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26. Oktober 2011, 19:17 Uhr

Unbeaufsichtigte Waffenlager laden zu Plünderungen ein

Der Bürgerkrieg in Libyen ist vorbei, doch die Waffen der Kämpfer bleiben eine Bedrohung. Offenbar gibt es in der Wüste zahlreiche unbewachte Waffenlager, in denen zehntausende Tonnen Granaten, Raketen und Splitterbomben lagern sollen. Eine Verlängerung des Nato-Einsatzes ist noch nicht vom Tisch.

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SB-Waffenarsenal: Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch lagern in Libyen zehntausende Tonnen Waffen unbeaufsichtigt in der Wüste© Philippe Desmazes/AFP

In der libyschen Wüste 120 Kilometer südlich der Stadt Sirte lagern unbeaufsichtigt zehntausende Tonnen Munition aus den Beständen des getöteten Machthabers Muammar al Gaddafi. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch berichtete, gibt es dort rund 80 sandfarben gestrichene Betonbunker, in denen Munition aus überwiegend russischer und französischer Produktion lagert. Allein in einem der Bunker zählte der AFP-Reporter rund 8000 100-Millimeter-Granaten. In anderen Bunkern lagerten meterhoch Bomben von 250, 500 und 900 Kilogramm Gewicht sowie Raketen, Splitterbomben, Granaten und viele andere Waffen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zeigte sich in einer Erklärung besorgt über die unbewachten Waffenlager. In viele der Bunker seien bereits Plünderer eingedrungen, erklärte die Organisation. Die Lager sind für jeden zugänglich. Rund um das Wüstenlager herum liegen tausende Munitionskisten im Sand. Laut Human Rights Watch wurden sie auf dutzenden Hektar verstreut, um ihre Zerstörung durch Nato-Luftangriffe zu verhindern. Ein Experte der Organisation schätzte die Menge der in den Wüsten-Bunkern gelagerten Munition auf "zehntausende Tonnen".

UN besorgt über Flugabwehrraketen

Auch die Vereinten Nationen beschäftigen sich intensiv mit dem von Gaddafi angehäuften Waffenarsenal. Vor allem die Kleinst-Flugabwehrraketen, die es zu Tausenden in Libyen geben soll, machen den UN Sorgen. "In keinem Land der Erde, außer den Herstellerländern, gibt es so viele dieser gefährlichen Raketen wie in Libyen", sagte der UN-Sonderbeauftragte Ian Martin am Mittwoch vor dem Sicherheitsrat in New York. Die kleinen Raketen, bekannt sind die amerikanischen "Stinger" oder die russischen "Strela", können von einem Einzelnen von der Schulter abgefeuert werden. Experten fürchten, dass Terroristen sie gegen Passagiermaschinen einsetzen könnten.

"Wir bemühen uns, diese Waffen möglichst schnell zu erfassen", sagte Martin. "Aber es gibt mehrere Hundert mögliche Lagerplätze, die wir alle untersuchen müssen, und das sofort." Experten seien wegen des Problems in großer Sorge: "Diese Gefahr braucht unsere größte Aufmerksamkeit."

In einem Vorort von Sirte, wo Gaddafi sich bis zu seinem Tod am Donnerstag vergangener Woche mehrere Wochen lang versteckt hatte, fanden die Inspektoren von Human Rights Watch die leeren Behälter von 28 Raketen vom Typ SA-24, einer Boden-Luft-Rakete russischer Bauart. Mehr als 20 Boden-Luft-Raketen vom Typ SA-7, ebenfalls aus Russland, seien zudem in ihren Original-Behältern vorgefunden worden. Während der Inspektion des Lagers tauchten der Organisation zufolge mehrere "Zivilisten und bewaffnete Anti-Gaddafi-Kämpfer mit Pick-Ups" auf, "um weitere Waffen wegzuschaffen". Der aus den Rebellen hervorgegangene Nationale Übergangsrat sei damit gescheitert, die Waffenbestände der ehemaligen Führung zu sichern, erklärte Human Rights Watch.

Ende des Nato-Einsatzes noch offen

Die Nato hat unterdessen ihre endgültige Entscheidung über das Ende ihres Militäreinsatzes in Libyen verschoben. Damit reagierte das Bündnis am Mittwoch auf eine Bitte der libyschen Übergangsregierung, den Einsatz bis zum Jahresende oder aber mindestens um einen Monat zu verlängern. Die Botschafter der 28 Nato-Staaten hatten am vergangenen Freitag vorläufig beschlossen, den seit Ende März laufenden Militäreinsatz zum 31.Oktober zu beenden. Die endgültige Bestätigung war am Mittwoch vorgesehen. "Es scheint uns sinnvoll zu sein, noch etwas länger mit den Libyern und auch mit den Vereinten Nationen zu beraten", hieß es am Mittwoch bei der Nato in Brüssel. Es gab aber noch keine Hinweise, dass sie dem Wunsch des libyschen Übergangsrates entsprechen wird.

Gaddafis Todesumstände bleiben mysteriös

Die vorläufige Untersuchung der Todesumstände des libyschen Machthabers Muammar el Gaddafi nach Angaben eines UN-Diplomaten des Nationalen Übergangsrats keinen Hinweis darauf ergeben, dass er nach seiner Gefangennahme erschossen wurde. Libyens stellvertretender UN-Botschafter Ibrahim Dabbashi sagte am Mittwoch vor dem UN-Sicherheitsrat, vorliegenden Informationen zufolge sei Gaddafi bei Schusswechseln zwischen seinen Anhängern und denen des Nationalen Übergangsrats in Sirte verwundet worden. Er blutete demnach am Unterleib und am Kopf und starb bei seiner Ankunft im Krankenhaus in Misrata. Keiner der "Revolutionäre" habe nach Gaddafis Gefangennahme auf ihn gefeuert.

kng/AFP/DPA
 
 
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