Am 25. September 2001 wurde der in München lebende Ägypter Abdel Halim Khafagy von Amerikanern verschleppt. Bis heute weiß er nicht, warum. Nun diskutiert der BND-Untersuchungsausschuss den Fall. stern.de hat mit Khafagy und seiner Tochter Ahlam gesprochen.

Abdel Halim Khafagy und seiner Tochter Ahlam Khafagy© Armin Brosch
Abdel Halim Khafagy: Ich habe Deutschland fünf Kinder gegeben. Sie studieren, sie arbeiten. Alle sprechen Deutsch. Viel besser als ich.
Ahlam Khafagy: Doch, natürlich gehen wir auf die Wiesn oder auch zu Betriebsfesten. Wir müssen ja kein Bier trinken und können trotzdem dabei sein und Spaß haben.
Ahlam Khafagy: Die Leute hier kennen uns seit dem Kindergarten. Wir haben viele deutsche Freunde. Manchmal ärgern wir uns, wenn unsere Religion falsch dargestellt wird. Zum Beispiel der Ausdruck Djihad. Djihad heißt eigentlich, den eigenen Schweinehund zu überwinden. Wenn jemand raucht und damit aufhören möchte, dann ist das Djihad. Es gibt tausende kleine Dhijads im Leben. Es gibt nicht nur diesen heiligen Kampf und Blut und Tod.
Ahlam Khafagy: Mein Vater hatte hier Freunde und Europa ist natürlich immer ein schönes Ziel für Menschen aus dem arabischen Raum.
Abdel Halim Khafagy: Vier Jahre lang.
Abdel Halim Khafagy: Ich hatte einen Teil meines Hauses verkauft und damit den Familien von Männern geholfen, die man ins Gefängnis geworfen hatte, weil sie bei den Muslimbrüdern waren. Die Frauen und Kinder hatten niemand, der sie unterstützte. Ich hatte gedacht, die Regierung würde mir dafür danken...
Ahlam Khafagy: Mein Vater war zusammen mit seinem Schwager in Bosnien, um Korrekturfahnen der bosnischen Koranbände zu kontrollieren, die wir dort für seinen Verlag drucken ließen. Dann kam der Anschlag vom 11.September. Wir haben mit ihm telefoniert und ihm gesagt: Bitte Papa, komm zurück! Wir haben Angst!
Ahlam Khafagy: Wir wussten nicht, was passiert. Da will man lieber zusammen sein als Familie.
Abdel Halim Khafagy: Ich habe gesagt, macht Euch keine Sorgen! Wir machen unsere Arbeit fertig, und dann kommen wir.
Abdel Halim Khafagy: Mein Schwager und ich, wir saßen nebeneinander im Hotelzimmer und haben die Korrekturarbeiten gemacht. Plötzlich wurde die Tür aufgebrochen. Zehn oder mehr Männer in Uniform kamen herein. Sie schlugen mich überall, aber vor allem auf den Kopf. Es hat sehr geblutet.
Abdel Halim Khafagy: Noch im Hotel haben sie mich genäht, aber ich glaube es war ein anderes Zimmer.
Abdel Halim Khafagy: Nein.
Abdel Halim Khafagy: Sie hatten ein Auto und dann einen Helikopter. Damit brachten Sie mich und meinen Schwager in das Gefängnis.
Abdel Halim Khafagy: Das waren Container, ohne Fenster. In den Gängen lagen Teppiche. Auf dem Boden der Zelle gab es eine Decke, aber keinen Stuhl, keinen Tisch und kein Bett. Sie haben immer wieder plötzlich die Tür aufgerissen und das Gewehr auf mich gerichtet. Dann bin ich jedes mal aufgesprungen.
Abdel Halim Khafagy: Immer wieder, mit Gewehren in der Hand. Dann haben sie die Tür wieder zugemacht.
Abdel Halim Khafagy: Das Essen war gut. Dreimal am Tag auf einem Tablett. Fleisch und Gemüse.
Abdel Halim Khafagy: Nein.
Abdel Halim Khafagy: Immer wieder andere. Sie haben nicht gesprochen. Aber ihre Gesichter haben mir Angst gemacht. Dann wurde ich jeden Tag verhört.
Abdel Halim Khafagy: Drei Soldaten haben mich jedes mal abgeholt, mit verbundenen Augen. Dann sah ich den Vernehmer. Es war jedes mal jemand anderes. Hinterher wurden mir die Augen wieder verbunden und ich wurde weg geführt.