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9. Oktober 2009, 18:36 Uhr

Merkel spielt auf Zeit

Wirtschaftspolitiker von Union und FDP drängen bei den Koalitionsverhandlungen in Sachen AKW-Laufzeiten auf eine konkrete Festlegung. Doch die Kanzlerin grätscht dazwischen. Sie will die Atomfrage offenbar bis nach der NRW-Wahl im Mai offen halten - und verärgert damit so manchen Koalitionär.

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AKW in Lingen: Die Atomfrage spaltet Wirtschafts- und Umweltpolitiker von Union und FDP© Michael Gottschalk/DDP

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Frage der längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke zunächst weitgehend offen halten. Mit diesem Ziel habe sie in die Koalitionsverhandlungen eingegriffen, sagten mit den Verhandlungen vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Ansage der Kanzlerin ist, dass im Koalitionsvertrag nur eine sehr allgemeine Formulierung steht." So könne auf ein Energiekonzept unter Einschluss der Atomkraft verwiesen werden, das noch erarbeitet werden müsse, hieß es. Und: "Merkel will keine Entscheidungen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen im Mai." Der Vorstoß sei auch mit FDP-Chef Guido Westerwelle abgesprochen, hieß es an anderer Stelle.

Nach Angaben aus Koalitionskreisen wurde die Arbeitsgruppe Wirtschaft von dem Merkel-Vorstoß überrascht. FDP-Parteivize Rainer Brüderle sei ebenso wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verärgert gewesen. Das Thema soll auch am Montag im CDU-Präsidium besprochen werden.

Wirtschaftsflügel will Umweltpolitiker ausbremsen

Die FDP-Energieexpertin Gudrun Kopp forderte klare Aussagen der Union: "Es ist schlicht nicht akzeptabel, eine Entscheidung bis Mitte nächsten Jahres zu vertagen."

Oettinger, in dessen Land der Energiekonzern EnBW besonders stark auf Atomkraft setzt, würde dann Beschlüsse zur Atomkraft in seinem Wahlkampf zu verteidigen haben, hieß es aus den Verhandlungskreisen. In Baden-Württemberg wird Anfang 2011 gewählt. Der Unions-Energieexperte Joachim Pfeiffer, ebenfalls aus Baden-Württemberg, sagte nach der Sitzung: "Aus meiner Sicht ist klar, dass wir dieses nicht ewig verschieben sollten, sondern da müssen jetzt die Grundlagen und Eckpfeiler gelegt werden."

Wirtschaftspolitiker drängen auf möglichst konkrete Festlegungen im Vertrag, um die eher atomkritischen Umweltpolitiker in den Fraktionen auszubremsen und dem Umweltministerium Spielraum zu nehmen. Dieses wird auch künftig für die Atomaufsicht zuständig sein und könnte bei der Umsetzung von Laufzeitverlängerungen hohe Auflagen verhängen. In ihrer Arbeitsgruppe hatten die Umweltexperten einen ersten Entwurf für den Koalitionsvertrag ausgearbeitet, in dem hohe Hürden für eine Laufzeitverlängerung einzelner Reaktoren vorgeschrieben wurden. Allerdings verlautete aus Kreisen sowohl der Umwelt- wie Wirtschaftgruppe, das Thema Atom sei noch nicht abschließend behandelt worden. Einigkeit bestehe nur darin, dass die Erforschung des geplanten Endlagers in Gorleben wieder aufgenommen werden solle.

Oettinger: Laufzeitbegrenzung komplett streichen

Oettinger preschte trotzdem schon einmal vor: Nach seinen Aussagen wollen Union und FDP die Laufzeitbegrenzung komplett streichen. "Das Ziel ist klar", sagte er am Rande der Beratungen, "wir wollen die Verkürzung der Laufzeiten unserer Kernkraftwerke zurücknehmen, wollen damit die Unabhängigkeit der deutschen Stromproduktion stärken und wollen die Abhängigkeit von Gasimporten oder Stromimporten aus Frankreich, aus Osteuropa vermindern." Die Laufzeit der Atomkraftwerke solle künftig allein vom Stand der Technik und der Nachrüstung abhängen und nicht vom Gesetzgeber.

Oettinger kündigte zudem an, die neue Bundesregierung wolle im Gegenzug mehr als die Hälfte der zusätzlichen Gewinne der Energieunternehmen durch die Laufzeitverlängerung in die Erforschung, Markteinführung und Förderung erneuerbarer Energien stecken. Bereits am Donnerstag war ein ähnliches Papier der Koalitionsarbeitsgruppe für Umwelt bekannt geworden. Umweltverbände kritisierten das Vorhaben als unverantwortlich und kündigten Proteste gegen eine Abkehr vom Atomausstieg an.

Kanzlerin beunruhigt Stromkonzerne

Die Verzögerungstaktik der Kanzlerin sorgte hingegen auch für erhebliche Unruhe bei den Energieunternehmen: Der Chef von Deutschlands größtem Versorger Eon, Wulf Bernotat, hatte schon vor wenigen Tagen gesagt, es könne bis zum kommenden Sommer dauern, ehe es eine Entscheidung gibt. Merkels Vorstoß wollten am Freitag weder Eon noch der Essener Konzern RWE kommentieren. "Die Entscheidung liegt bei der Politik", sagte ein Eon-Sprecher. Wenn diese sich aber weiter verzögert, stünden Reaktoren wie Biblis A und Brunsbüttel vor dem Aus, da ihre bislang genehmigte Betriebszeit ausläuft. Neckarwestheim I müsste schon im Frühjahr vom Netz.

joe/Reuters/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Doppelkinnkrauler (10.10.2009, 22:46 Uhr)
Frau Merkel noch kurz vor der Wahl niemand redet hier von einer Laufzeitverlängerung der AKW`s."

erinnert wenigstens an Ihren einst Gründergenossen der DDR mit dem Spruch"Niemand hat vor eine Mauer zu beuen".

Ist fast so niedlich wie unser Stasie Bayer Schäuble, Der ja auch nie in die Privathashalte schaut, Wobei Kinderpornographie echt verboten gehört.

Klar als echter humpel Kumpel mit verklempter Vergangenheit würde der echt nie spannen.

(Wer`s glaubt)
Doppelkinnkrauler (10.10.2009, 22:28 Uhr)
Na immerhin niedlich ?Frau Merkel noch kurz vor der Wahl niemand redet hier von einer Laufzeitverlängerung der AKW`s. hat aber kurz zuvor eine neue Studie über deren Sicherheit und die deren Endlager in Auftrag gegeben.

Auch als gebürtiger Berliner würde ich sagen wenn Endlager dann nur noch am Berliner Reichstag und in Berlin Zehlendorf, in Berlin Mitte und am Berliner Kuhdamm.
Doppelkinnkrauler (10.10.2009, 22:18 Uhr)
Na vermuten wir mal es wäre geistige Schönheit was die Frau Merkel angeht.

Mir wurde bei der Wahl gesagt wir sind Volk`s und Bürgernah von CDU und FDP.

Also ab in die (AKW`s für mindestens 6 Monate)mit unseren sogenannten Volksvertretern und auch in die Endlager macht ein Jahr politischer Fehlentscheidungen schon mal zunichte.

Aber grüßt mir dann Eure entstellten Kinder

Wobei ob (Sch)westerwelle austragen kann???
dalamar (10.10.2009, 08:59 Uhr)
Volksvertreter
Wie sagt man?
Volksvertreter vertreten das Volk genauso wie
Zitronenfalter Zitronen falten..
Wieso sind die eigentlich nicht mal so ehrlich und geben wenistens zu das Sie die Interessen derer vertreten, die die dicksten Posten und die fettesten Parteispenden versprechen?
Wir wissen das doch eh schon, das Theaterstück namens Demokratie ist im letzen Akt und der Vorhang wird bald fallen
ganzbaf (10.10.2009, 08:40 Uhr)
CDU spielt schon immer auf Zeit...
weil sie außer Kriechen vor Bank- und Großwirtschaft keine neuen Konzepte hat.
tatanuna (09.10.2009, 23:13 Uhr)
Laufzeitverlängerung bis zum GAU
Der Wähler hat Schwarz- gelb gewählt.Ob diese Wahl gut war steht in den Sternen.Wenn die erste überalterte Kiste in die Luft geht, gute Nacht.Endlagerung gesetzlich in den bayrischen Alpen festlegen, damit die Bajuwaren weiterhin vom Rest der Republik profitieren.Anstatt die Stromanbieter an die Leine zu legen (Strompreise regulieren), wird von schwarz-gelb die Abzocke weiter unterstützt (gesunkene Energiepreise an der Leipziger Börse), Preisreduzierungen nur bei der Industrie. Merkel und Westerwilli sollten so schnell wie möglich durch das Volk aus dem Amt gejagdt werden (Beispiel Leipzig, wir sind das Volk,Jahrestag). Wir werden alle bezahlen, damit Politiker-und Beamtenüberversorgung weiter gedeihen.
utospatz (09.10.2009, 22:50 Uhr)
Wenn in Asse II das Grundwasser zuckt,
das freigesetzte Plutonium ins Grundwasser sickert, im Umkreis von 1000send Kilometern die Menschen plutoniumverseuchtes Trinkwasser saufen müssen, ist dann ein christliches Ferkel wie die Merkel dabei? Oh Herr was für ein christliches Land! Der Söder schabt dann das Plutonium ab, wenn er stirbt nimmt er es mit ins Grab, dann ist es christlich und auch sozial, mit meinem Ableben erspare ich meines Nachbarn Qual! Und schon sind Alle wieder christlich, und auch sozial!
Wie oft kann ich ein Volk verarschen?
Kroko (09.10.2009, 20:59 Uhr)
Eigentlich...
"Wenn diese sich aber weiter verzögert, stünden Reaktoren wie Biblis A und Brunsbüttel vor dem Aus, da ihre bislang genehmigte Betriebszeit ausläuft. Neckarwestheim I müsste schon im Frühjahr vom Netz"

Ist es ausnahmsweise mal gut, daß das Merkel (ohne F) mal wieder aussitzt.

Zu Oettinger.... Wahlplakat..:"Oettinger kommt"
--Dazu ein fieses Raubtiergrinsen ( sind Heuschrecken eigentlich Raubtiere??) ---Das war kein Wahlplakat, sondern eine Drohung!

Seine Laufzeit ist lang überschritten....BW wäre ohne den jedenfalls deutlich besser dran...

Naja , ich habs versucht.......:(( Kroko
johnniedeamonic (09.10.2009, 20:00 Uhr)
tja...
und genauo funktioniert Politik ala Merkel, wenn ganz Bayern brennen würde würde man trotzdem mindestens ein halbes Jahr warten bis irgendetwas unternommen wird damit man bloß die Norddeutschen Stimmen bei der Wahl hat
trebondi (09.10.2009, 19:23 Uhr)
Das Vertrauen der Wähler
Eine Verlängerung der Laufzeiten der AKW war vor der Wahl kein Thema. Beherrschend waren Wirtschaft und Steuern. Ich glaube, dass die Wähler den bürgerlichen Parteien deshalb das Vertrauen geschenkt haben, damit diese Bereiche vorankommen. Davon hört man jetzt aber nichts bzw. nur noch am Rande. CDU/CSU/FDP sollten sich ihrer Wählerschaft nicht zu sicher sein. Immerhin sind eine Mehrheit der Menschen in D gegen den Einsatz dieser Technologie und die könnten wahlentscheidend sein. Insbesondere diejenigen, die ihr Vertrauen enttäuscht sehen.
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