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29. Juni 2010, 08:21 Uhr

Bei der Hotel-Steuer war der Kompass kaputt

Nach Umfrage-Tief und herber Kritik vom Rechnungshof rückt die FDP von der zu Jahresbeginn abgesenkten Hotel-Steuer ab. Generalsekretär Christian Lindner will den Kurs der selbst ernannten Steuersenkungspartei jetzt überdenken. Und verärgert mit seinen Äußerungen die Kanzlerin.

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Christian Lindner: "Man hätte aus meiner heutigen Sicht diesen Satz nicht vorab senken sollen"© Berthold Stadler/APN

Bei der Suche nach einem Weg aus ihrer Krise will die FDP die erst zu Jahresbeginn eingeführten Absenkung der Hotel-Steuer weit hinter sich lassen. "Man hätte aus meiner heutigen Sicht diesen Satz nicht vorab senken sollen, sondern auf die große Reform warten müssen", sagte Lindner im Deutschlandfunk. Der "ordnungspolitische Kompass der Koalition" habe hier nicht richtig funktioniert.

Die auf 7 Prozent abgesenkte Mehrwertsteuer für Hotel-Übernachtungen war am Montag eine der vom Bundesrechnungshof in einem Sonderbericht kritisierten Maßnahmen. Die Prüfer bemängelten darin die zahlreichen Steuer-Ermäßigungen und nicht mehr zeitgemäßen Ausnahmeregelungen.

Der Staat lässt sich das System der ermäßigten Steuersätze rund 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten - allein der vor allem auf Betreiben von FDP und CSU eingeführte reduzierte Mehrwertsteuersatz für Hotel-Übernachtungen kostet pro Jahr rund eine Milliarde Euro.

Lindner äußerte sich insgesamt kritisch über den Kurs der Bundesregierung und seiner Partei nach der Bundestagswahl. "Wir haben uns sehr gebunden gefühlt an unsere Wahlzusagen, das ist auch ein Wert in einer Demokratie. Aber bei einem geänderten Umfeld muss eine Regierungspartei ihre Prioritäten überdenken. Da waren wir nicht schnell genug", räumte Lindner ein.

Merkel: "Ich dachte, wir wollten hier etwas ruhiger werden"

Auf die Frage, ob die Hoteliers-Umsatzsteuer wieder auf den regulären Satz von 19 Prozent angehoben wird, sagte Lindner, das gesamte Umsatzsteuersystem müsse auf den Prüfstand und einfacher werden. "Wir müssen das dadurch korrigieren, dass der Bundesfinanzminister rasch die ohnehin verabredete Kommission zur Überprüfung der Umsatzsteuer einsetzt."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte mit Verärgerung auf Lindners Äußerungen. In der Sitzung des Koalitionsausschusses warf sie ihm vor, neue Unruhe in die Koalition zu tragen. "Ich dachte, wir wollten hier etwas ruhiger werden, und dann muss ich in der Früh so etwas hören", wurde Merkel von Teilnehmern der Runde zitiert. Sie jedenfalls halte sich an den Koalitionsvertrag. Als Lindner sich verteidigte, habe die Kanzlerin erwidert: "Zur Beruhigung trägt das jedenfalls nicht bei."

fw/DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 36)
 
GoGo-King (30.06.2010, 08:59 Uhr)
Merken diese Pfeifen eigentlich noch
vor lauter absonderten Euphemismen, was für einen Stuß sie von sich geben?
Warum nicht einfach sagen "Wir haben uns kaufen und damit dem Strick, um uns selbst aufzuknüpfen, anreichen lassen!" Das wäre wenigstens ehrlich, zumal sowieso jeder weiß, dass die FDP käuflich war, ist und immer bleiben wird. Weg mit diesem Lumpengesindel
Gaisburg1905 (30.06.2010, 08:35 Uhr)
Bei der Hotel-Steuer war der Kompass kaputt
Leider nicht nur hier war was kaputt, anstatt
zu regieren wird nur gestritten. Manchmal
kommt wir das ganze vor wie im Kindergarten.
hotte_m (29.06.2010, 19:11 Uhr)
fassungslos
kann man nur noch sein, die sind keine Gurken- sondern eher eine Chaotentruppe. In nicht allzu ferner Zukunft wird unser massloser Ärger über diese Stümper nur noch Lachsalven auslösen.
Lazarus09 (29.06.2010, 17:00 Uhr)
Andererseits....
sind wir Wähler für diesen , einer Demokratie äußerst abträglichen Zustand, verantwortlich - als Wähler eben solcher, die Gesetze von ihren parteispendenkräftigsten Lobbyisten selbst schreiben lassen!!!
In jeder Oligarchie zieht das Volk als Wählerschaft gegenüber zahlkräftigen Sponsoren stets den Kürzeren, egal ob die sich wiederum aufgrund der Sponsoren-Politik quasi selbst finanzieren!!!

Anyway: Mit Demokratie hat die aktuelle Fernsteuerung nichts mehr zu tun.
Lazarus09 (29.06.2010, 16:53 Uhr)
Absoluter Muell .... typisch FDP eben
Kommentar ist fast fuer'n A...h

Fahren sie mal durch die Radarkontrolle und kommen dann mit dem Spruch mein Geschwindigkeitsgefuehl hat versagt :-) werden die lachen .

Der Kompass war kaputt ...ne
Duemmer gehts nimmer..... LOL
kunoo (29.06.2010, 16:08 Uhr)
geschickter Schachzug
abgesehen davon, dass ich der 'großen' Partei der Liberalität auch nicht auf's Fell gucken kann und der jetzige Salto rückwärts bei der Hotel-MWSt. ihr hoffentlich auch nichts nutzen wird - ich bin ja 'mal gespannt auf die Reaktion der CSU. Seehofer + Co waren nämlich massiv und zumindest gleichwertig zur FDP an der idiotischen Idee beteiligt (die bayrische Hotel-Lobby hat da ganze Arbeit geleistet). Die sog. 'Christsozialen' haben es hervorragend verstanden, die Prügel dafür fast gänzlich auf die FDP zu lenken. Jetzt müsste der bayrische Klüngel eigentlich aus der Deckung kommen. Das wird lustig.
mucamp (29.06.2010, 16:01 Uhr)
Dämliche Rhetorik
Der " Kompass" hat versagt?!
Die FDP ist das Opfer ihrer Rhetorik-Künste. Der kleine FDP-Senkrechtstarter wird von der Partei als erstes von Rethorik-Seminar zu Seminar geschickt, damit der kleine Kotzbrocken in jeder Situation, wenn auch bar jeglicher Sachkenntnis, die Oberhand oder Recht behält.
Das Ergebnis: 10 Jahre clever plappern ohne Ahnung und kein Gespür für die Situation der Menschen.
Die Talsohle ist mit 3% noch nicht erreicht meine Herren. Darauf jede Wette!
Schwabe (29.06.2010, 15:22 Uhr)
Armes Deutschland
Wer soll den laschen FDPlern vergeben nach all dem leeren Getöse.
Um hier noch was zu gewinnen ist Personalwechsel angesagt - sonst wird das nichts. Wechsel ohne wechseln klappt nicht.
-Dagegen- (29.06.2010, 15:00 Uhr)
@ tannebaum
Irgendwelche mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogenen Vergleiche nützen hier wenig. Genauso könnte ein Arbeitsloser die Sozialleistungen der Dänen einfordern. Die Bürger haben offenbar doch noch ein gutes Gespür für Ausgewogenheit und Fairness. Die Mövenpickpartei betreibt Klientelpolitik in höchster Potenz,- ist wieder einmal dabei ertappt worden und dies ist auch gut so! Diese gelbe Pest braucht hier jedenfalls kein Mensch!
tannebaum (29.06.2010, 13:59 Uhr)
die debatte verkommt zur lächerlichkeit...
die fdp hat sich dafür eingesetzt, dass in europa chancengleichheit besteht. denn in 23 von 27 ländern gilt eine vergünstigte umsatzsteuer auf hotelübernachtungen. bei vielen ländern sogar noch auf gastronomische leistungen.

das alles ist also keine fdp-erfindung, auch wenn es gerne so dargestellt wird. statt darüber aufzuklären, rudert man nun zurück. will die fdp also wieder chancenungleichheit???

schade ist auch, dass viele journalisten die sache gar nicht verstehen oder verstehen wollen. denn sie schreiben auch nur hetzüberschriften, als würde sich die mövenpick-gruppe da was gekauft haben. dabei kam die initiative nicht von mövenpick! aber warum aufklären, wenn man auch reisserisch schreiben kann???

mir selbst wäre es lieber gewesen, die anderen eu-staaten würden keine sonderregelungen haben und wir bräuchten das auch nicht. so wie beim zoll. alle das gleiche und peng.

denn wegen solchen unfugs haben wir ja pharmapreise überall anders. haben eu-wagen, die billiger sind, etc...
da meckern ja auch alle wegen der ungleichheit. aber gleicht man im hotelwesen was an, dann meckern auch alle... daher frage ich mich: meckern einfach alle gern oder versteht einer überhaupt die zusammenhänge???

weicht die fdp nun zurück, dann knickt sie vor dem brüllenden mob ein. aber wenn der mob regiert, können die politiker ja gehen...

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