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29. November 2011, 07:51 Uhr

Polizeieinsatz erhitzt die Gemüter

Es war der längste Castor-Transport aller Zeiten. Die Gegner bejubeln die Verzögerung, die Polizeigewerkschaft hingegen sieht eine "internationale Anarcho-Szene" am Werk und fordert ein Nachspiel.

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Der Castortransport auf seiner letzte Etappe: Nach mehr als fünf Tagen rollen die Tieflader mit den Atommüllbehältern ins Zwischenlager Gorleben© Fabrizio Bensch/Reuters

Nach massiven Protesten hat der letzte Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll aus Frankreich am späten Montagabend das Zwischenlager Gorleben erreicht. Der Konvoi ins niedersächsische Wendland wurde durch Blockaden tausender Atomkraftgegner immer wieder aufgehalten.

Schon jetzt steht fest: Der 13. Transport nach Gorleben dauerte mit mehr als fünf Tagen nicht nur am längsten, er wird wohl auch der bisher teuerste. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte: "Wir müssen davon ausgehen, dass er nicht günstiger wird als 2010."

Auch die letzten 20 Kilometer auf dem Weg ins Zwischenlager wurden am Montagabend noch von einem riesigen Polizeiaufgebot gesichert. Dabei kam der Konvoi zeitweise nur im Schritttempo voran. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen gelang es zwei Atomkraftgegnern, auf einen der Tieflader zu klettern und den Tross damit kurz vor dem Ziel noch einmal eine Stunde aufzuhalten.

"Das Leben von Polizisten ist keinen Pfifferling wert"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat unmittelbar nach dem Ende des mehr als fünftägigen Einsatzes ein politisches Nachspiel gefordert. Kaum ein Transport der vergangenen Jahre habe die zur Sicherung eingesetzten Polizistinnen und Polizisten so viel Kraft gekostet, erklärte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. "Der Hass und die Gewalt, die meinen Kolleginnen und Kollegen von einzelnen autonomen Gruppen entgegenschlug, waren ohne Beispiel", so Witthaut. "Es sei bedrückend, dass sich Politiker und Bürgerinitiativen nicht eindeutig von dieser Gewalt distanziert hätten. "Die Einsatzkräfte hatten es mit einer international besetzten Anarcho-Szene zu tun, denen das Leben von Polizisten keinen Pfifferling wert ist", sagte Witthaut."

Nagel-Golfbälle kontra Wasserwerfer

Die Atomkraftgegner im Wendland bewerteten ihren tagelangen Protest hingegen als Erfolg. Einmütig forderten sie, dass die Politik den Bürgerprotest endlich ernst nehmen müsse und die Planung für ein mögliches Endlager in Gorleben sofort stoppen solle.

Die Aktivisten beklagten, dass durch den harten Polizeieinsatz 355 Demonstranten verletzt worden seien, davon fünf schwer. "Die Nervosität und Aggressivität bei den Polizeikräften ist größer geworden", bilanzierte die Bäuerliche Notgemeinschaft, in der sich vor allem Landwirte aus der Region gegen das Atomlager Gorleben zusammengeschlossen haben.

Die Polizei sei überzogen gegen die Blockierer vorgegangen. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Diese sollen Beamte unter anderem mit Feuerwerkskörpern und nagelgespickten Golfbällen beworfen und Strohballen angezündet haben.

Schünemann: "Polizei hat keine Fehler gemacht"

Dagegen betonte Innenminister Schünemann, die Polizei habe keine Fehler gemacht. "Die Einsatzkräfte sind bei den Sitzblockaden sehr besonnen vorgegangen", sagte er. Nach ersten Schätzungen seien auch etwa 100 Polizisten verletzt worden. Sie waren an vielen Orten in schwere Krawalle mit gewaltbereiten Atomgegnern verwickelt worden.

Schünemann hofft nun auf ein Ende der Atommüll-Transporte nach Niedersachsen. "Wir gehen erstmal davon aus, dass Niedersachsen seinen Beitrag geleistet hat", betonte er. Zwar muss Deutschland noch Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im englischen Sellafield zurücknehmen, die Kraftwerksbetreiber können aber selbst entscheiden, ob sie ihn nach Gorleben bringen.

Der Castortransport war der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich. Im Zwischenlager stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich wieder zurückzunehmen.

kng/DPA
 
 
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