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12. Mai 2008, 13:48 Uhr

Abergläubischer Verschwender

Seit 1962 beherrschen Militärs die frühere britische Kolonie Myanmar, die Macht im Staat liegt bei General Than Shwe. Der 75-jährige Regimechef tritt nur selten in Erscheinung, liebt das Golfspiel und verprasste allein bei der Hochzeit seiner jüngsten Tochter 300.000 Dollar.

Vom Postdienst zur Armee: Myanmars starker Mann, General Than Shwe bei einer Militärparade Ende März© AP

Wenn es in Myanmar brenzlig wird, taucht einer immer ab: General Than Shwe (75), der die Militärdiktatur seit 1992 anführt, ist seit dem verheerenden Zyklon "Nargis" vor einer Woche von der Bildfläche verschwunden. Als Helfer in der Not setzt sich im Fernsehen nur die zweite Garde in Szene. Der öffentlichkeitsscheue Machthaber gibt nicht nur ausländischen Beobachtern Rätsel auf. Than Shwe gilt als tief gläubiger Buddhist, ist höchst abergläubisch und beschäftigt Astrologen, die ihm den richtigen Weg ins Paradies weisen sollen. Als dienstältester General der Junta sieht er sich selbst als Reinkarnation des Königs, seine Herrschaft übt er allerdings im Verborgenen aus. "Eine seiner wichtigsten Strategien ist es, alles geheim zu halten, so dass er jeden überraschen und das Land länger regieren kann", beschreibt ihn der in Thailand lebende Oppositionelle Win Min.

Mithelfen muss dabei auch das Volk: Im Dezember erging ein Befehl an die Bauern in Pegu rund 80 Kilometer nördlich von Rangun, Sonnenblumensamen zu pflanzen, berichtet das zuverlässige oppositionelle Internetmagazin "The Irrawaddy". Sonnenblume heißt Nay Kyar auf myanmarisch, was auch für "langes Leben" steht. Nay bedeutet zudem "Samstag", Kyar "Montag". Der 7. und der 2. Tag der Woche ergeben zusammen 9 - eine Glückszahl in Myanmar.

Nüsse gegen die Gegnerin

Im vergangenen Jahr war es eine bestimmte Nuss, nach der der oberste Feldherr plötzlich verlangte. Kyet Suu, heißt sie, was irgendwie so ähnlich klingt wie der Name von Than Shwes größter Gegnerin, der Friedensnobelpreisträgerin (Aung San) Suu Kyi. Wenn diese Nuss auf Birmas Feldern blüht, werde die Anziehungskraft, die die Frau auf das Volk ausübt, gebrochen, so die Hoffnung.

Champagnerpyramide zur Hochzeit der Tochter

Than Shwe, genannt: Bulldogge, jagt den meisten Menschen im Land vor allem Schrecken ein. Jedes Büro, jeder Laden hat ein Bild von dem untersetzten Mann an der Wand. Der ehemalige Briefträger blickt stets tiefernst, in grüner Uniform und mit rausgestreckter Brust in die Kamera, die unter der Last der unzähligen Orden einzufallen droht. Nur wenige Landsleute sehen den General auch mal legerer. Wer Internet hat, kann auf YouTube zum Beispiel ein Video von der extravaganten Hochzeit seiner pummeligen, juwelenbehangenen Tochter Thandar vor eineinhalb Jahren sehen. Die Opulenz des Festes, mit Riesentorte und einer meterhohen Pyramide aus Champagnergläsern ist atemberaubend, vor allem in einem der ärmsten Länder der Welt.

Than Shwe ist seit mindestens 55 Jahren Soldat und in dieser Zeit bei allen Massakern dabei gewesen. Das Rüstzeug dafür holte er sich in jungen Jahren in der Armee-Einheit für psychologische Kriegsführung. Er soll den Vernichtungsfeldzug gegen das Karen-Volk konzipiert haben. Die Armee überrennt bis heute die Karen-Dörfer, stiehlt Habseligkeiten und Ernten, zwingt die Männer in den Frondienst und jagt Frauen und Kinder als Landminenmunition über die Felder. Than Shwe machte sich einen Namen als skrupelloser Kämpfer. Angeblich musste er anschließend selbst ein paar Jahre in die Psychiatrie, mit posttraumatischem Stress-Syndrom, aber verbrieft ist das nicht.

Seit 1992 an der Macht

Beim Sturz der ersten und einzigen freien Regierung 14 Jahre nach der Unabhängigkeit stand er 1962 dem General Ne Win zur Seite. Beim brutalen Militäreinsatz gegen die Demokratiebewegung 1988, bei der mindestens 3000 Menschen umgebracht wurden, verdiente er sich in den Augen seiner brutalen Militärkumpanen genügend Meriten, um 1992 selbst das höchste Staatsamt zu übernehmen.

Nach dem unberechenbaren Ne Win galt er zunächst als ganz erträglicher Diktator, doch hielt die Hoffnung der leidenden Bevölkerung nicht lange vor. Unter seiner Oberaufsicht sind Tausende als politische Gefangene durch die Foltergefängnisse gegangen - und viele kamen nie mehr heraus. Auf seinen Befehl hat auch Aung San Suu Kyi 12 der vergangenen 18 Jahre isoliert unter Hausarrest verbracht. Weil sie trotzdem noch heute tief verehrt wird, kam Than Shwe auf die Nummer mit der Nuss. Einen Dialog mit der Opposition lehnt Than Shwe rigoros ab, eine freie Presse existiert nach wie vor nicht, unliebsame Journalisten werden willkürlich ins Gefängnis gesteckt. Seine Wirtschaftspolitik gilt als wenig durchdacht und hat das Land mittlerweile nahezu ruiniert. Die nach wie vor blühende Korruption wird geduldet, solange die Beteiligten dem Staatschef loyal sind.

Umzug um 6.37 - auf Rat des Astrologen

Than Shwe lässt durchaus auch staatstragende Entscheidungen von seinem Astrologen richten. Der soll ihm damals den Floh mit der neuen Hauptstadt ins Ohr gesetzt haben. Flugs wurde Naypyidaw 300 Kilometer von der Küste entfernt und fernab jeder Zivilisation aus dem Boden gestampft. Der Umzug fand ganz überstürzt am 6. November 2005 statt - um 6.37 Uhr morgens, weil dies die Glücksstunde des Generals sein soll.

Das Militär an der Macht 1948 wurde Myanmar aus der britischen Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen. Nach einer kurzen demokratischen Phase übernahmen 1962 verschiedene Militärregimes die Herrschaft. Machthaber General Than Shwe ist Vorsitzender des sogenannten Staatsrats für Frieden und Entwicklung. Regierungssitz ist die Dschungelhauptstadt Naypyidaw in der Landesmitte. Von den 50 Millionen Einwohnern sollen allein 400.000 Mann dem Militär angehören. Auf sie stützt die Junta ihre Macht.

DPA/spi
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
utospatz (15.05.2008, 14:29 Uhr)
Da finanziert die ganze Welt
eine unfähige, ohnmächtige UN für sehr viel Geld, ein Erdbebenveto aus China blockiert die ganze Welt!
(4 Batallione Scharfschützen blasen innerhalb von Sekunden sämtliche hohle Melonen die auf militärischen Hälsen spazieren getragen werden hinweg! Was nutzt denen dann noch das Lamettea?
etobicoke (13.05.2008, 13:19 Uhr)
Einfach nur krank
Habe den Bericht mal wieder vollkommen fassungslos gelesen. Für die pummelige Tochter eine Hochzeit für 300.000 Dollar auf die Beine stellen, aber die Menschen im eigenen Lande verrecken lassen - das ist krank. Auf irgendwelche Wahrsager zu hören ist - krank. Es wäre unsere verdammte, menschliche Pflicht, dort einzuschreiten und diesen kranken Tyrann und seine Helfer & Helfershelfer ins Kittchen zu bringen. Aber offenbar gibt es dort nicht so viele Bodenschätze...
Wann lernen Politiker endlich, daß sie für's Volk da sind, und nicht das Volk für die Politiker.
endbenutzer (13.05.2008, 12:55 Uhr)
@stesocom:
"...Chinas Regierung hat im Gegensatz zum Unrechtsregiem in Birma verstanden ,und scheint auf dem besten Wege in die Weltengemeinschaft zu sein !...
.
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Glaub ich nicht. China musste so handeln. Es stehen schließlich die olymischen Spiele vor der Tür. Ohne Olympia hätten wir wohl gar nicht erfahren, wieviele Opfer es gegeben hätte.
stesocom (13.05.2008, 12:45 Uhr)
Zynische Regierung Birmas lernt nichts dazu !
Katastrophe in China ! Regierung öffnet sich ! Ein Beispiel für die zynische (unmenschliche) Militär Junta in Birma!!!!!!!!!
Die Erdbebenkatastrophe in China scheint biblische Ausmaße im Sinne Exodus anzunehmen. Bislang sind weit mehr als 10.000 Menschen ums leben gekommen. Es werden noch 60.000 Personen vermisst, wobei viele Städte – die praktisch ausradiert wurden – nicht einmal mit einbezogen wurden.
Lobenswert ist die Arbeit der chinesischen Regierung. Bei damaligen Katastrophen haben diese sich in etwa so eingeschottet, wie die Junta-Regierung in Birma. Heute öffnet sich das Land. Hilfsgüter sind in jeglicher Form erlaubt. Selbst Hilfsmannschaften aus dem Ausland werden zugelassen. Das ist einmalig in der Geschichte dieses Landes. Die chinesische Administration hat gelernt, dass mit Hilfe der internationalen Weltengemeinschaft eine Notlage durchaus überwunden werden kann. Hilfe anzunehmen ist keine Schande. Dieses sollte sich insbesondere die Militär Regierung in Birma sehr zu Herzen nehmen. Hier warten immer noch mehr als 70 % auf Hilfe. Jeden Tag sterben dort über 800 Menschen (Quelle: Emnesty International) auf Grund ihrer erlittenen Verletzungen und den Verseuchungen, die schwere Durchfallerkrankungen und damit dem Tod zur Folge haben.
Die Menschen der internationale Gemeinschaft handeln, indem sie Spenden!
Diese beiden Tragödien zeigen aber auch, das die globalisierte Welt durchaus zusammenhält, wenn es zu Problemen in einzelnen Erdteilen kommt.
Die Globalisierung hat hier einen doch positiven Effekt , den man beim besten Willen nicht unterschätzen sollte.
Chinas Regierung hat im Gegensatz zum Unrechtsregiem in Birma verstanden ,und scheint auf dem besten Wege in die Weltengemeinschaft zu sein !
kuki83 (13.05.2008, 11:47 Uhr)
So anders?
Bei uns im Lande ist es doch auch nicht viel anders. Auch hier nehmen sich doch die Politker was sie wollen. Diäten-Erhöhungen mal einfach so - aber keine Reduzierung der Steuern (was widerrum richtig ist. General Than Shwe´s Limousine auf dem Bild verbraucht auch nicht mehr Sprit als die unserer Abgeordneten und deren Verwandten. Schade nur, dass wieder mal EIN Mann mit einer Horde Handlangern Millinonen Menschen wie Dreck behandeln kann. Schade auch, dass die UN und vorallem wir Deutschen nicht aus der Vergangenheit gelernt haben und es weiterhin bei solchen Monstern nur mit netten Worten probieren. Wenn die "böse" Weltpolizei USA eingreift ist das Geschrei wieder da mit all den Vorwürfen der Selbstbereicherung etc.
sotospeak (13.05.2008, 11:30 Uhr)
Wer an Astrologie glaubt ...
... dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Hitler war ja auch so einer.
rugero (13.05.2008, 10:46 Uhr)
Myanmars unmensches Regime
Der Skandal ist doch, dass die ganze Welt diesem Regime aus Flachpfeifen außer Worten nichts entgegenzusetzen hat.
Countryjoe (13.05.2008, 09:33 Uhr)
Politiker....
Was die Gier angeht so sind sie wohl überall gleich.
endbenutzer (13.05.2008, 09:33 Uhr)
@Slotermeyer:
Deine Argumente mögen stimmen. Wo aber bleibt der politische Druck? Wenn man im Fernsehen die neuesten Waffensysteme und Staatskarossen eines Entwicklungslandes bewundern darf und westliche Politiker bei dessen Führungsriege ein- und ausgeht ohne das sich etwas ändert, sehe ich auch für meine Spendenkröten schwarz. Komischerweise sollen immer wir - die kleinen Leute - die Kartoffeln aus dem Feuer holen. Nur beim Geschäftemachen stören wir..
Slotermeyer (13.05.2008, 08:45 Uhr)
@endbenutzer
Sie sollten sich von diesen Nachrichten nicht von Spenden abhalten lassen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, bei denen man nicht befürchten muss, dass das Geld bei den Militärs landet.
Medecins sans frontieres / Ärzte ohne Grenzen ist seit Jahren im Land tätig, was sich jetzt als Vorteil erweist, da sie dort eine gewisse Infrastruktur besitzen. Hier sind bereits einige Hilfsteams im Land unterwegs und auch eine Maschine mit Hilfsgütern ist im Land eingetroffen.
Details auf der Homepage von Ärzte ohne Grenzen.
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