Geberländer erwägen radikalen Schuldenschnitt

25. November 2012, 09:00 Uhr

Deutschland lehnt einen radikalen Schuldenschnitt für Griechenland ab, doch der Plan scheint noch nicht vom Tisch zu sein: Die Geberländer diskutieren offenbar einen Forderungsverzicht im Jahr 2015.

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Griechenland, Eurozone, Schuldenschnitt

Am Montag treffen sich die Finanzminister der EU-Länder, um über Griechenland zu beraten.

Trotz des Widerstands von Deutschland und anderen Euro-Staaten ist ein öffentlicher Schuldenschnitt für Griechenland offenbar noch im Gespräch: Zwischen den Geldgebern werde über einen Forderungsverzicht im Jahr 2015 diskutiert, berichtete die "Welt am Sonntag". Darüber sei am Montag bei einem Geheimtreffen in Paris gesprochen worden sein, an dem Wolfgang Schäuble (CDU) und weitere Euro-Zonen-Vertreter teilgenommen hätten.

Am Montag beraten die Euro-Finanzminister, mit welchen Maßnahmen die Lücke im laufenden zweiten Hilfsprogramm für Griechenland geschlossen werden soll.

Ein in Aussicht gestellter Schuldenschnitt könnte für die Athener Regierung Ansporn sein, bis dahin alle Reformauflagen des zweiten Hilfsprogramms zu erfüllen, hieß es in dem Bericht weiter. Das zweite Hilfsprogramm läuft Ende 2014 aus. Ein Forderungsverzicht der öffentlichen Gläubiger könnte zudem Teil einer Anschlussfinanzierung sein und den Internationalen Währungsfonds (IWF) beruhigen, der seit Wochen fordert, Athen auf ein tragfähiges Schuldenniveau zu bringen.

Vor allem die Bundesregierung ist gegen einen Verzicht der öffentlichen Gläubiger, der sie Milliarden kosten würde. Ob Berlin sich eine solche Maßnahme im Jahr 2015 vorstellen kann, ist unklar. Teilnehmerkreisen zufolge soll sich Schäuble in Paris dafür offen gezeigt haben, schreibt die Zeitung. In Berlin werde dies jedoch bestritten. Ein Verzicht der öffentlichen Gläubiger stehe weiterhin nicht zur Debatte, hieß es dem Bericht zufolge.

Brüderle: "Kein drittes Hilfspaket"

Unterdessen lehnte es FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle ab, dem hoch verschuldeten Griechenland zu weit entgegenzukommen. "Ich bin immer noch der Auffassung, dass man die Zeitachse nicht beliebig dehnen darf", sagte Brüderle der Zeitung "Welt am Sonntag". Er wünsche sich, dass Griechenland für die vereinbarten Reformanstrengungen "nicht die zwei Jahre länger braucht, die jetzt im Gespräch sind". Ohne "echte Fortschritte" bei den Reformen dürfe es keine weiteren Hilfen für Athen geben.

Für ein drittes Hilfspaket gebe es im Bundestag keine Mehrheit, sagte Brüderle. "Vorstellbar sind allenfalls Maßnahmen im Rahmen der beschlossenen Pakete. Damit könnten wir die Schuldentragfähigkeit Griechenlands verbessern."

Wie teuer die Rettung Griechenlands für Deutschland werde, könne derzeit niemand seriös sagen, sagte Brüderle weiter. Allerdings sollten sich die Deutschen nichts vormachen. Mittelfristig werde dies "finanzielle Konsequenzen für Deutschland haben".

lea/AFP/Reuters
 
 
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