. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. Juni 2010, 12:17 Uhr

Per Anhalter durch die Guidolaxis

Guido hat uns das Blaugelbe vom Himmel versprochen, nun ärgert sich mancher den Rücken bucklig - und hofft auf ein Paralleluniversum. Zeit für den Abwasch. Von Andreas Hoidn-Borchers

 
Angela Merkel, Guido Westerwelle, Dirk Nibel, Stephen Hawking, Rolling Stone, McChrystal, BP, Sommerfest, Bundespräsident, Bildung, Dieter Bohlen, Johanna Wanka, Niedersachsen, Universum, Paralleluniversum

"Überholen ohne einzuholen": Kabinettsmitglied Guido Westerwelle© Vadim Ghirda/AP

Heute kümmern wir uns mal um die wunderbare Welt der Paralleluniversen. Wenn wir der Wissenschaft und Wikipedia glauben dürfen, dann sind wir nicht allein, dann existieren irgendwo da draußen ganz, ganz viele Universen, die mit unserem möglicherweise zwar irgendwie identisch sind, in der die Geschichte aber immer ein wenig anders abläuft. Um es mal plastisch zu machen: Hierzuerden sind Sie gestern auf dem Gehweg von einem grenzdebilen Berliner Radler mit Handy in der Hand und zwei Knöpfen im Ohr über den Haufen geplättet worden, aber unter den vielen, vielen Paralleluniversen gibt es auch eines, wo sich ebenjener Radler zehn Meter vor ihnen beim SMS-Tippen formvollendet auf die Fresse gelegt hat. Hach! Oder: Sie haben den eigentlich ganz lieben, aber auch ein bisschen langweiligen Frank-Walter sitzen lassen, weil ihnen der coole Guido das Blaugelbe vom Himmel versprochen hat und jetzt haben Sie ihn am Hals, er ist ganz schön nervig, und ärgern sich den Rücken bucklig - aber da draußen gibt es eine Welt, wo Sie eben nicht jede verhängnisvolle Affäre anfangen. Tja. (Stephen Hawking hält das Ganze übrigens zwar für Schnokuspokus, aber das ignorieren wir jetzt einfach mal; wer ist schon Stephen Hawking…)

Jedenfalls ist die Vorstellung doch sehr schön, dass es jenseits der Grenzen unserer kleinlichen Vorstellung von Wille und Wirklichkeit irgendwo eine bessere Welt gibt, in der die Engländer mal ein Elfmeterschießen gewinnen (muss ja nicht gerade gegen uns sein!), wo Joachim Gauck am Mittwoch zum Bundespräsident gewählt wird (und sich spätestens nach einem Jahr alle fragen, ob man das pastorale Freiheitserweckungssalbadern nicht irgendwo abstellen kann), wo nicht ausgerechnet BP beinahe das Sommerfest des Präsidenten gesponsert hätte (oder wenigstens Naturalien beigetragen hätte, vielleicht: Ölsardinen?) oder wo Lothar Matthäus uns mit seinen WM-Analysen verschont und dafür als Geißel Allahs die geschundenen Völker des Nahen Osten heimsucht, zum Beispiel als Gastkommentator für Al Jazeera (wie, das macht er schon? Ach, manchmal lieben wir unsere ureigene kleine, enge Welt dann doch!).

Andererseits wollen wir auch nicht verhehlen, was die dann leider nicht ganz von der Hand zu weisende Konsequenz wäre: Milliarden von Dieter Bohlens (von denen ein paar vielleicht anständige Lieder komponieren können), Dirkniebels (von denen ein paar vielleicht Arbeitsvermittler geblieben wären) und Dungas (von denen ein paar vielleicht attraktiven Fussball spielen lassen würden). Und das wäre dann doch irgendwie galaktisch grausig.

So gesehen, bleiben wir lieber unter uns.

*

Zumal da es ja in unserer bescheidenen, langweilig dreidimensionalen Welt auch ein paar Figuren gibt, die gar kein zweites Universum benötigen, um in einer Parallelwelt zu leben. Wir zitieren hier nur... ach nein, den Außenminister zitieren wir heute mal nicht (obwohl seine Freude darüber, "dass die Bemühungen der Bundesregierung, wieder zu soliden Staatsfinanzen zurückzukehren, auch verstärkt werden durch einen Wirtschaftsaufschwung" sowie seine Schlussfolgerung daraus: "Das zeigt, die Regierung ist auf einem guten Weg" - obwohl diese Einlassungen aus dem Westerwelle'schen Paralleluniversumswesen durchaus eine ordentliche Abwasch-Abreibung verdient hätten; aber der Mann ist derzeit mit sich und seiner Partei gestraft genug).

Nein, wir zitieren lieber die ganz irdisch bibeltreue Kanzlerin, die sich an Paulus hält und dessen letzten Satz aus dem 13. Kapitel des ersten Briefs an die Korinther: "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe." Denn siehe: Sie glaubt an irgendeine Wirkung ihres Sparpakets, sie hofft, dass sie das noch erleben darf, und sie liebt die wunderbare deutsche Sprache, die sie aber nicht zurückliebt, weswegen sie ihr gelegentlich Gewalt antun muss (also die Kanzlerin der Sprache). Zum Beispiel so: "Wir, die Europäer, und ganz besonders Deutschland, sind der Meinung, dass die Reduktion von Defiziten* für ein nachhaltiges Wachstum, das wir alle schaffen wollen, unabdingbar ist." * nicht zu verwechseln mit: Reduzierung von Saucen, auch jenseits von Hessen als einkochen bekannt

Pardon? Bzw.: Hä bitte? Wenn uns das nicht komplettomat falsch in die Synapsen gefahren ist, meint sie damit in etwa folgendes: Wir sollen weniger Geld, das wir nicht haben, auf den Kopf hauen, damit wir irgendwann mal wieder viel Geld kriegen, das wir auf den Kopf hauen können. Der zweitgrößte deutsche Staatenlenker aus dem Saarland, der glücklicherweise eine andere Region als das Saarland auf den Kopf gehauen hat (und zwar im ersten Schritt und ohne Reduktion von Defiziten), hat dieses Prinzip mal in seiner unnachahmlichen Art so auf die Zwölf gebracht: "Überholen ohne einzuholen." Hat dann aber auch nicht so richtig funktioniert.

Wir haben den Eindruck, manchmal kann Angela Merkel doch nicht ganz verleugnen, woher sie kommt.

*

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Papayu (28.06.2010, 10:21 Uhr)
Ueberholen, ohne einzuholen
Meine Mutter schickte mich zum Einholen.
Unterwegs traf ich einen, den musste ich ueberholen, denn ich wollte vor ihm sein zum Einholen. Da traf ich Herbert, der sollte auch einholen. Da wir etwas entdeckten, was interessanter war, vergassen wir das Einholen.
Erst hiess es, Einholnetz.dann Einkaufsntez und dann Plastiktuete. Flaggen an Masten kann man auch einholen, aber nicht ueberholen. Verholen, abholen,zurueckholen usw. Ohne H! Mit diesem guckt man am besten in die derz.Regierung. Hohlkoepfe sollte am besten falsch verholt werden.

Ich verhol mal eben, Tschues.
germinal (28.06.2010, 00:46 Uhr)
viel zu schön...
... war der Artikel, als daß man es jetzt hier den ewig- gestrigen Maurern erlauben dürfte, neue Gräben zwischen Ost und West zu ziehen. Verzeihung, das machen ja wohl die Pioniere, nicht die Maurer.

Und die gibt es wohl auf beiden Seiten.

Meine Freunde kommen aus Ost und West, Unterschiede kann ich keine erkennen. Vergleiche empfinde ich als unsinnig!

Es wäre nett, die Diskussion wieder auf ihren Kern zurückzuführen, ohne Ost und West.

Dabei geht es um Schrödingers Guido, und um die Frage, ob er schon tot ist, oder nicht.
Es gibt nur eine Antwort. Hebt den Deckel mal hoch, und laßt uns alle nachsehen. Am Besten in Form von Wahlen!
Johann58 (26.06.2010, 18:08 Uhr)
Vereehrter faculdoc,
nehemn Sie die Sache doch nicht persoenlich, fast moechte man glauben, dass Kohl der oberste Organisator der Montagsdemos war.
Mit Parallelwelten sollten Sie sich doch gut auskennen, wo es doch in dem Teil Deutschlands, in dem der Marshall Plan nur ueber Umwege geholfen hat genuegend Parallelwelten gab.

Ich kann ja verstehen, dass Sie nicht mit Merkel in einen Topf geschmissen werden wollen, aber ich als Wessi muss ja auch die Schaeungen der Ossis ertragen und mit Leuten in einen Topf geschmissen werden, die mir absolut zuwieder sind.
HenningHerbst110 (26.06.2010, 17:46 Uhr)
Guido geh nach Hause.
Guido nachdem du unseren Sozialstaat vollends gegen die Wand gefahren hast, darfst du nun nach Hause zu deinem Freund gehen.
freimaurer (26.06.2010, 17:08 Uhr)
Clown
Wenn ein Kindergeburtstag ansteht, also ich lade den den Guidoclown ein...lach
Ich find ihn lustig...und die Kids bestimmt auch...nochma lach
undueberhaupt (26.06.2010, 16:33 Uhr)
Wie nun?
@ faculdoc
Die Geschichte Deutschlands ab
Marshall-Plan. Wie haben Sie sich gefühlt?
Als Arbeiter oder Bauer?
sturmfliege (26.06.2010, 16:18 Uhr)
Aber aber verehrte Kritiker des Guido, .....
...der Guido wirkt doch nicht allein, so hat er doch Mitstreiter, jede Menge in seiner Partei.

Die FDP hat sich in den letzten 9 Monaten dermaßen als Ulkpartei bewiesen, dass die paar Richtigkeiten die der Guido einst wahlkampftechnisch herausblies diese Lachnummer nur noch bestätigen.
faculdoc (26.06.2010, 14:19 Uhr)
Extra für " Helge55"
Ich rede ganz und garnicht von einem WESSI, das mal grundsätzlich ! Aber Sie sollten nur einmal die Geschichte Deutschlands ab Marshall-Plan nachvollziehen. Dann, genau dann, geht die Erkenntnis auf . Mir,als ehemaliges Kind eines sächsischen und ganz einfachen Bergarbeiters , verehrter Helge,
sind die Arbeiter und Angestellten aus Ihrer Heimat heute noch genauso wertvoll als zu einer Zeit,als uns Stacheldraht getrennt hatte. Über alles Andere brauchen wir beide nicht zu kommunizieren, nicht wahr ? Ich schreibe ganz selten so offen, aber Sie sollten mir das wert sein. Ihr "faculdoc "
TT2007 (26.06.2010, 14:14 Uhr)
@faculdoc: gebe ihnen ebenfalls Recht.
Humorlos ist Frau Merkel nämlich nicht, da hören die Parallelen zu Ihnen offenbar bereits auf.

Für meinen Teil: Bitte weiterhin so herrlich bissig und ironisch, Herr Hoidn-Borcher. Sie dürfen mich auch gerne als studierten Wessi implizit mit Herrn Westerwelle in einen Topf werfen... :)
Helge55 (26.06.2010, 14:02 Uhr)
@faculdoc
Mag sein, dass Sie Recht haben mit Ihrer Abneigung mit Frau Merkel in einen Topf geworfen zu werden. Aber was soll ich als Alt-Bundesländler sagen? Werde ich doch mit Herrn Westerwelle in einen Topf geworfen. Und dabei habe ich dem Herrn Kohl und seinen Konsorten und Lobbyisten auch noch die Wiedervereinigung finanziert! Und: Wird mir das gedankt? Nein - es heisst nur "Halt die Schnauze Wessi!"
:D

Viele Grüße

Helge
Abwasch der Woche

Wer hat aufgemuckt, wer hat verloren, wer hat die beste Show geliefert? Jeden Samstag werfen stern-Autoren einen Blick zurück auf die politische Woche - mal kommentierend, mal glossierend.

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Sponsoring des Sommerfestes BP, das Öl und der Bundespräsident

Nach massiver Kritik aus dem rot-grünen Lager hat BP sich als Sponsor des Sommerfests im Schloss Bellevue zurückgezogen. Dabei ist Sponsoring in der Politik gang und gäbe - auch bei Sigmar Gabriel. mehr...

Rüttgers gibt Ämter auf Merkel, die Königin ohne Land

NRW ist verloren, Jürgen Rüttgers geht. Damit ist CDU-Chefin Angela Merkel einen weiteren Konkurrenten los. Die Neubesetzung der personalpolitischen Lücken wäre Merkels Chance - hätte sie die Leute dafür. mehr...

Sommerfest des Bundespräsidenten BP springt als Sponsor ab

Die Kritik zeigt Wirkung: Der Ölkonzern BP ist nach scharfen Worten von SPD und Grünen als Sommerfest-Sponsor des Bundespräsidenten abgesprungen. Begründung: Man wolle Diskussionen vermeiden und nicht "die eigentliche Intention des Festes stören". mehr...

Physiker Stephen Hawking "Aliens würden über uns herfallen"

Dass es nur auf der Erde Leben gibt, ist für Star-Physiker Stephen Hawking unwahrscheinlich - angesichts von Milliarden von Galaxien und noch mehr Sternen im All. Allerdings glaubt er nicht, dass eine mögliche Begegnung mit Außerirdischen besonders gut für die Menschen ausgehen würde. mehr...

Ex-Afghanistan-Kommandeur McChrystal General McCrazy fliegt, doch die Kriegslüge bleibt

Der wegen seines losen Mundwerks gefeuerte US-General Stanley McChrystal stand wie kein anderer für die zynische Afghanistan-Strategie der USA. Sein Nachfolger wird diese Mission fortsetzen. mehr...

Konsequenz aus Läster-Affäre Obama feuert Afghanistan-General McChrystal

Der General muss gehen: US-Präsident Barack Obama hat den Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, entlassen. Der Grund: McChrystal hatte über den Präsidenten öffentlich gelästert. Sein Nachfolger steht bereits fest. mehr...

Unterwegs mit Christian Wulff Der kleinste gemeinsame Nenner

Er möchte so gerne Bundespräsident werden. Und er ist soooo nett. Und er kann sich so gut anpassen. Und er lächelt auch immer. Aber manchmal entgleitet ihm ein Satz. On tour mit Christian Wulff. mehr...

Bundesländer im Vergleich Schulen im Süden am besten

In Sachen Schulbildung bleibt es beim Süd-Nord-Gefälle. Beim Länder-Schulleistungsvergleich, dem Nachfolger der bekannten Pisa-Tests, landen Bayern und Baden-Württemberg erneut an der Spitze. Schlusslicht in fast allen Disziplinen: Bremen. mehr...