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25. Mai 2008, 15:34 Uhr

Schwans Nominierung bedroht Koalition

Die Frage, ob die SPD Gesine Schwan zur Bundespräsidenten-Wahl nominieren darf, spaltet den Bundestag. Während aus der Union offen mit dem Ende der großen Koalition gedroht wird, verteidigt SPD-Parteichef Kurt Beck seine Partei - und beruft sich dabei auf die Bundeskanzlerin.

Wird womöglich SPD-Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt: Gesine Schwan© Sven Kaestner/AP

Die erwartete Nominierung der Professorin Gesine Schwan als SPD-Kandidatin gegen Bundespräsident Horst Köhler stellt die große Koalition vor eine Zerreißprobe. Unions-Politiker brachten ein vorzeitiges Ende des Regierungsbündnisses ins Gespräch, sollte die SPD an ihren Plänen festhalten. Besonders harsche Kritik am Vorgehen der Sozialdemokraten kam aus der CSU, die im Herbst schwierige Landtagswahlen zu bestehen hat. Auch führende CDU-Politiker kritisierten das Verhalten der SPD als weitere Annäherung an die Linkspartei und sprachen von einer Belastung für die Koalition. Dort sei die Zusammenarbeit mit der SPD stellenweise schon jetzt "sehr, sehr schwierig", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim CDU-Landesparteitag in Sachsen.

Die SPD wies die Kritik zurück. Parteichef Kurt Beck sagte in Leipzig, das Gerede von einem Koalitionsbruch sei Unfug. In der Koalitionsvereinbarung stehe nichts über das Stimmverhalten bei der Bundespräsidentenwahl, und er könne nicht erkennen, dass es in der Bundesversammlung Koalitionen gebe. Er habe in den vergangenen Tagen auch mit Kanzlerin Merkel gesprochen. "Für uns ist dieses ganze Getöse ... beiderseits nicht wirklich nachvollziehbar", sagte Beck. Generalsekretär Hubertus Heil sagte der "Welt am Sonntag", die CSU sollte nicht aus Panik vor der Landtagswahl die Koalition ständig infrage stellen. Sie sollte sich entspannen. "Yoga könnte der CSU helfen."

"Regierung noch ein Jahr dahinschleppen"

Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis warnte, wenn die SPD Schwan nominiere, "wäre das ein Bruch in der Koalition". "Ich weiß nicht, ob man diese Regierung dann noch über ein Jahr durchschleppen sollte", sagte der CSU-Rechtsexperte der "Passauer Neuen Presse". Wenn die Profilierungsversuche der SPD nicht unterblieben, sollte die Union auf ein Ende der Koalition hinarbeiten. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller sagte dem "Spiegel", je länger die Koalition dauere, "umso mehr reift die Erkenntnis, dass eher früher als später Schluss sein muss". Dem "Münchner Merkur" sagte er, angesichts der wirtschaftlichen Lage könne sich Deutschland keinen politischen Stillstand leisten. "In der Bevölkerung mehren sich die Stimmen, dass ein schnelles Ende der großen Koalition besser wäre als noch eineinhalb Jahre Stillstand."

Auch der Sprecher aller CDU-Landesgruppen, Georg Brunnhuber, brachte ein vorzeitiges Ende des Bündnisses ins Gespräch. "Ich glaube nicht mehr, dass die Koalition bis Herbst 2009 hält", sagte er der "Bild am Sonntag". Hingegen sieht Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach die Koalition wegen des Kandidatenstreits noch nicht am Ende. "Es geht so weiter wie in den letzten Monaten: sehr, sehr zäh", sagte der CDU-Politiker dem "Kölner Stadtanzeiger" voraus.

"Klares Signal für rot-rot"

Andere CDU-Spitzenpolitiker warfen der SPD erneut vor, mit der Nominierung einer Gegenkandidatin ein Bündnis mit der Linkspartei auf Bundesebene vorzubereiten. "Das wäre ein klares Signal für rot-rote Bündnisse", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder der "Bild am Sonntag". Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus sagte dem Blatt, mit der Nominierung Schwans beseitige SPD-Chef Beck die letzten Zweifel, dass er mit der Linken im nächsten Jahr auch auf Bundesebene zusammenarbeiten wolle. Die "Gefahr einer rot-rot-grünen Republik" sei so groß wie nie zuvor. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von einer neuen Belastung für die Koalition und warf der SPD vor, sie setze bei der Präsidentenwahl auf die Unterstützung politischer Extremisten.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles widersprach den Unions-Vorhaltungen. Sollte eine SPD-Kandidatin mit den Stimmen der Linkspartei gewählt werden, hätte dies keine Signalwirkung für die Bundestagswahl 2009, sagte Nahles im Deutschlandradio Kultur. Die Linkspartei habe kein Programm, stehe nicht mit beiden Beinen in der EU und sei daher nicht regierungsfähig, sagte sie. Auch SPD-Generalsekretär Heil sagte, seine Partei sei eigenständig und lasse sich ihr Vorgehen nicht von anderen Parteien vorschreiben. "In der Bundespolitik haben wir mit denen nichts gemein", sagte er der "BZ am Sonntag" mit Blick auf die Linkspartei. Hingegen forderte der SPD-Linke Ottmar Schreiner, seine Partei sollte eine Koalition mit der Linkspartei nach der nächsten Bundestagswahl nicht ausschließen. "Jede demokratische Partei muss mit jeder anderen koalitionsfähig sein. Eine Ausgrenzung der Linkspartei bei der nächsten Bundestagswahl wäre falsch", sagte Schreiner der "Bild am Sonntag". Beck sagte darauf angesprochen, eine Zusammenarbeit mit der Linken im Bund komme nicht infrage.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
ganzbaf (26.05.2008, 07:36 Uhr)
Was gibts...

gegen einen "grundsätzlichen Wandel" einzuwenden??
Nachdem man seit gut 3 Jahrzehnten in die komplett falsche Richtung läuft... )-:
Schnaafpaaf (25.05.2008, 23:21 Uhr)
Hat`s denn immer noch keiner begriffen?
Hier geht`s doch gar nicht um G. Schwan, sondern um einen grundlegenden Wechsel der Politik in DIESEM UNSEREM LANDE! Ins Gespräch für die erneute Kandidatur für die BP-Wahl hat sich G. Schwan selbst gedrängt, unterstützt und ins offizielle Rennen gebracht von der ultralinken Andrea Nahles, der stv. -aber in Wirklichkeit bestimmenden- Vorsitzenden der ESPEDE. Ziel des Ganzen ist eine Machtübernahme der SPD mit Hilfe der Grünen (?) und der Linken! Mit "Kanzler Beck" unter Oskar Lafontaine! Wie sagte Lafontaine 1995: "Die Andrea ist ein Geschenk Gottes". Um Himmelswillen!
manesse (25.05.2008, 23:14 Uhr)
Warum darf eine 38-jährige Intrigantin
dem deutschen Volk vorschreiben, wer BundespräsidentIn werden soll? Diese Frage steht im Raum. Frau Nahles scheint darüber bestimmen zu wollen, wer unter ihr das höchste Staatsamt besetzen soll. Den Parteivorsitz der SPD hat sie de facto ja schon übernommen.
kalaehne (25.05.2008, 21:20 Uhr)
Der Wind weht immer wieder anders...
....Bei der Entscheidung für Berlin als Hauptstadt gaben die Stimmen der PDS den Ausschlag. Das wurde von allen Parteien akzeptiert. Die PDS ist eine der Vorgängerinnen der Partei DIE LINKE. Und jetzt wollen nicht wenige Abgeordnete der CDU/CSU die in Bonn verbliebenen Ministerien möglicht bald nach Berlin umsiedeln. Facit : Wenn es der CDU/CSU und dem Herrn Ramsauer passt, dann werden Entscheidungen von " DIE LINKE " gebilligt. Zudem, grundsätzlich ist die Aufstellung eines Kandidaten/einer Kandidatin für eine Wahl, also auch für die Wahl des Bundespräsidenten, legitimes Recht der im Bundestag vertretenen Parteien. Der Respekt vor dem amtierenden Präsidenten in Deutschland darf nicht dazu führen, daß für die anstehende Wahl am 23.05.2009 grundsätzlich keine Auswahl aus verschiedenen Bewerber/innen stattfinden darf, so wie es viele in der CDU/CSU gerne möchten. ...Man sollte nicht vergessen, daß Ramsauer und seine Freunde oft gegen Urwahlen waren/sind..Jürgen Kalähne, BGM a. D.
The_Fiddler (25.05.2008, 17:23 Uhr)
Bei der Figur des Bundespräsidenten
handelt es sich nur um ein Symbol. Es ist vollkommen egal wer den PÖosten besetzt.
babylon (25.05.2008, 17:18 Uhr)
Zuechter
Sie wird unseren staat , genauso wie die grünen schla.... zugrunde richten!
Asteriskina (25.05.2008, 16:25 Uhr)
Luftnummer
Bei jeder Kleinigkeit mit dem Ende der Großen Koalition zu drohen, wird zwar oft praktiziert ist aber nun wirklich unprofessionell und ohnehin müßig. Das ist allein aus Gründen der Machterhaltung eine Luftnummer. Mit wem möchte die CDU denn dann regieren? Für schwarz-gelb wird es weder jetzt, geschweige denn 2009 reichen, dazu war die Politik der CDU zu Lobbyisten-geprägt und in weiten Teilen unzureichend. Im übrigen ist es legitim, wenn die SPD eine eigene Kandidatin ins Rennen schicken will. Es gibt nun wirklich Wichtigeres für Deutschland zu klären,. Beispielsweise die Frage der Armut. Suppenküchen und Dumpinglöhne sind da garantiert keine Antwort auf Fragen und schon gar nicht eine Referenz, um 2009 nochmals ans Ruder gehen zu dürfen.
Zuechter (25.05.2008, 16:22 Uhr)
CDU-CSU-Ängste
was ist denn an Frau Schwan so schlimm? Eine Frau als Bundespräsidentin ist doch wohl auch mal dran. Außerden versteh ich nicht warum das ein so schlimmes verwürfnis sein soll, da die Bundespräsidenten doch eh nur Repräsentationsfiguren sind. Und Frau Schwan finde ich schon repräsentativ.
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