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24. Mai 2007, 07:49 Uhr

Keine Geruchsproben zur Strafverfolgung

Die Abnahme von Körpergeruchsproben bei Globalisierungsgegnern stößt bei vielen deutschen Politikern als "Stasi-Methode" auf Protest. Nun meldeten auch Datenschützer und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ihre Bedenken an.

Mit den Geruchsproben könnten Polizeihunde G8-Gegner in Heiligendamm erschnüffeln© Andreas Gebert/DPA

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar lehnt die Erhebung von Geruchsproben zur Strafverfolgung ohne gesetzliche Neuregelung ab. "Mir erscheint das ziemlich dubios", sagte Schaar dem "Kölner Stadt-Anzeiger. Das ist keine erkennungsdienstliche Maßnahme, wie sie in der Strafprozessordnung ausdrücklich festgelegt ist." Geruchsproben seien außerdem ein unsicheres Mittel, um jemanden zu identifizieren. Schaar kritisierte, dass Gerüche sehr intim seien. Sie könnten über Krankheiten, Ernährung und andere Eigenschaften Auskunft geben. "Die Erhebung solcher Proben erscheint mir jedenfalls ohne eine ausdrückliche gesetzliche Erlaubnis höchst zweifelhaft", wurde Schaar zitiert.

Justizministerin Brigitte Zypries geht ebenfalls auf Distanz zur Entnahme von Geruchsproben von Gegnern des G8-Gipfels in Heiligendamm. Auch wenn die Praxis vom Gesetz gedeckt sei, hinterlasse sie ein "sehr ungutes Gefühl", sagte Zypries. Die SPD-Politikerin brachte das Vorgehen in einen Zusammenhang mit den Methoden der DDR-Staatssicherheit, die Geruchsproben von Regimegegnern gesammelt hatte. Zypries sagte im Hessischen Rundfunk, wenn man in Stasi-Museen gesehen habe, wie dort Geruchsproben von Systemgegnern in Einmachgläsern aufbewahrt worden seien, hinterlasse dies ein ungutes Gefühl. Die Ministerin zeigte Verständnis für die Sorge, Deutschland entwickele sich zu einem Schnüffelstaat, und griff ihren Kabinettskollegen Schäuble an: "Aber zum Glück sind viele der Vorschläge, die Schäuble eingebracht hat, wieder vom Tisch."

Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern ist gegen Geruchsproben

Die vorsorgliche Sicherung und Speicherung von Geruchsproben in Vorbereitung auf den G8-Gipfel lehnt auch der CDU-Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier ab. Das habe es in seinem Land nicht gegeben und werde es auch nicht geben, erklärte der CDU-Politiker in Schwerin. Auch würden keine Hunde zu diesem Zweck eingesetzt. Das Vorgehen der Bundesanwaltschaft wolle er nicht kommentieren. Dagegen verteidigte Bundesinnenminister Schäuble erneut das Vorgehen: "Es ist völliger Unsinn, wenn vermutet wird, dass die Geruchsproben präventiv und im Hinblick auf Demonstranten beim G8-Gipfel in Heiligendamm genommen wurden", erklärte der CDU-Politiker.

Die Geruchsproben waren bei Hausdurchsuchungen bei Personen genommen worden, die beschuldigt werden, Anschläge im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel im kommenden Monat geplant oder bereits verübt zu haben. Dazu mussten die Betroffenen Metallröhren mit den Händen umfassen, um den Geruch abzugeben. Dem Justizministerium zufolge werden die Proben genutzt, um sie mit bereits vorhandenen Asservaten abzugleichen. In welchem Ausmaß die umstrittene Methode auch in Verfahren der Länderpolizeien genutzt wird, konnte das Bundesjustizministerium nicht sagen. Ein Sprecher des Innenministeriums lehnte Angaben dazu ab, ob auch der Verfassungsschutz Geruchsproben sammelt.

Reuters/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Swampy (24.05.2007, 23:02 Uhr)
Die Massnahmen sind doch okay!
Gut Geruchsproben sind sicherlich übertrieben - da geht die Phantasie einiger Politiker ziemlich weit - doch sind die Razzien völlig in Ordnung. Wenn nämlich irgendwas passiert sind doch meine Vorredner (-schreiber) die ersten die wieder gegen die fehlende Staatsmacht wettert und schreit. Und leider schlummet in den "G8-Gegnern" ein sehr hohes Gewaltpotential - da sind so manche Rechte ja noch Weisenknaben dagegen!
Roy05441 (24.05.2007, 14:50 Uhr)
Hat schon jemand den derzeitigen Geruch der BRD definiert?
Diesen eventuell bei allen Geheimdiensten dieser Welt gespeichert?
Versucht dann tatsächlich irgendwann ein in einer anderen Demokratie gebürtiger Mensch tatsächlich, wenn auch nur zu Besuch hier einzureisen?
DerAndere (24.05.2007, 11:33 Uhr)
Solange...
es nur "Minderheiten" und kleine oppositionelle Gruppen betrifft, wird keiner so recht was dagegen unternehmen. Das geht einfach Stück für Stück so weiter, bis wir an einem Punkt angekommen sind, den wir vor 10 Jahren noch für unmöglich hielten.
Nur alles zurücknehmen wird man dann nicht mehr können.
Ich frag mich immer nur, wer da eigentlich hinter steckt. Mir kommen die aktuellen Innenminister immer so marionettenhaft rüber. Kaum im Amt, schon mit tausend Ideen. Als würde schon eine ganze Heerschar von Funktionären und Lobbyisten auf den jeweils neuesten Minister warten. Und diesen irgendwie unter Druck setzten...
DerEine (24.05.2007, 10:47 Uhr)
Ein grosser Haufen...
... Sche*ße, was da vielleicht noch auf uns zu kommt (im Namen der Sicherheit - ha!)
Und einen (reellen) Haufen würde ich den Beamten auf ihren Schreibtisch packen, falls sie Geruchsproben von mir wollten.
Da hätten sie dann erstmal zu schnüffeln...
Aurum (24.05.2007, 09:05 Uhr)
Nichts gelernt
Die Entnahme von Geruchsproben zeigt wieder einmal mehr, welchen Kurs Deutschland ansteuert. Deutschland ist auf dem Weg zum totalen Überwachungsstaat. Stasi Methoden in einer "Demokratie"? Gegen Schäuble war ja Stasi Chef Mielke ein Weisenknabe! Wann wird dem endlich einhalt geboten?
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