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13. September 2011, 08:03 Uhr

Israel kämpft an allen Fronten

Wird aus dem arabischen Frühling ein israelischer Herbst? Das Land ist dabei, seine letzten muslimischen Verbündeten zu verlieren. Droht Israel nun die völlige Isolation? Von Niels Kruse

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Pro-Palästinensischer Protest: Netanjahu gegen die Friedenstaube© Abbas Momani/AFP

Die Türkei - wendet Israel den Rücken zu. Ägypten - lässt den antiisraelischen Mob gewähren. Jordanien - ist noch mit sich selbst beschäftigt, Ausgang jedoch offen. Dies sind die einzigen Staaten der arabisch-muslimischen Welt, auf deren guten Willen sich Israel bislang verlassen konnte. Doch seitdem der Streit mit dem Partner Türkei eskaliert und in Kairo die israelische Botschaft gestürmt wurde, droht das Land noch isolierter dazustehen, als es in der Region ohnehin schon ist. "Israel", klagte Oppositionsführerin Zipi Livni angesichts der prekären Lage nun, "ist heute schwächer als zuvor".

Damit hat die Chefin der Kadima-Partei ihrem Land den schlimmstmöglichen Zustand attestiert. Denn im ehrpusseligen Nahen Osten gilt Schwäche als anderes Wort für Gesichtverlust, Niederlage und Untergang, weswegen die Beteiligten immerfort Stärke demonstrieren. Vor allem das bei den meisten arabischen Staaten verachtete Israel ist deswegen auf die Rückendeckung seiner wenigen Verbündeten angewiesen - ernsthafte Konflikte etwa mit dem direkten Nachbarn Ägypten kann und will es sich nicht leisten.

Kehrt der Botschafter wieder zurück?

Vielleicht ist auch das der Grund, warum der sonst nicht zu leisen Tönen neigende Regierungschef des Landes, Benjamin Netanjahu, nun regelrecht versöhnliche Worte Richtung Kairo sendet: Er sei den ägyptischen Sicherheitskräften dankbar, dass sie israelische Diplomaten vor dem Schlimmsten bewahrt hätten. Auch der am Samstag aus dem Gebäude geflüchtete Botschafter könnte bald wieder nach Kairo zurückkehren.

Grund für die Ausschreitungen, bei der drei Menschen getötet und rund 1000 verletzt wurden, war ein Zwischenfall an der ägyptischen Grenze vor einigen Wochen. Nach dem Attentat von Eilat , hatten israelische Soldaten die mutmaßlichen Täter verfolgt und dabei fünf ägyptische Grenzposten erschossen. Was folgte, war eine halbherzige Entschuldigung aus Jerusalem, und anschließende zahlreiche Proteste vor der israelischen Botschaft in Kairo, die am Wochenende eskalierten.

Jahrzehntelang antiisraelische Stimmung geschürt

Bis zur Revolution im Februar hatte der starke Mann Ägyptens, Husni Mubarak dafür gesorgt, dass der Friedensvertrag mit dem Nachbarn eingehalten wurde. Eine Herzensangelegenheit war das nicht: Der Ex-Diktator ließ es zu, dass "von den staatlichen und halbstaatlichen Medien über Jahrzehnte antiisraelische Stimmung geschürt wurde", wie Sylke Tempel von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) stern.de sagte.

Dass die neuen Machthaber eine andere Politik gegenüber dem Nachbarn verfolgen, zeigte sich bereits im Frühsommer, als die Grenze zum von Israel blockierten Gazastreifen geöffnet wurde. Ob das Militär diesen Kurs beibehalten oder sogar verschärfen wird, ist noch völlig ungewiss, "wie ohnehin die Zukunft Ägyptens völlig unabwägbar ist", so Sylke Tempel. Immerhin kündigten die Generäle nach dem Sturm auf die Botschaft nun an, die Verantwortlichen zur "Rechenschaft ziehen zu wollen" - was als Zeichen der Deeskalation verstanden werden kann.

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