011 zum Rücktritt gezwungen . Doch auch, nachdem die neuen Machthaber den autokratischen Herrscher vor Gericht stellten und ein Parlament wählen ließen, sollte das Land nicht zur Ruhe kommen - bis heute. Ein kurzer Rückblick auf die bisherigen Ereignisse

25. Januar 2011

Landesweit demonstrieren Zehntausende. Mindestens vier Menschen werden getötet, Hunderte verletzt.

28. Januar

Mehr als 100 000 Demonstranten fordern die Staatsmacht heraus. Am Abend rückt das Militär in die Städte ein.

1. Februar

Mit einem "Marsch der Millionen" steuert der Machtkampf auf einen neuen Höhepunkt zu. Mubarak kündigt den Verzicht auf eine weitere Amtszeit und damit seinen Abgang für September an. Die UN gehen inzwischen von 300 Toten und 3000 Verletzten aus.

3. Februar

Die Lage auf dem Tahrir-Platz spitzt sich dramatisch zu. Demonstranten werfen Brandsätze, es sind Maschinengewehr-Salven zu hören. Weitere Menschen sterben.

10. Februar

In Ägypten verdichten sich Hinweise auf einen baldigen Rücktritt Mubaraks. Zur Enttäuschung zehntausender Demonstranten gibt er aber nur einige Vollmachten an seinen Vize Omar Suleiman ab.

11. Februar

Die Proteste erfassen das ganze Land. Mubarak setzt sich nach Scharm el Scheich ab, der Oberste Militärrat übernimmt die Macht.

13. April

Der Ex-Präsident sitzt in Untersuchungshaft, wegen seines schlechten Gesundheitszustandes in einem Krankenhaus.

20. April

Ein Untersuchungsbericht macht den Ex-Staatschef für den Tod von 846 Menschen während der Unruhen mitverantwortlich.

8. Juli

Zehntausende unzufriedene Revolutionäre protestieren in Kairo gegen die Übergangsregierung und den Militärrat.

3. August

Der Prozess gegen Mubarak beginnt. Wegen des brutalen Vorgehens gegen Demonstranten, Amtsmissbrauchs und illegaler Bereicherung droht ihm die Todesstrafe.

18. November

Hunderttausende fordern auf dem Tahrir-Platz, der Militärrat müsse die Macht bald an Zivilisten übergeben. Bei Straßenschlachten kommen in den folgenden Tagen mehr als 40 Menschen ums Leben, Hunderte werden verletzt.

22. November

Der Militärrat kündigt die Präsidentenwahl für Juni 2012 an. Kurz darauf will das Militär die Macht abgeben. Dennoch gehen die Straßenkämpfe weiter.

28. November

Die erste Parlamentswahl der neuen Epoche beginnt.

7. Dezember

Eine neue Übergangsregierung wird vereidigt. Die Minister sind zum Teil Funktionäre aus der Ära Mubarak.

16. Dezember

Bei schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Angehörigen der Sicherheitskräfte werden bis zum 19. Dezember in Kairo mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 900 verletzt.

29. Dezember

Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchen die Büros von 17 Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Institutionen in Kairo. Darunter ist die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die erhoffte Ruhe für Ägypten auch 2012 ausblieb

2012 - Jahr der enttäuschten Hoffnungen

20. Januar 2012

Sieger der ersten freien Parlamentswahl sind die Islamisten. Stärkste Kraft ist die Partei der Muslimbruderschaft «Freiheit und Gerechtigkeit».

2. Februar

Bei Stadion-Krawallen in Port Said sterben über 70 Menschen. 1000 werden verletzt. Viele Ägypter machten bezahlte Schläger des früheren Regimes dafür verantwortlich. Tausende demonstrieren gegen den Militärrat. Es gibt Tote und Verletzte.

6. Februar

Das Justizministerium klagt 43 Mitarbeiter ausländischer Organisationen öffentlich an - darunter zwei Mitarbeiter der Adenauer-Stiftung. Sie hätten mit ausländischen Mitteln die Sicherheit Ägyptens gefährdet. Berlin protestiert.

24. März

Überschattet von Protesten liberaler Gruppen wählen die Abgeordneten die 100 Mitglieder der Verfassungsgebenden Versammlung.

27. April

Zu einer geplanten «Millionenkundgebung» der Muslimbrüder und Salafisten gegen das Militär kommen nur einige tausend Menschen auf den Tahrir-Platz in Kairo. Liberale Gruppen bleiben fern.

2. Mai

Bei Zusammenstößen zwischen Schlägertrupps und Demonstranten in Kairo werden mindestens elf Menschen getötet und rund 170 verletzt. Soldaten und Polizisten greifen stundenlang nicht ein. Bei Protesten vor dem Verteidigungsministerium in den kommenden Tagen sterben weitere neun Menschen, mindestens 300 werden verletzt.

23. Mai

Die erste Runde der Präsidentenwahl beginnt. Es sind 13 Kandidaten zugelassen.

2. Juni

Ein Strafgericht in Kairo verurteilt den ägyptischen Ex-Präsidenten Husni Mubarak zu lebenslanger Haft.

DPA/Reuters DPA Reuters

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