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23. September 2009, 20:43 Uhr

Gaddafi wütet vor den UN

Seine Kritiker hatten einen Eklat befürchtet - und Muammar al-Gaddafi hat sie nicht enttäuscht. Der Libyer wetterte gegen den "Terrorrat" der UN. Ein Exemplar der Charta fiel seinem Zorn zum Opfer.

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Energischer Staatsmann: Wenn Muammar al-Gaddafi tobt, ist auch die UN-Charta nicht mehr vor ihm sicher© Stan Honda, AFP

Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hat die Vereinten Nationen in ungewöhnlich scharfer Form angegriffen. In einer aufgebrachten Rede vor der Vollversammlung erklärte er am Mittwoch in New York, die Besetzung des UN-Sicherheitsrats mit Nuklearmächten sei "Terrorismus". "Er sollte nicht Sicherheitsrat heißen, er sollte Terrorrat heißen", sagte Gaddafi.

Der Revolutionsführer warf den UN vor, ihre eigene Charta zu brechen. In der Präambel sei vorgeschrieben, dass alle Länder unabhängig von ihrer Größe gleichberechtigt seien. Dennoch seien die meisten Staaten nicht im fünfzehnköpfigen Sicherheitsrat vertreten, die fünf Vetomächte hätten das alleinige Sagen. "Das akzeptieren wir nicht, und das erkennen wir nicht an", sagte er sichtlich erregt, hielt ein Exemplar der Charta hoch und zerriss einige Seiten.

Seit Bestehen der Weltorganisation habe es 65 Kriege weltweit gegeben - mit Millionen mehr Opfern als im Zweiten Weltkrieg, kritisierte Gaddafi weiter. Dabei sei es die Aufgabe der UN, Frieden zu schaffen.

"Im Namen von 1000 afrikanischen Königreichen"

Darüber hinaus forderte der Libyer mehr als fünf Billionen Euro für Afrika als Entschädigung für die Kolonialzeit. Wenn die westlichen Länder nicht zahlten, würden sich die Afrikaner das Geld zurückholen, sagte Gaddafi. Er spreche "im Namen von 1000 afrikanischen Königreichen", erklärte er.

Für seinen Vorredner war Libyens Staatschef voll des Lobes. "Wir wären glücklich, wenn Obama für immer Präsident von Amerika bleiben könnte", sagte Gaddafi, der selbst seit 40 Jahren im Amt ist. "Sie sind der Beginn eines Wandels", lobte Gaddafi, der seine Redezeit von 15 Minuten weit überzog und mehr als anderthalb Stunden sprach.

Neuer Streit ums Beduinenzelt

Bereits vor dem Auftritt Gaddafis war unter den 192 Mitgliedern große Unruhe ausgebrochen, viele Delegierte hatten den Raum verlassen. Versammlungsleiter Ali Treki hatte mehrfach vergeblich versucht, mit lautem Klopfen für Ruhe zu sorgen. Erst nach fast zehn Minuten erhob sich Gaddafi und schritt sichtlich verärgert ans Rednerpult. Ihn empfing schwacher Applaus. Sein unmittelbarer Vorredner Obama war mit großem Beifall bedacht worden.

Auch außerhalb der Halle sorgte Gaddafis Besuch für Wirbel. Die Kleinstadt Bedford unweit von New York City stoppte den Aufbau eines Beduinenzeltes, das Gaddafi zur Bewirtung von Gästen nutzen wollte. CNN berichtete, dass sich der Libyer ausgerechnet ein Anwesen des New Yorker Baulöwen Donald Trump für sich und seine Gäste ausgesucht hatte. Der Anwalt der Stadt, Joel Sachs, führte mehrere Verstöße gegen die Grundstücksnutzung auf, um das Einschreiten der Behörden zu begründen.

DPA/AP/AFP
 
 
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