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16. Februar 2010, 11:16 Uhr

Wie viel Wahrheit steckt in Westerwelle?

Westerwelle zur Umverteilung

Es antwortet DIW-Experte Markus Grabka: "Wenn man sich die vergangenen zehn Jahre anschaut, stimmt die Aussage so nicht. Nach unseren Berechnungen haben die unteren 20 Prozent der Einkommensbezieher in Deutschland real - also unter Berücksichtigung der Preissteigerung - etwa zehn Prozent ihres Einkommens verloren. Die einkommensstärksten zehn Prozent haben demgegenüber 15 Prozent gewonnen. Wir können also definitiv nicht von einer Umverteilung von oben nach unten sprechen. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Auch beim Thema Wohlstand erweckt Herr Westerwelle einen falschen Eindruck: Der zentrale Indikator hierfür ist die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Und da muss festgestellt werden: In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Wohlstand in Deutschland klar und deutlich verbessert. Davon haben auch große Teile der Bevölkerung profitiert.

Aber: Insbesondere in den vergangenen zehn Jahren sind die Wohlstandszuwächse nicht mehr in der breiten Mitte, geschweige denn im unteren Drittel der Bevölkerung angekommen. Stattdessen haben sie sich zugunsten der Kapitaleinkünfte und Einkommen von Selbstständigen verlagert. Die Bruttolohn- und Gehaltssumme ist vergleichweise stark gesunken. In einem Punkt hat Herr Westerwelle also recht: Wir haben Umverteilung optimiert, aber nicht von oben nach unten, sondern weg von Arbeitseinkommen hin zu Kapitaleinkünften."

Fazit: In Deutschland hat es in den vergangenen Jahren sehr wohl einen deutlichen Wohlstandszuwachs gegeben. Nur fand eine Umverteilung von Arbeits- hin zu Kapitaleinkünften statt.

Zu lange haben wir in Deutschland die Verteilung optimiert und darüber vergessen, wo Wohlstand herkommt.

Zur Person

Zur Person Markus Grabka hat sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) intensiv mit der Vermögens- und Wohlstandsverteilung in Deutschland beschäftigt.

 
 
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