7. November 2008, 07:49 Uhr

Obama lässt die Drähte glühen

Bloß keine Zeit verlieren: Barack Obama treibt die Amtsübernahme im Eiltempo voran. Am Tag nach seiner Wahl telefonierte der designierte US-Präsident mit den wichtigsten Staats- und Regierungschefs. Schon heute trifft Obama sich mit seinem Übergangsteam und möglichen Ministern seines künftigen Kabinetts.

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Noch ist er nicht im Weißen Haus, aber schon jetzt agiert er als Präsident: Barack Obama in seinem Büro in Chicago©

Nach seinem Wahlsieg drückt der künftige US-Präsident Barack Obama weiter mächtig aufs Tempo. Zur Vorbereitung des Regierungswechsels in Washington nahm er bereits seinen ersten Tagesbericht der Geheimdienste entgegen. Dieser vor allem von der CIA zusammengestellte Informationsdienst ist sonst allein dem amtierenden Präsidenten vorbehalten. Anschließend beriet sich Obama mit Mitgliedern seines Übergangsteams, das die Bildung der neuen Regierung vorbereitet. Am heutigen Freitag trifft er sich in Chicago mit seinem Übergangsteam und möglichen Ministern seiner künftigen Regierung. Anschließend wird Obama seine erste Pressekonferenz als designierter Präsident abhalten.

Es wird allerdings erwartet, dass Obama nach der Berufung von Rahm Emanuel für das Amt des Stabschefs im Weißen Haus in dieser Woche noch keine Kabinettsmitglieder ernennen wird. Eine sorgfältige Auswahl habe für den gewählten Präsidenten Vorrang vor Geschwindigkeit, erklärten seine Berater. Gleichzeitig drehte sich das Spekulationskarussel weiter. Für das Amt des Außenministers ist jetzt der ehemalige General James Jones im Gespräch. Der ehemalige Außenminister Colin Powell von der Republikanischen Partei wird mit dem Amt des Bildungsministeriums in Verbindung gebracht. Obama hat signalisiert, dass er auch Republikaner in die Regierung holen will. Potenzielle Kandidaten sind die Senatoren Chuck Hagel und Richard Lugar.

Obama telefoniert mit der halben Welt

Am zweiten Tag nach seinem Wahlsieg nahm Obama telefonische Glückwünsche von neun Staats- und Regierungschefs entgegen, darunter auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Kanzlerin und Obama hätten bei dem Telefonat eine enge Zusammenarbeit bei der Stabilisierung Afghanistans, der Finanzkrise, dem Klimaschutz und beim Umgang mit dem iranischen Atomprogramm verabredet, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Merkel gratulierte Obama zu einer Wahl "von historischer Dimension". Der künftige US-Präsident habe sich für die große Gastfreundschaft bei seinem Besuch im Juli in Berlin bedankt, teilte Wilhelm mit.

Ebenso wie Merkel will auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy schon bald mit Obama zusammentreffen. Dies vereinbarten beide Politiker am Donnerstagabend in einem halbstündigen Telefongespräch, wie Sarkozys Büro mitteilte. Der französische Staatschef habe Obama zu seinem "brillianten" Wahlsieg gratuliert, erklärte der Élysée-Palast. Die Atmosphäre des Gesprächs sei "äußerst freundlich" gewesen.

Frankreich will auf dem Weltfinanzgipfel am 15. November in Washington ein 100-Tage-Programm für eine internationale Finanzreform vorschlagen. Dies geht aus einem Papier hervor, das Frankreich in seiner Funktion der EU-Ratspräsidentschaft den übrigen Mitgliedstaaten als Diskussionsgrundlage für ein Vorbereitungstreffen der EU am Freitag übermittelt hat. Der G20-Gipfel in Washington wird zwar noch von dem scheidenden Präsidenten George W. Bush geleitet, doch wie es heißt, werde auch Obama in das internationale Treffen eingebunden.

Im Gespräch mit dem mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón versicherte Obama der Regierung des Nachbarlands weitere Unterstützung der USA im Kampf gegen Drogenhandel und organisiertem Verbrechen, wie die Regierung in Mexiko-Stadt mitteilte. Dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak sagte Obama nach Angaben von dessen Büro, die Beziehungen zwischen beiden Staaten seien ein Eckstein für Frieden und Sicherheit in Asien. Weitere Telefongespräche führte Obama am Donnerstag nach Angaben seiner Sprecherin Stephanie Cutter mit dem britischen Premierminister Gordon Brown, dem australischen Ministerpräsidenten Kevin Rudd, Kanadas Ministerpräsidenten Stephen Harper, Israels Ministerpräsidenten Ehud Olmert und dem japanischen Ministerpräsidenten Taro Aso.

Am Montag wollen Bush und seine Ehefrau Laura das Ehepaar Obama im Weißen Haus empfangen. Dabei werde es auch einen Rundgang in den Privaträumen geben, kündigte eine Sprecherin an. Obama tritt das Präsidentenamt am 20. Januar an.

joe/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
scherbengericht (07.11.2008, 12:31 Uhr)
hmm...
Also ich kenn den Mann nicht - genau wie alle anderen im Forum - und weiß nur, daß ich nichts von dem weiß, was er überhaupt will oder kann oder darf oder man ihn dürfen läßt. Diese hysterische Obamania hierzulande erinnert mich nur an die Gorbimanie (vulgo Gorbasmus) der 80er Jahre.
Naja, vielleicht reißt er es ja. Schlimmer als sein künftiger Vorgänger wär allerdings auch keiner der anderen Kandidaten.
Tante-Ingeborg (07.11.2008, 12:06 Uhr)
Es ist schon wirklich rührend...
und mit Sicherheit hollywoodreif, wie hierzulande die Geschichte vom armen, schwarzen Underdog, der es aus ärmlichen Verhältnissen und nur mit Hilfe seiner Hände Arbeit zum Präsidenten der USA geschafft hat, aufgenommen wird. Wir armen Deutschen können angesichts von das Merkel nur vor neid erblassen und ehrfürchtig über den Teich schauen.
.
Aber ist der fleischgewordene amerikanische Traum wirklich ein selfmade-man? Wer sich wirklich die Mühe macht und ein einziges Mal auf den täglichen Gehirnfick durch die Massenmedien verzichtet, ist doch nur ein paar Mausklicks von der ganzen Wahrheit entfernt. Man könnte zum Beispiel herausfinden, dass die Chefin von Obamas Wahlkampfkasse, eine Frau Penny Pritzker, mit zu den Erfindern der sub-primes, die Millionen amerikanische Häuslekäufer in den Ruin trieb und die derzeitige Finanzkrise auslöste, gehörte. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Wenn man die Geschichte verstehen will, sollte man sich nicht nur auf die Marionetten konzentrieren, sondern auch mal nachschauen, wer hinter den Vorhängen die Strippen zieht. Das der vormalige Investment-Banker Rahm nun an den Schalthebeln sitzt und aufpasst, dass Obama in der Spur bleibt, ist keine Überraschung. Obama wird wissen, dass schon so mancher amerikanische Traum ein jähes Ende gefunden hat.
frank77777 (07.11.2008, 11:53 Uhr)
@albundy69
Bitte, gern geschehen !
endbenutzer (07.11.2008, 11:49 Uhr)
@albundy69:
Super! Endlich Mal etwas Humor zu diesem Thema. Aber eigentlich.... Buuuhh, sowas darf man doch nicht mit dem heiligen St. Obama machen. Pfuideibel..
Benzodia (07.11.2008, 11:30 Uhr)
albundy69
So langsam nervt's...
albundy69 (07.11.2008, 11:17 Uhr)
... gut gebrüllt, Frank !
Danke, dass du in Hibbesheim aufgestanden bist und irgendwas in den PC gehämmert hast !
frank77777 (07.11.2008, 11:08 Uhr)
@albundy69
Was Witzigeres fällt Dir nicht ein, mit so einem Pseudonym ?
Von Substanz gar nicht zu reden.
albundy69 (07.11.2008, 11:03 Uhr)
Alles halb so schlimm :
zuerst muss der "president elected"
a) seine verstorbene Oma begraben
b) seinen Kindern einen Hund organisieren
c) Pressekonfrenz zu b) organisieren
d) Livepressekonfenzen für das kenianische Fernsehen absolvieren
e) seine illegal in den USA lebende Tante rausschmeissen
f) zu e) Begnadigung erwägen (wg. Image)
g) Pressekonferenz zu e) und f) unter besonderer Berücksichtigung von f) da in den "new USA" niemand mehr wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wird
h) die Untoten der Ära Clinton reaktivieren, denn mit der Frau von dem haben wir ja noch eine Rechnung offen
i) Clintons Zigarrrenliferanten kontaktieren
j) zu i) Praktikantinnen einstellen
.
.
.
.
w) Hundedokter zu b) organisieren
x) nachfragen ob sub j) geklappt hat
y) nachdenken was jetzt zu tun ist
z) was tun
endbenutzer (07.11.2008, 10:51 Uhr)
...und auf starke Männer...
...die ordentlich "durchlüften" kann ich gut und gerne verzichten. Ein "Durchlüfter" in unserer Vergangenheit genügt mir.
endbenutzer (07.11.2008, 10:49 Uhr)
@kuki83:
...und gleich wieder Antiamerikanismus vorzuwerfen wenn man etwas kritischer hinschaut, ist allerdings auch nicht der richtige Weg. Mir ging es nur darum, dass man sich hierzulande (und auch in den USA) nicht allzuviel von Obama versprechen sollte. Und: Natürlich sollte ein Staatsoberhaupt zuerst an sein Land denken. Aber auch das muss man differenziert sehen. Es gibt eben viele Wege, die Interessen seines Landes zu vertreten. Auf das "Wie" kommt es an.
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