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23. September 2009, 17:37 Uhr

Das Mysterium Merkel

Sie ist die mächtigste Frau der Welt, ihre Umfragewerte sind großartig - und doch bleibt Angela Merkel vielen Briten auch nach vier Jahren an der Macht ein Rätsel. Sie steht für Sicherheit und Zurückhaltung. Ein krasser Gegensatz zum britischen Wahlkampf. Von Cornelia Fuchs, London

 
Thatcher, Mitterand, Wiedervereinigung

Sicherheit und alte Werte: Die Briten verstehen nicht, warum Deutschland Angela Merkel will© Fabrizio Bensch/Reuters

Die einen haben sich in Bierzelte gesetzt und waren Zeugen der Reden ihres Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg mitsamt seiner bayrischen Trinkfestigkeit. Andere haben Wahlveranstaltungen in Schwerin besucht, um Angela Merkels Beliebtheit im Osten Deutschlands auszuloten. Und ein Reporter der Sonntagszeitung "Observer" ließ sich ihre Beliebtheit von deutschen Kindergärtnerinnen und Müttern erklären, die Angela Merkel für die Einführung des Elterngeldes lobten. Die Deutschland-Korrespondenten der britischen Zeitungen bemühen sich redlich, ihren Lesern die Wahlstrategie der deutschen Kanzlerin zu erklären. Und tun sich schwer damit.

"Der schützende Staat ist wieder in Mode"

Denn für britische Verhältnisse scheint Deutschland ins politische Koma gefallen zu sein. In Großbritannien wird Wahlkampf über Schlagzeilen in den Medien geführt. Wer seinen Wählern etwas zu sagen hat, tut dies laut und deutlich und so oft wie möglich. In den Morgensendungen der Radiostationen beharken sich Journalisten und Politiker – und das, obwohl bisher noch nicht einmal der Termin für die Wahl in Großbritannien im nächsten Jahr festgelegt worden ist.

Die Briten bewerten die Fähigkeiten ihrer Politiker nach rhetorischem Geschick. Der Premier Gordon Brown hat es schwer, weil er bei seinen Auftritten wirkt, als habe jemand eine Puppe aufgezogen und ihr ein paar Textbausteine auf den Sprach-Chip gespielt. Dass in Deutschland eine Kanzlerin mit Umfragewerten von über 60 Prozent einen "zutiefst uninspirierten" Wahlkampf führt, wie es die Zeitschrift "Economist" beschreibt, wäre in Großbritannien nicht auszudenken.

Der Deutschland-Korrespondent Damien McElroy bilanziert für die Tageszeitung "Daily Telegraph" fast schon erstaunt: "Merkels Zuhörer werden instruiert, nicht inspiriert." Die deutsche Kanzlerin rüttele nicht auf, sondern beruhige: "Ihre Kampagne gibt das Motto aus: Ich beschütze euch." Es ist dieser Wunsch der Wähler nach den "alten Sicherheiten", der die Briten verwundert, wie es der Kolumnist Gideon Rachmann in der "Financial Times" schreibt: "Der schützende, eingreifende Staat ist wieder in Mode in Deutschland."

Merkel ist keine Maggie

Nun ist es ausgerechnet Angela Merkel, die als eine Art Mutter der Nation diesen Wunsch nach Wohlfühl-Politik bedient. Als sie vor vier Jahren an die Macht kam, zogen viele Briten Parallelen zum Aufstieg Margaret Thatchers: Merkels unkonventioneller Politik-Stil, ihre Direktheit, erinnerten an die Frau, die Großbritannien grundlegend und gegen jeden Widerstand reformierte. Doch "Frau Merkel ist keine Maggie", erklärte Großbritanniens ehemaliger Botschafter in Berlin, Sir Peter Torry, seinen Landsleuten.

Anstelle von Thatchers Mut zu unbeliebten Reformen entdecken vor allem wirtschaftsliberale Journalisten in der deutschen Politik "eine gefährliche Selbstgefälligkeit", wie es die Zeitschrift "Economist" in ihrem Leitartikel in dieser Woche schreibt. Die Redaktion gibt gleich danach eine Wahlempfehlung an Deutschland aus: Der "Economist" würde FDP wählen, um eine schwarz-gelbe Koalition in Berlin zu erzwingen, die in Deutschland weitere Sozial- und Steuerreformen vorantreiben könnte. Auf dem Titelbild hat die Zeitschrift die Bundeskanzlerin in einen Vogelkäfig gesetzt, der die Große Koalition darstellen soll. Daneben steht die Schlagzeile: "Befreit Angela Merkel!"

Deutschland verdient Merkel

Gordon Brown und sein konservativer Rivale David Cameron streiten sich in diesen Tagen darum, wer die besseren und klügeren Haushaltskürzungen vornehmen wird nach der Wahl. Den Briten wird dabei um die Ohren gehauen, dass die nächsten Jahre hart werden. Egal, ob die Labour-Partei oder die Konservativen an die Macht kommen: Bildungsetats müssen zusammengestrichen, Steuern erhöht, Renten gekürzt, Bauprojekte eingemottet und Museen und Schwimmbäder geschlossen werden.

In Deutschland dagegen, so notieren es die Korrespondenten, wollen die Menschen keine radikalen Lösungen. Tatsächlich wollen sie überhaupt keine Änderungen – und das, obwohl die deutschen Banken "kränker sind, als ihre Vorstände zugeben", es immer noch zu hohe Steuern, zu komplizierte Wirtschaftsregeln, zu viel Staatshilfen, eine zu hohe Sparrate und eine zu alte Bevölkerung gebe. Die CDU sei im Grunde nichts anderes als eine "sozialdemokratische Partei für Büro-Angestellte", schreibt Sir Peter Torry in der Tageszeitung "Times". Und Merkel deren perfekte, vorsichtige Verkörperung.

Oder, wie es Damien McElroy im "Daily Telegraph" schreibt: "Deutschland verdient Merkel."

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Tendina (25.09.2009, 20:44 Uhr)
@Administrator
Off Topic war mein Beitrag? OK, ich drücke es mal anders aus:
Mich interessiert es nicht die Bohne was die Briten denken. Ich halte von den Sozialbedingungen, der Wirtschaftspolitik sowie vom Verhältnis dieses Staates zur EU überhaupt nichts. Ich denke, mein gelöschter Beitrag hatte es freundlicher ausgedrückt?
Administrator (24.09.2009, 11:08 Uhr)
@Tendina
Ihr Beitrag war off-topic und wurde entsprechend unserer Regeln gelöscht.
Sononja (24.09.2009, 09:09 Uhr)
Hilfe!!
Wie können die Engländer nur behaupten, dass wir Merkel verdient hätten. Oder meinen sie das ironisch?

Wennn man mal überlegt, wie es dem deutschen Michel heute geht. Wir dürfen nur gerade stehen für den Bankenrettungsschirm, für die seltsame Rettung von Opel, unter der die anderen Europäer zu leiden haben, und wir dürfen wieder kräftig bluten. Da redet Queen Merkel auch noch von Steuersenkungen und will uns alle beschützen, Mutti für alle sein. Wohl eher für Herrn Ackermann und Co. Für die Menschen ganz sicher nicht.

Mutti Merkel sollte wirklich in der Versenkung verschwinden.
Fakten (24.09.2009, 00:28 Uhr)
@facilidad_de_ser
...bitte keine Fakten - Queen Merkula ist die GROEKAZ - groesste Kanzlerin aller Zeiten. Mit dem Afghanistan-Einsatz wird versucht das F einzuschmuggeln: GROEFAZ.
Sonja1985 (23.09.2009, 20:18 Uhr)
Angela, Hugo, Hamid & Co
Also Frau Merkel als mächtigste Frau der Welt zu bezeichen, ist etwa so wie einen Yorkshire Terrier als gefürchtetes Raubtier zu beschreiben. Ok - für Mäuse vielleicht. Dieses dümmliche Medien-Ranking immer wieder fort zuschreiben nervt. Frau Merkel ist einfach nicht mächtig. Und sie wird auch durch die Tatsache nicht mchtiger dass wir sie nicht los werden können. http://german-pussy.blogspot.com/2009/09/frau-merkel-schlechter-sex-und-die-wahl.html
LG
jps-mm (23.09.2009, 19:26 Uhr)
Die Merkel blamiert Deutschland auf ganzer Linie
Bereits seit dem Jahr 2005 täuscht die Merkel täuscht die Bürger : Die Menschenrechtslage in Deutschland hat sich - nicht zuletzt durch das BKA-Gesetz - drastisch verschlechtert, die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art werden - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Hinzu kommt, dass die Merkel systematisch die Strafverfolgung der dafür verantwortlichen Rechtsbrecher hintertreibt.

http://www.sueddeutsche.de/politik/159/488554/text/#readcomment

http://www.tagesspiegel.de/medien-news/digital/Ueberwachung-Abhoeraktionen-Datenschutz;art303,2906556

In Deutschland sind die Bürgerrechte schon vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch aufgehoben.

Die Merkel muss weg.
Hochbahnopfer.de (23.09.2009, 19:23 Uhr)
Dinner for One
Josef Ackermann oder nette Abende mit Alexander Dibelius zeigen der Kanzlerin den Weg auf! Was der Bürger will interessiert die Lobby nicht! Dibelius? HSH 40 Mio. Zahlungen an Flowers Co Investor GS?
Alexander Dibelius nahm schon früh Kontakt zu CDU-Parteichefin Angela Merkel auf, lange vor ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin. Für die Politikerin arrangierte er mehrere Dinner mit Unternehmenschefs, damit sie besser und schneller mit Personen aus der Wirtschaft ins Gespräch kam. Immer wieder steht er der Kanzlerin bei Fragen zur Verfügung.
Verbindungen zur Politik haben bei Goldman Sachs Tradition ? dafür sorgt das unternehmens-interne Netzwerk rund um den Globus, auf das Dibelius wie die weltweit insgesamt 320 Partner Zugriff hat. Wenn nötig, ist jeder erreichbar, selbst zu Nachtzeiten oder im Ferienhaus. In Europa stehen die beiden ehemaligen EU-Kommissare Mario Monti und Karel van Miert als Berater auf der Gehaltsliste, der frühere EU-Kommissar Peter Sutherland arbeitet als Chairman von Goldman Sachs International und in gleicher Funktion beim Energiekonzern BP. Zudem ist er Mitglied im Internationalen Beraterkreis der Allianz. Ex-Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs ist Aufsichtsratschef von Goldman Sachs Investment Management.
tepes (23.09.2009, 19:11 Uhr)
klar das die jemanden wie die merkel sich wünschen
die spricht doch nur das an, was die leute hören wollen, und bringt keine Lösungen. Gemacht wird aber nix. Und gerade die briten sollten im Moment sehr leise sein, hat ihr super System(das sie sich natürlich von den Amis abgeguckt haben) nicht erst die Krise verursacht?! Momentan wäre es das schlimmste, wenn wir Schwarz-Gelb kriegen, dann würde die Krise, ihre Verursacher und natürlich die ganzen Wirtschaftsbosse schön den "Kleinen Michel" ausnehmen, wie eine Weihnachtsgans. Ebenfalls würde keine Regelierung geschaffen werden um das jetzige Treiben und Abzocken zu verhindern, da "der Markt ja schon alles alleine regelt", wie es so schön und oft erzählt wurde geraden von politiker der FDP und CDU/CSU. Hat ja super funktioniert, wie man heute weiß :(
Sternchen2020 (23.09.2009, 18:23 Uhr)
Vorsicht mit dem Wort "mächtigste"
Wir sollten mit Äußerungen wie "mächtigste Frau der Welt" vorsichtig sein. Zumal es nicht stimmt. Nicht einmal im Land trifft das zu, denn glücklicherweise verhindert unser System weitgehend Einzelbefugnisse - auch der Kanzlerin. Es gibt zwar eine Richtlinienkompetenz. Dennoch kann ein Kanzler oder eine Kanzlerin praktisch nichts im völligen Alleingang machen. Viele Bürger wären vermutlich sogar sehr erstaunt, wie wenig tatsächlich geht. Es wird halt nur anch außen hin anders transportiert, warum auch immer. Imagegründe vermutlich.

Das betrifft auch eine Macht in Hinblick auf die Welt. Einer allein hat das nicht viel zu sagen. Und das ist auch wirklich gut so.
gesox (23.09.2009, 17:54 Uhr)
Sie haben da was vergessen...
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Und auch nicht zu vergessen: Madame nervt. Eine Kanzlerin, die im Fernsehinterview nicht Lösungen aufzeigt, sondern davon faselt, daß ihre selbstgemachten Rouladen gelobt werden sollte eher in der Bundestagskantine arbeiten.
Very British

Die wöchentliche Kolumne von Cornelia Fuchs

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