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4. März 2008, 14:41 Uhr

Ypsilanti will Minderheitsregierung

In Hessen könnte es zu einer Minderheitsregierung kommen. Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti kündigte Koalitionsgespräche mit den Grünen an. Für diese Konstellation wäre die SPD auch auf die Zustimmung der Linken angewiesen. Sie werde im Parlament für ihre Projekte Mehrheiten suchen, sagte Ypsilanti.

Will sich ihre Mehrheiten von Fall zu Fall suchen: Andrea Ypsilanti© Frank May/DPA

Die hessische SPD hat Verhandlungen über eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Führung von SPD-Chefin Andrea Ypsilanti beschlossen und will dafür auch mit der Linken reden. Für ihre Arbeit werde sich die Regierung wechselnde Mehrheiten suchen, mit der FDP, der CDU oder auch der Partei Die Linke, sagte Ypsilanti am Dienstag in Wiesbaden. Die FDP in Hessen habe sich trotz vieler Angebote einer inhaltlichen Diskussion über die Zukunft des Landes verweigert und eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen abgelehnt.

Minderheitsregierung mit den Grünen?

Deshalb sei sie vom SPD-Vorstand und der Landtagsfraktion beauftragt worden, mit den Grünen über die Minderheitsregierung zu verhandeln, sagte Ypsilanti. Dabei habe die SPD den Wählerauftrag für eine gerechtere Bildungspolitik, die Abschaffung der Studiengebühren und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien. Für eine Wahl zur Ministerpräsidentin benötigt Ypsilanti die Stimmen der Linkspartei, die angekündigt hat, die SPD-Kandidatin bei der Wahl zu unterstützen.

Ypsilanti sagte, sie habe lange versucht, eine stabile Regierungsmehrheit zu finden. Sie habe viele Angebote an die FDP gemacht, doch sei es zu keiner inhaltlichen Auseinandersetzung gekommen. Bei allem, was die SPD in den nächsten Wochen mache, bleibe die Tür für die FDP offen. Am Mittwoch werde sie auch noch einmal mit der CDU ein Gespräch führen, sagte Ypsilanti. Doch die Bedingung der CDU, dass der nächste Ministerpräsident Roland Koch heißen müsse, sei keine gute Voraussetzung für die Gespräche.

Struck nimmt Hessen-Kurs "zur Kenntnis"

Der Beschluss der hessischen SPD für eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der Linken hat nach den Worten von SPD-Fraktionschef Peter Struck keinen Vorbildcharakter für die SPD auf Bundesebene. Im Bund komme "eine Zusammenarbeit mit den Linken nicht in Frage", sagte Struck vor der Sitzung der Bundestagsfraktion in Berlin. Er nehme "zur Kenntnis, dass in Hessen eine andere Entscheidung getroffen worden" sei. Er zeigte dafür Verständnis, da sich die FDP einer Ampelkoalition "verweigert" habe. Entscheidend sei, dass in Hessen künftig "ordentlich regiert werden kann".

Struck stellte sich im Streit über den SPD-Kurs demonstrativ hinter den Parteivorsitzenden Kurt Beck. Er wies zugleich Medienberichte als Unsinn zurück, er wolle eine Debatte über die Links-Öffnung der SPD in der Bundestagsfraktion unterbinden. "In meiner Fraktion kann jeder reden und sagen, was er will - in Grenzen", sagte Struck in Berlin.

Beck krank, nicht angeschlagen

Der unter einer schweren Grippe leidende Beck sei krank, "aber nicht angeschlagen, sagte Struck der "Bild"-Zeitung. "Alles andere sind Fantastereien von Leuten, die der SPD schaden wollen, indem sie Spitzenleute der Partei beschädigen." Struck: "Kurt Beck ist und bleibt SPD-Vorsitzender - ohne wenn und aber." Beck sei auch weiterhin erster Anwärter auf die Kanzlerkandidatur 2009.

Die CDU sieht die große Koalition im Bund trotz der geplanten Gespräche der hessischen SPD mit der Linken nicht in Gefahr. "Der Wortbruch hat jetzt einen Namen, und der heißt (Andrea) Ypsilanti", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla vor einer Fraktionssitzung in Berlin. "Das ist ein Vorgang, der schwerwiegend ist, aber keine Auswirkungen auf die Arbeit der Bundesregierung haben wird." Er rief die SPD in Hessen dazu auf, dort erneut über eine große Koalition zu verhandeln.

Ramsauer sieht Vertrauensverlust

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht durch den neuen Kurs einen drastischen Vertrauensverlust der SPD. "Diese Glaubwürdigkeit ist restlos weg, dass glaubt nicht noch mal mehr der Allerdümmste", sagte er, betonte aber auch: "Ich teile die Meinung, dass die (große) Koalition die 18 Monate noch hält." Es gebe dazu keine Alternative.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sieht in der umstrittenen Öffnung der SPD zur Linken in den Ländern keinen "wirklich" neuen Kurs seiner Partei. In der SPD habe immer der Grundsatz gegolten, dass über Koalitionen in den Landesverbänden entschieden werde, sagte Thierse im WDR. So gebe es in Berlin "eine Koalition von SPD und PDS alias Linkspartei". Vergleichbares habe es schon in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern gegeben.

Vergleichbares gab es schon

Der SPD-Parteirat hatte Beck am Vortag mit großer Mehrheit den Rücken gestärkt. Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen billigten die 80 anwesenden Parteiratsmitglieder den in der Vorwoche gefällten Vorstandsbeschluss, der den SPD-Landesverbänden für ein mögliches Zusammenwirken mit der Linken freie Hand gibt.

DPA/Reuters/msg/spi
 
 
KOMMENTARE (10 von 56)
 
bessunger66 (06.03.2008, 13:20 Uhr)
Ein passendes Zitat:
Die Strafe des Lügners ist nicht, dass ihm niemand mehr glaubt, sondern dass er selbst niemandem mehr glauben kann.
George Bernard Shaw
bessunger66 (06.03.2008, 11:43 Uhr)
Bitte nur die rosarote Brille absetzen !
Zitat:"erstaunlich wie einige Menschen ihrer politischen Partei des Herzens jeden Dreck abnehmen" Genau damit ist nach meiner Meinung alles auf den Punkt gebracht. Weder SPD noch CDU und LINKE, etc. habe ein Problem in bestimmten Situationen die Wähler zu belügen. Allerdings ist der Fall "Y" der neueste und sehr offensichtlich. Bin selbst Hesse und denke das diese Frau schon jetzt überfordert wirkt, was kommt da auf uns zu ?
Watschdog39 (06.03.2008, 09:16 Uhr)
Wähler in Hessen
sollten eine Klage vor dem BGH erheben und die Abgabe der Wahlstimme für die SPD zurückziehen, da sie vorsätzlich und arglistig getäuscht wurden.
Diese Klage wird sogar mit einiger Sicherheit durchgehen und ein Exempel für künftige Wahlen statuieren.
Wenn diese machtgeile Y. tatsächlich gewählt wird werden die Medien alles schönreden was sie macht. Berichterstattung ist das nicht mehr, die Ethik des Journalismus wird nach meinem dafürhalten auch vom Stern verletzt.
Sheru (05.03.2008, 23:46 Uhr)
Schluss mit Streit, Veränderungen müssen her!
Ist doch egal, was vor der Wahl gesagt wird, wichtig ist, dass nach der Wahl eine Politik gemacht wird, die gut für die Bürger ist. Wenn Ypsilanti ihr Programm durchzieht, solls mir recht sein. Das wäre eine gigantische Verbesserung, vor allem für den Nachwuchs. In der Bildungspolitik sind endlich mal mutige Schritte nötig. In allen Bundesländern wird nur stümperhaft an der Schulpolitik rumgeflickt und die sozial schwachen Schichten noch mehr ausgebremst.
Turmfalke (05.03.2008, 18:12 Uhr)
Immer wieder
erstaunlich wie einige Menschen ihrer politischen Partei des Herzens jeden Dreck abnehmen. Da lügt Y vor der Wahl dass sich die Balken biegen, unterscheidet sich nicht im geringsten von einem K aber wird bejubelt wie eine Göttin.
Lieber Ganzbaf, es ist völlig egal welcher dieser beiden Politclowns regiert Y oder K, beide sind verlogen, beiden geht es nur um Macht und unter beiden wird sich nicht im positiven verändern.
Wer hier jetzt noch erzählt dass ein linker Rand nichts schadet hat nun völlig was an der Waffel, jeder Rand schadet, ob rechts oder links denn er steht immer für Radikalismus.
tufang (05.03.2008, 17:45 Uhr)
@ganzbaf
Sie haben begriffen :-)) Hauptsache "KOCH" und seine BAnde weg !!
Darum gehts nichts anderes!!
Styx2007 (05.03.2008, 16:21 Uhr)
Wundert es noch jemanden???
Wundert es in diesem Land wirklich noch jemanden?? Hessen ist doch nur wieder ein Beispiel mehr für die Verlogenheit der Politiker - wahrscheinlich gibt es keinen Bereich, der verlogener und schmieriger ist als die Politik und die Politiker. Was interessiert mich das Geschwätz von gestern - Hauptsache ich komme an die Macht. Schön ist dann nur, wenn sich unsere ach so tollen "Volksvertreter" dumm glotzend über die Politikverdrossenheit wundern und nicht verstehen, dass das Ansehen dieser Klientel nach der der Made kommt. Es ist echt zum kotzen. Einzig diejenigen, die diese verlogene Mischpoke nicht mehr wählen, setzen wirklich ein Zeichen!
solarman64 (05.03.2008, 12:45 Uhr)
Das wars
Es ist ein Trauerspiel, ich jetzt 43 und seit ich wählen darf, habe ich SPD gewählt. Unter Schröder ist die alte Dame auch relativ modern geworden und hat sich, besser als die "Schwarzen", den Herausforderungen der Globalisierung gestellt. Jetzt sitzen sie mit Postkommunisten am Tisch und rudern zurück in Szenarien, die mit einer modernen Volkspartei und Welt nichts mehr zu tun haben. Ich werde sie nicht mehr wählen.
ganzbaf (05.03.2008, 10:02 Uhr)
Ja, wieso?
Hauptsache Kochbeutel ist weg?
((O;
Lyrikportal.de (05.03.2008, 09:58 Uhr)
Ver-Sprechen
Schuld & Sühne:
"Mea maxima culpa – Nie wieder?
Zur Mittelschicht, zur Mittelschicht...
Gehörte ich da früher nicht,
Bevor dann Schröder kam ans Ruder,
Dank mir auch übernahm? Das Luder
Hat mich von Anfang an beschissen...
~
Gehörte ich früher nicht zum Mittelstand?
Laut Armutsbericht bin ich nun abgestiegen...
Jahrzehnte geackert und nur durch „die Hand
- Rente„ kann ich die Malaise noch gradbiegen...

Ich hab ihn gewählt, diesen Typ an der Leine
- Auch der dann von Putin, Gazprom und der Doris...
Heut weiß ich, dass: Lügen haben kurze Beine:
Na die von dem Gerhard, ich sag das, weil´s wohr is:
- Zuerst wird kein „Mann aus der Wirtschaft“ Minister,
Wie ER es versprochen hat, dieser Vollstrecker...
- Entlassungen schützen? Auch das, Herr Philister
Hast niedergewalzt mit dem Harz-Speichellecker.
- Das Steuerrecht durch grob-handwerkliche Fehler
Zugunsten der Großen – auch mit diesen Grünen –
Geändert, so wurde ein Eichel der Hehler...
... Saublöd oder dumm auf den Politik-Bühnen?
Ich hab das Gefühl: Emporkömmlinge schwächeln...
Das gab es schon öfter in unsrer Geschichte...
Was nützen uns Typen, die erst mit ´nem Lächeln
Wahlstimmen erschleimen... dann machen zunichte
Hochheilig-Versprechen, wie jetzt Ypsilanti
Denn die erwischen wir jetzt grad in flagranti...
____
http://www.stern.de/wirtschaft/finanzen-versicherung/finanzen/:Sozialer-Abstieg-Mittelschicht/612978.html
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_6480/SharedDocs/de/Inhalt/Servicebereich2/Lexikon/CD/durchschnittseinkommen.html
Nr. 05 in März 2008 aus insgesamt 755 ab März 2004; Kreativzeit: Mi., 05.03.08, ca. 09:05 – 09:40 Uhr
©Heinz-Albert Ellner
Heinz-(Heinrich)Albert Ellner
Deutschlands genial-brutalstmöglicher AllesVer-Dichter der Gegenwart... oder so
Gedicht auch unter www.lyrikportal.de
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