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6. Oktober 2008, 15:15 Uhr

Bundeswehreinsatz durchs Hintertürchen

Wollte die Große Koalition dem Parlament etwas unterjubeln? Ohne die Oppositionsparteien zu informieren, einigten sich SPD und CDU darauf, die Bundeswehr künftig auch im Innern einzusetzen. Dafür aber muss das Grundgesetz geändert werden. FDP und Linke sind stinksauer. Von Sebastian Christ

Noch ist es nur Übung: Eine Gruppe Bundeswehrsoldaten übt eine Hausdurchsuchung© AP Photo/Joerg Sarbach

Eine Grundgesetzänderung zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren? Am Montagmorgen wusste niemand so recht Bescheid. Bei der Geschäftsstelle der CDU/CSU-Bundestagsfraktion? Achselzucken. Auch bei der SPD. Selbst im Innenministerium mussten sie erst einmal die Aktenlage prüfen. Sehr nebulös auch das, was die Nachrichtenagentur dpa nach der abendlichen Sitzung des Koalitionsausschusses meldete: "Die Spitzen von Union und SPD einigten sich auch darauf, die Bundeswehr auch innerhalb Deutschlands bei Notfällen einzusetzen. 'Es wird eine Grundgesetzänderung geben', kündigte (CDU/CSU-Fraktionschef) Volker Kauder an." Wann soll die Bundeswehr nun eingesetzt werden? Wer entscheidet darüber?

Als FDP-Chef Guido Westerwelle am späten Vormittag vor die Presse trat, wütete er gegen die Informationspolitik der Bundesregierung. Zuerst ging es um die Finanzkrise: "Dass die Bundeskanzlerin heute Parteitermine wahrnimmt, statt das Parlament zu informieren, ist in keinster Weise akzeptabel". Auf den Beschluss zur Grundgesetzänderung angesprochen sagte er: "Der Bundestag wird wohl nicht mehr informiert. Die Senioren Union wird informiert. Das ist ein Ergebnis der großen Koalition, das wird von Wahl zu Wahl weiter abgestraft werden." Und: "Wir haben leider keine handlungsfähige Regierung mehr."

Einsatz der Bundeswehr zur "Amtshilfe"

Im Windschatten der Finanzkrise hatte der Koalitionsausschuss eine Einigung über eines der wohl umstrittensten Vorhaben im Bereich Innenpolitik erzielt. Artikel 35 des Grundgesetzes soll dahingehend geändert werden, dass die Bundesregierung im Rahmen der so genannten "Amtshilfe" neben Kräften des Bundespolizei auch Bundeswehreinheiten "zur wirksamen Bekämpfung besonders schwerer Unglücksfälle" einsetzen darf, wie es am Mittag in einer Stellungnahme des Innenministeriums hieß. Einem Sprecher der CDU zufolge müssen dazu die Polizeibehörden aktiv werden. Sie stellen fest, ob Hilfe der Bundeswehr nötig ist. Dann berät das Kabinett darüber und beschließt selbständig den Einsatz. Ohne Anhörung des Parlaments. Unangetastet bleibt Artikel 87a der Verfassung, in dem die Zuständigkeitsbereiche der Bundeswehr geregelt werden - Innenminister Wolfgang Schäuble wollte auch dort Änderungen erwirken.

"Eilkompetenz" für Minister geplant

Inhaltlich gesehen ist diese Änderung also bei Weitem nicht so gravierend, wie es die Anti-Terror-Kämpfer in den großen Parteien gerne gehabt hätten. Und doch könnte es so etwas wie der "Fuß in der Tür" sein, ein erster Schritt auf dem Weg zu Gesetzesänderungen, die momentan noch nicht durchsetzbar sind. Fakt ist: Erstmals darf die Bundeswehr dann laut Verfassung "zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung" eingesetzt werden - wenn auch nur in den benannten Sonderfällen. Ein Meilenstein in der Geschichte der bundesdeutschen Armee.

Zudem soll eine "Eilkompetenz" für die "zuständigen Minister" im Grundgesetz verankert werden. Eine Sprecherin des Innenministeriums erklärt das so: "Wenn ein Flugzeug sich der Frankfurter Skyline nähert, kann es sein, dass das Kabinett nicht mehr rechtzeitig zusammentreten kann. Dann darf auch der zuständige Bundesminister selbst entscheiden, bevor das Kabinett dann berät." Ob für diesen Fall aber überhaupt eine Grundgesetzänderung nötig wäre - und wenn, dann mit besagter "Eilkompetenz" - darüber streiten sich die Experten.

Ratlosigkeit beim Bundeswehrverband

Die Linke tobte erwartungsgemäß. Die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak sagte: "Mit der Einigung der Großen Koalition, den Artikel 35 des Grundgesetzes zu ändern, treten Union und SPD das Erbe des Parlamentarischen Rates mit Füßen. Während der Parlamentarische Rat vor 60 Jahren versucht hat, die Lehren aus der Zeit des Faschismus zu ziehen, fabuliert die Große Koalition heute von einer abstrakten Terrorismusgefahr und will die Bundeswehr im Inneren einsetzen."

Beim Bundeswehrverband herrschte am frühen Nachmittag noch Ratlosigkeit über die Pläne der Bundesregierung. Man müsse sich erst einlesen, hieß es, außerdem wolle sich der Vize-Verbandschef Ulrich Kirsch dazu noch nicht äußern. Eine Stellungnahme zu der geplanten Grundgesetzänderung wird für morgen erwartet.

FDP muss im Bundesrat zustimmen

Auch FPD-Chef Westerwelle wollte das Vorhaben nicht inhaltlich kommentieren. Weil er nicht informiert worden sei, könne er auch keine Einschätzung dazu abgeben, sagte er Vormittag. Und es klang äußerst verärgert. Wenn sich die Große Koalition damit mal nicht selbst ein Bein gestellt hat: Denn im Bundesrat ist sie auf die Mithilfe der Liberalen angewiesen. Nur so würde auch dort eine Zweidrittelmehrheit zustande kommen.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 54)
 
Mobat (09.10.2008, 02:22 Uhr)
Volksaufstände?
Nun mal langsam! Auch Soldaten haben ein Gewissen - gerade als Staatsbürger in Uniform. Soldaten sind auf die Verfassung eingeschworen/vergelobt, und nicht auf Politiker. Außerdem, wie erklären sich dann einige Herrschaften den Aufstand des 20. Juli???
dritte_Person (08.10.2008, 10:34 Uhr)
Die Strippenzieher von Merkel & Co ...
... haben es fast geschafft:
Deutschland ist ein Polizei- und Überwachungsstaat.
Wenn diese Grundgesetzänderung vom Bundesrat bestätigt wird, hat sich ja der Neubau der vielen Fußballstadien in den letzten Jahren richtig gelohnt. Denn diese Fußballstadien lassen sich leicht als Masseninhaftierungslager umfunktionieren.
Und wenn die Strippenzieher und deren Hampelfrau Merkel & deren Hampel-Co-Männer weiterhin das Ziel verfolgen, die Ausbeutung des Arbeitnehmers auf das Niveau des Frühkapitalismus zurückzubringen, werden diese Masseninhaftierungslager nötig sein. Weil es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis hier in Deutschland die Paläste brennen ... und dann bedarf es einer Bundeswehr, die nach Innen schießt.
So ganz nebenbei erklärt sich auch ein weiterer Grund dafür, warum SPD-Beck weggeputscht wurde.
Countryjoe (07.10.2008, 13:36 Uhr)
Unterdrückung
Der Terrorismus ist doch nur ein Vorwand um mittels der Bundeswehr Voksaufstände der Art wie sie zum Untergang der DDR führten, wirksam unterdrücken zu können. Offensichtlich kommt eine Massenverelendung auf uns zu und Hungerrevolten und Großdemonstrationen sollen dann mittels militärischer Gewalt zusammengeschossen werden. Das gleich wird dann auch passieren, falls eine Partei rechts oder links der Mitte erdrutschartig Wahlen gewinnen sollte. Dann wird das Militär auf die Straße geschickt um die Mitte an der Macht zu halten. Demokratie wird in diesem Lande immer mehr zur bloßen Fassade.
whismerh2 (07.10.2008, 11:21 Uhr)
Was
immer passiert, die oberen Zentausend bekommen doch wohl allmählich kalte Füße.
Bei der offenen Verarscherei, kein Wunder.Wenn der Bundesrat zustimmt,
wird das heikel, möchte nicht Wissen über wen hier stimm und heimlich Daten gesammelt werden.
Willkommen in de schleichenden Diktatur, weil die Terroristennummer glaube ich denen eh nicht.
Dies ganze korruppte Pack kann eh nur lügen und lügen.
jetrabbit (07.10.2008, 10:19 Uhr)
FEMA camps
gibt es bei uns auch einige. zb. alle leerstehenden kasernen, oder ähnliches. schade, wir werden in zukunft von kriegserprobten killern in unserem eigenen land kontrolliert. echt blöd die polizei in den hintergrund zu schieben, und das volk durch militär in schach zu halten.
.
2012 steht ein grosses ereignis weltweit an. die regierungen dieser welt sind im begriff ihr militär auf diese situation vorzubereiten. von überall die gleichen meldungen, natürlich allen voran die USA.
.
hier wird etwas von den regierungen der welt verheimlicht. wie kann es sein, das ALLE sich genau auf eine massenpanik vorbereiten ???
kosherpork (07.10.2008, 08:55 Uhr)
BW-Einsatz im Innern?
Klasse, dann freue ich mich schon jetzt auf ein Paar sehr überraschte Gesichter im Bundeskanzleramt, im BMI usw: wenn der erste Leo2A5, nunmehr demokratisch politisch legitimiert, ungebremst durchs Ministerium rauscht und das Kommando "Abmarsch aus Altenteil" erteilt.
Als ob die BW nicht ein Teil des Volkes wäre... Unfaßbar.
Da haben etliche wohl vergessen, daß die BW sich im Ernstfall genau so integer, professionell und volksverbunden verhalten wird, wie damals 1989 die NVA.
Kein Bürger in Uniform käme auf den Gedanken, die Oma vom GAA mit der Waffe zu vertreiben.
Und dabei haben wir doch erst kürzlich bewiesen, dass "Change" ganz urplötzlich, überraschend und ohne Antrag/Genehmigung unblutig eintritt.
Und danach können wir uns endlich eine Verfassung gönnen, und die Auswüchse der Vergangenheit eindämmen, diesmal per Volksentscheid.
Neustart.
Zwickau (07.10.2008, 08:49 Uhr)
mijau
Der kreidefressende rollende Security Mann aus Schwaben hat es wieder mal geschafft, er nutzt jede nationale Schwäche. Schamlos. Dem Volk nur gutes auch zur Bundestagswahl.
skullysfiles (07.10.2008, 08:11 Uhr)
Innenministerium
"Artikel 35 des Grundgesetzes soll dahingehend geändert werden, dass die Bundesregierung im Rahmen der so genannten "Amtshilfe" neben Kräften des Bundesgrenzschutzes auch Bundeswehreinheiten "zur wirksamen Bekämpfung besonders schwerer Unglücksfälle" einsetzen darf, wie es am Mittag in einer Stellungnahme des Innenministeriums hieß." Hat das Innenministerium dies tatsächlich geschrieben? Das wäre preisverdächtig. Die Stellungnahmen des BMI sind in letzter Zeit zwar ohnehin - nun sagen wir - ungewöhnlich bis bemerkenswert; aber daß das BMI von "Bundesgrenzschutz" geschrieben haben soll, statt von Bundespolizei, würde zeigen, daß sich die Sprecher nicht wirklich in ihrer ureigensten Behörde zu Hause fühlen.
bmpost (07.10.2008, 08:05 Uhr)
Verlockende Möglcihkeit:
Vielleicht könnte die BW ja auch Typen wie Millhouse73 in die Nordsee jagen
Millhouse73 (07.10.2008, 05:51 Uhr)
Vielleicht kann
man dann ja auch die Bundeswehr benutzen, um unsere "Suedlandischen"Immigranten sicher zum naechsten Flug Richtung Heimat zu begleiten.
Das waere dochmal eine sinnvolle Aktion.
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