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15. Juli 2008, 16:57 Uhr

"Mir fehlt der unbedingte Machtwille"

Er gilt als Nummer zwei hinter CDU-Chefin Angela Merkel, als Hoffnungsträger: Und doch hat Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff eine bundespolitische Karriere für sich ausgeschlossen. Im stern-Interview sagte er, dass er weder Kanzler noch Minister in Berlin werden wolle. Dazu lieferte er eine bescheidene, fast schon demütige Begründung. Von Sebastian Christ

Christian Wulff will sich künftig auf die niedersächsische Landespolitik konzentrieren© Carmen Jaspersen/DPA

Lange Zeit galt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff als Kronprinz von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Tag nach Merkels Abgang aus dem Kanzleramt, das war klar, würde Wulff gute Chancen haben, die Nachfolge anzutreten, als Kanzlerkandidat, vielleicht sogar als CDU-Parteichef. Umso erstaunlicher klingt das Geständnis, das Wulff nun machte: Er traue sich nicht zu, Kanzler zu werden, sagte er dem stern.

"Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen", sagte Wulff. "Ein guter Landespolitiker ist noch lange kein guter Kanzler." Er beziehe aus Machtpositionen keinen "Lustgewinn", so Wulff weiter. Auf die direkte Frage, ob er sich das Amt des Bundeskanzlers nicht zutraue, antwortete er auf eine Nachfrage hin: "So ist es."

Als "Alphatiere" der deutschen Politik sehe er Angela Merkel, Franz Müntefering und Roland Koch, sagte Wulff dem stern. Ob er auch dazugehöre? "Dafür habe ich mir zu viele Selbstzweifel erhalten." Selbst einen Ministerposten in einer eventuellen schwarz-gelben Regierung nach 2009 würde er nicht anstreben. "Auf mich wartet in Berlin niemand", sagte er.

Falls Wulff zu seinem Wort steht, verabschiedet sich damit der wohl aussichtsreichste CDU-Politiker aus der Generation der "Jungen Wilden" von der bundespolitischen Bühne - noch bevor er sie richtig betreten hat. Noch im Januar holte Wulff bei der Landtagswahl im einstmals sozialdemokratisch dominierten Niedersachsen für die Union mehr als 40 Prozent der Stimmen. Am selben Tag setzte es für den fast gleichaltrigen Roland Koch in Hessen eine krachende Niederlage. Danach glaubten viele Beobachter im politischen Berlin, dass Wulff in der besten Ausgangslage sei, schon bald bundespolitische Ansprüche anmelden zu können. Mitte Juni gab er dann das Amt des niedersächsischen CDU-Vorsitzenden an den zwölf Jahre jüngeren David McAllister ab. Auch das wurde als Zeichen einer politischen Interessenverlagerung von Hannover nach Berlin gewertet.

Wulff will sich trotzdem weiter engagieren

Seine deutliche Absage an die Berliner Politikszene kommt deswegen überraschend. Trotz allem will sich Wulff auch weiterhin mit Wortmeldungen in die Bundespolitik einmischen. "Ich werde nie meine eigene Meinung an der Garderobe abgeben, sondern vertrete sie auch dann, wenn die Kanzlerin mal gegenteiliger Meinung ist", sagte er. "Ich bin hochkonzentriert Ministerpräsident, kümmere mich um meinen Wahlkreis in Osnabrück und werde als stellvertretender CDU-Vorsitzender vermehrt Positionen beziehen können, wenn ich den Eindruck gewinne, dass CDU-Politik in der großen Koalition auf der Strecke bleibt." Konkret nannte er unter anderem die Gesundheitspolitik, wo er mehr Wettbewerb fordert, und die Konsolidierung der Staatsfinanzen.

Wulff riet außerdem dazu, CDU-Vorsitz und Kanzlerschaft in der Hand von Angela Merkel zu belassen. Für eine Ämtertrennung fehle es an einem möglichen Kandidaten für den Parteivorsitz, zu dem sie, Merkel, ein ausreichendes Vertrauensverhältnis habe. "Ein Vertrauensverhältnis hätte sie vielleicht zu ihrer Büroleiterin Beate Baumann, aber die würde die Partei wohl nicht als Vorsitzende tolerieren." Ob er selbst ein Vertrauensverhältnis zu Angela Merkel pflegt, ließ Wulff trotz Nachfrage offen.

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Von Sebastian Christ
 
 
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