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8. Mai 2008, 10:24 Uhr

"Wer hat mir das angetan?"

Am 25. September 2001 wurde der in München lebende Ägypter Abdel Halim Khafagy von Amerikanern verschleppt. Bis heute weiß er nicht, warum. Nun diskutiert der BND-Untersuchungsausschuss den Fall. stern.de hat mit Khafagy und seiner Tochter Ahlam gesprochen.

Zoom

Abdel Halim Khafagy und seiner Tochter Ahlam Khafagy© Armin Brosch

Herr Khafagy, Sie leben seit 1979 in München. Zwei ihrer fünf Kinder wurden in Deutschland geboren und vier haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Deutschen haben in Ihrer Familie also die Mehrheit?

Abdel Halim Khafagy: Ich habe Deutschland fünf Kinder gegeben. Sie studieren, sie arbeiten. Alle sprechen Deutsch. Viel besser als ich.

Sind Sie eine typisch Münchner Familie, auch wenn Sie vielleicht als Moslems nicht ins Bierzelt gehen?

Ahlam Khafagy: Doch, natürlich gehen wir auf die Wiesn oder auch zu Betriebsfesten. Wir müssen ja kein Bier trinken und können trotzdem dabei sein und Spaß haben.

Sie sehen sich als gut integriert?

Ahlam Khafagy: Die Leute hier kennen uns seit dem Kindergarten. Wir haben viele deutsche Freunde. Manchmal ärgern wir uns, wenn unsere Religion falsch dargestellt wird. Zum Beispiel der Ausdruck Djihad. Djihad heißt eigentlich, den eigenen Schweinehund zu überwinden. Wenn jemand raucht und damit aufhören möchte, dann ist das Djihad. Es gibt tausende kleine Dhijads im Leben. Es gibt nicht nur diesen heiligen Kampf und Blut und Tod.

Warum kam Ihre Familie 1979 nach Deutschland?

Ahlam Khafagy: Mein Vater hatte hier Freunde und Europa ist natürlich immer ein schönes Ziel für Menschen aus dem arabischen Raum.

Herr Khafagy, Sie haben in Ägypten Jura studiert?

Abdel Halim Khafagy: Vier Jahre lang.

Dann kamen Sie in Ägypten 16 Jahre ins Gefängnis. Warum?

Abdel Halim Khafagy: Ich hatte einen Teil meines Hauses verkauft und damit den Familien von Männern geholfen, die man ins Gefängnis geworfen hatte, weil sie bei den Muslimbrüdern waren. Die Frauen und Kinder hatten niemand, der sie unterstützte. Ich hatte gedacht, die Regierung würde mir dafür danken...

Dann kam der September 2001 und Sie waren in Bosnien...

Ahlam Khafagy: Mein Vater war zusammen mit seinem Schwager in Bosnien, um Korrekturfahnen der bosnischen Koranbände zu kontrollieren, die wir dort für seinen Verlag drucken ließen. Dann kam der Anschlag vom 11.September. Wir haben mit ihm telefoniert und ihm gesagt: Bitte Papa, komm zurück! Wir haben Angst!

Warum Angst?

Ahlam Khafagy: Wir wussten nicht, was passiert. Da will man lieber zusammen sein als Familie.

Als Ihre Tochter Ihnen am Telefon sagte: Komm nach Hause! Was haben Sie geantwortet?

Abdel Halim Khafagy: Ich habe gesagt, macht Euch keine Sorgen! Wir machen unsere Arbeit fertig, und dann kommen wir.

Am 25. September, nur gut vierzehn Tage nach dem Anschlag von New York, wurden Sie in Ihrem Hotelzimmer abgeholt...

Abdel Halim Khafagy: Mein Schwager und ich, wir saßen nebeneinander im Hotelzimmer und haben die Korrekturarbeiten gemacht. Plötzlich wurde die Tür aufgebrochen. Zehn oder mehr Männer in Uniform kamen herein. Sie schlugen mich überall, aber vor allem auf den Kopf. Es hat sehr geblutet.

Hat Sie jemand behandelt?

Abdel Halim Khafagy: Noch im Hotel haben sie mich genäht, aber ich glaube es war ein anderes Zimmer.

Es gab keine Narkose?

Abdel Halim Khafagy: Nein.

Was passierte dann?

Abdel Halim Khafagy: Sie hatten ein Auto und dann einen Helikopter. Damit brachten Sie mich und meinen Schwager in das Gefängnis.

Wie sah es da aus?

Abdel Halim Khafagy: Das waren Container, ohne Fenster. In den Gängen lagen Teppiche. Auf dem Boden der Zelle gab es eine Decke, aber keinen Stuhl, keinen Tisch und kein Bett. Sie haben immer wieder plötzlich die Tür aufgerissen und das Gewehr auf mich gerichtet. Dann bin ich jedes mal aufgesprungen.

Die Männer kamen immer wieder?

Abdel Halim Khafagy: Immer wieder, mit Gewehren in der Hand. Dann haben sie die Tür wieder zugemacht.

Bekamen Sie zu essen?

Abdel Halim Khafagy: Das Essen war gut. Dreimal am Tag auf einem Tablett. Fleisch und Gemüse.

Durften Sie manchmal an die frische Luft?

Abdel Halim Khafagy: Nein.

Wieviele Leute waren das, die die Tür aufgerissen haben und das Essen brachten?

Abdel Halim Khafagy: Immer wieder andere. Sie haben nicht gesprochen. Aber ihre Gesichter haben mir Angst gemacht. Dann wurde ich jeden Tag verhört.

Wer hat Sie verhört?

Abdel Halim Khafagy: Drei Soldaten haben mich jedes mal abgeholt, mit verbundenen Augen. Dann sah ich den Vernehmer. Es war jedes mal jemand anderes. Hinterher wurden mir die Augen wieder verbunden und ich wurde weg geführt.

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
Oetker333 (09.05.2008, 20:12 Uhr)
@talkingkraut
Als wären die jüdischen und christlichen Werte die selben. Wer sagt eigentlich das die westliche Gesellschaft auf jüdischen Werten basiert? Man sollte bedenken dass viel mehr Muslime in Deutschland lieben als Juden. Schon vergessen: Religionsfreiheit zählt zu diesen Grundwerten. Ich frag mich welcher Religion Sie angehören. Auch das Christentum und das Judentum ist in gewisser Hinsicht gewalttätig. Die Ausbreitung des Christentums in Südamerika fand auch mit dem Schwert statt! Sie selber haben mit ihren Lügen die westlichen Grundwerte verraten!!!
Eisenbaer (09.05.2008, 14:14 Uhr)
Religion ist immer nur so gewalttätig, wie sie gelebt wird
Herr Khafagy lebt seine Religion friedfertig und findet dafür genügend Ansatzpunkte im Koran. Er beweist das zusammen mit seiner Familie nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Art, wie er sein Leben gestaltet.

Er kam in dem Ägypten der 60´er Jahre mit der dortigen Justiz in Konflikt, als er die Familien von inhaftierten Muslimbrüdern unterstützte, so dass diese nicht auf staatliche Hilfe angewiesen waren. Diese Hilfe wurde aber nicht als Hilfe an die Frauen und Kinder verstanden, sondern als Unterstützung der Inhaftierten und deren Kreise. Er wird damit auch verhindert haben, dass weitere Kreise von Muslimbrüdern in den Fokus der Justiz gerieten, was er vermutlich so nicht bedacht hatte.

Wer weiß schon, was er 2001 alles nicht bedacht hatte, als er in dieser Druckerei die Korrekturfahnen des dort gedruckten Korans las? Weiß er, ob in der gleichen Druckerei nicht auch Flugblätter, Hetzaufrufe und ähnliches gedruckt wurden?

Mir schein Herr Khafagy ein wenig (zu) naiv zu sein. Kein Wunder, wenn irgendwer dann nicht so recht an einen Zufall glauben mag und etwas nachbohren möchte. Aber vielleicht glaubt Herr Khafagy auch, dass ihn die anderen Machenschaften seiner Geschäftspartner bzw. Mitmenschen nichts angehen; und tja, wenn das so ist, dann wird dies vermutlich nicht sein letzter "Zusammenstoß" mit der Justiz gewesen sein.
talkingkraut (09.05.2008, 11:19 Uhr)
Islam ist alles andere als gewaltfrei
Den Islam als Religion in Deutschland zu installieren halte ich für einen Fehler, denn diese Lehre mit unserem Grundgesetz, das in christlich-jüdischen Werten gründet, nicht vereinbar. Die koranische Lehre widerspricht unseren Grundwerten. Wenn dieser Herr weiter die Gewaltfreiheit des Islam behauptet, dann zählt er nur auf die Unwissenheit der Leute in Deutschland, wenn man sich jedoch nur etwas mit dieser Lehre beschäftigt, erkennt man, dass sie sehr gewaltsam ist. Schon der Verkünder, dessen Leben sich Muslime zum Vorbild nehmen, hat Massaker begangen und verbreitete seine Lehre mit Gewalt und Raub. Auch danach fand die Ausbreitung seiner Lehre mit dem Schwert statt.
Countryjoe (08.05.2008, 12:41 Uhr)
Gespür!?
Es recht also wenn jmd. sagt, daß er Deutsche gespürt hat um einen solcher Wirbel zu veranstalten? Man braucht wohl wieder ein neues Vorzeigeopfer um die Kritiker an der Islamisierung mundtot zu machen, so scheint es.
Clibanarius (08.05.2008, 12:13 Uhr)
@gaga
Wenn es nur andere und nicht dich selbst trifft die mal eben entführt werden, ja, dann ist es Relativ und nicht weiter der Rede wert. So ähnlich wie du hatte auch mal Stalin vor sich..ääh...siniert. Ist dein Nickname eigentlich Programm?
Sonja_123 (08.05.2008, 11:52 Uhr)
Wie immer
Das Beste ist einfach mal selbst in der Situation zu sein. Die meisten reden nur Unsinn wie UR63. Ich wünsche es niemandem in so einer Situation zu sein. Das ist wie der Krieg. Man sieht keine Bilder, man macht sich auch keine grundlegenden Gedanken. Aber einfach darüber urteilen ist einfach.
Bei uns macht man sich in die Hose, wenn man plötzlich arbeitslos ist!Wir sind manchmal arm dran, wenn ich solche hirnlosen Kommentare lese......
gaga007 (08.05.2008, 11:38 Uhr)
Dialogus (8.5.2008, 11:23 Uhr) ...
... wenn Sie schon mit Zahlen " spielen " ... wir haben ca. 6 Milliarden Menschen auf der Erde, da sind diese paar Fehlgriffe der Geheimdienste dann relativ , oder ?
Salzsteuer (08.05.2008, 11:32 Uhr)
@UR63
wenn schon, dann richtig und alle religösen Fanatiker verbieten oder sonst was, und zwar die christlichen vorne weg. Diese haben bislang das meißte Elend über die Menschheit gebracht, da haben die Muslime noch viel nachzuholen.
Dialogus (08.05.2008, 11:23 Uhr)
Es geht bergab, UR63 und jochen123
Mann, mann, mann.
Ein Interview, welches zum Nachdenken anregt, wie willkürlich der amerikanische Geheimdienst walten kann und wieviel in unserer Welt Menschenleben wert sind.
Dann sind da derzeit 4 Kommentare und 2 davon einfach von "Lesern", die idiotischer nicht sein können...
UR63 (08.05.2008, 11:17 Uhr)
Ja,Ja
der typische Unschuldige!
Der ganze Islam gehört verboten!
Ende,Aus!!!
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