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3. Juli 2010, 12:18 Uhr

"Versicherte werden ausgequetscht"

"Fataler Weg", "Riesenmurks", "Armutszeugnis": Wirtschaft, Sozialverbände und Opposition laufen Sturm gegen die Sparpläne der Koalition im Gesundheitswesen. Doch nicht nur die Krankenkassenbeiträge werden wohl angehoben, auch die Höchstgrenze für den Zusatzbeitrag soll drastisch steigen.

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Gesundheit wird teurer - die Versicherten müssen es bezahlen© Daniel Karmann/DPA

Die Pläne der Bundesregierung, die allgemeinen Krankenkassenbeiträge auf 15,5 Prozent anzuheben stoßen auf breite Ablehnung. "Steigende Lohnzusatzkosten wären das Gegenteil einer tragfähigen Reform. Wir dürfen nicht den einfachen, aber fatalen Weg weiterer Belastungen des Faktors Arbeit gehen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der "Bild"-Zeitung.

Zudem warnte Driftmann die schwarz-gelbe Koalition vor dem Bruch eigener Versprechen. Ohne den Einstieg "in die einkommensunabhängige Gesundheitsprämie in Verbindung mit einem steuerfinanzierten sozialen Ausgleich verabschiedet sich die Koalition von ihren eigenen Versprechen".

"Sparvorschläge ein Riesenmurks"

Die Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisierte den drohenden Kaufkraftverlust für Ruheständler durch steigende Beitragssätze. "Höhere Kassenbeiträge sind schmerzhaft für die Rentner. Dadurch werde die Renten-Nullrunde zur Minusrunde", sagte Mascher der Zeitung. Die Rentner würden ohnehin heute schon durch Arznei-Zuzahlungen und Selbstbeteiligungen "stark zur Kasse gebeten".

Auch Patientenvertreter übten scharfe Kritik: "Die Beitragserhöhung ist Blödsinn und eine vollkommene Fehlentscheidung", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP), Wolfram-Arnim Candidus, dem Deutschlandradio Kultur. Die Bundesregierung stelle sich mit dieser Entscheidung zudem selbst infrage: "Sie hat vor der Wahl erklärt 'mehr Netto vom Brutto'. Das ist im Eimer", kritisierte der DGVP-Präsident.

"Die Sparvorschläge sind ein Riesenmurks, ein Armutszeugnis für die Koalition", kritisierte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. "Beitragssatzerhöhungen und Kopfpauschale summieren sich mit dem steigenden Steuerzuschuss zu einer Dreifachbelastung für die Versicherten", sagte Lauterbach den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" und fügte hinzu: "Der Versicherte wird ausgequetscht, weil man nicht in der Lage ist zu sparen."

Auch Höchstgrenze für Zusatzubeiträge soll steigen

Um das Milliardenloch in der gesetzlichen Krankenversicherung zu stopfen, plant die Regierungskoalition eine Anhebung des Beitragssatzes von derzeit 14,9 auf 15,5 Prozent, wie am Freitag aus Koalitionskreisen in Berlin verlautet war. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen zu gleichen Teilen zusätzlich belastet werden, also jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Auch bei den Zusatzbeiträgen, die die Kassen von ihren Versicherten erheben können, soll es demnach eine Erhöhung geben.

Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" soll die Höchstgrenze vom kommenden Jahr an verdoppelt werden - von jetzt einem Prozent des Einkommens auf dann zwei Prozent. Der maximale Zusatzbeitrag, den Kassen bei finanziellen Schwierigkeiten von den Versicherten erheben können, solle von 37,50 auf 75 Euro steigen. Der Beitrag, bis zu dem keine Einkommensprüfung der Versicherten vorgenommen wird, werde von 8 auf 12 oder 16 Euro angehoben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte im Sender RTL, Gesundheit werde teurer. Indirekt bestätigte sie die Pläne für höhere Beiträge: "Dazu werde ich erst Stellung nehmen, wenn es beschlossen ist." Erst Mitte 2008 war der Beitragssatz im Kampf gegen die Konjunkturkrise von 15,5 auf 14,9 Prozent gesenkt worden.

joe/AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 30)
 
tine908 (05.07.2010, 12:34 Uhr)
Endlich anpacken - auch wenn es weh tut
Wie lange wollen wir uns das noch ansehen. Es muß alles auf den Prüfstand. Wir können uns keine Übergewichtigen 30 jährigen Diabetiker leisten. Diese benötigen eine intensive Betreuung durch Ernährungsberater und Sporttherapeuten. Den Menschen muß klar gemacht werden, dass die Ernährungsumstellung und die Veränderung kleiner lieb gewonnener Dinge, sie vor einer lebenslangen Diabetestherapie bewahrt. Und was viel wichtiger ist, vor den Folgeschäden die uns ebenfalls Unsummen kosten.
Mikeorganizer (05.07.2010, 08:09 Uhr)
Es...
ist in der Geschichte der BRD wohl der Gipfel der schlechtesten Regierungen erreicht. Diese Politik hat uns mit den schlimmsten Lügen geködert und hat jetzt nicht einmal den Glanz dies gekonnt zu schleiern.
Ich kann nur hoffen, das Volk beweisst genauso viel Zusammenhalt und Nationalstolz wie beim Fußball, wenn wir diese Volksfeinde in unseren eigenen Reihen angehen.
lorna (04.07.2010, 15:24 Uhr)
Und wieder schlauer
@Garnet

Ich war durch Zufall auf die Aussage des MdB H. Beyer bei Abgeordnetenwatch gestolpert. Das die von Ihnen noch zusätzlich genannten Länder diesem Abkommen ebenfalls angehören, war mir nicht bekannt ... herzlichen Dank für die Info.

tannebaum (04.07.2010, 12:27 Uhr)
hat sich je was daran verändert?
die überschrift hätte es auch vor 25 jahren schon geben können...

aber seit 25 jahren ignoriert die politik die gesellschaftlichen veränderungen (zunahme hartzIV, trägheit, kinderreichtum bei sozialschwachen, demografische faktoren, etc.). zhalen tut es immer nur der arbeitende, der selbst weniger leistung bekommt, aber alle mitversorgen soll.

das ist keine solidarität mehr, dass ist pure einseitgkeit.
Papayu (04.07.2010, 03:18 Uhr)
Krankenkassen
Es ist schon richtig, frueher konnten die Mitglieder der KK aus dem vollen schoepfen.
Es war genug Geld da. Da hatte man/frau
einen guten Arzt, der schickte uns 3 Wochen auf Kur im Schwarzwald. Es gab viele Kurorte in D.Dann wurde das Geld knapper und viele Kurorte mussten schliessen.Da die Arbeitnehmer nur 14 Tage Urlaub hatten, wurden 3 Wochen Kur drangehaengt.
Wenn man frueher mit "auf Arbeit" erschien, erschien spaetestens nach 3 Tagen ein
Mitarbeiter des Betriebes um sich zu erkundigen, wie es denn dem "Patienten" ginge.Da machte man nur den "blauen Montag," um dies zu verhindern. War man wirklich krank, kann der Hausarzt, schrieb Rezepte und den gelben Schein.
Heute muss man schon ab 1 -2 Tag beim Arzt erscheinen, damit spaetestens der Schein dem Arbeitgeber vorlag.
Der Unterschied: mehr als eine Stunde Wartezeit im Wartezimmer, Infektionsgefahr,
10 Euro fuer einen gelben Schein und ABRECHNUNG an die Krankenkasse.
Das alte System war auf jeden Fall besser und billiger.Der gelbe Schein gehoert abgeschafft, dafuer muss der Arbeitnehmer Nachweis seine Krankheit dem A-geber erbringen, sonst erfolgt Lohnkuerzung.
Im Zeitalter des PC vielleich 3 Minuten Arbeitsaufwand.
Und fuer die Rentner und Rentnerinnen muss es in jeder Gemeinde einen"Ansprechpartner" geben, wo man/frau
ihre "Wehwechen der Einsamkeit" abladen kann.
Ausserdem sollte eine Krankenkasse pro Bundesland genug sein.
Wieso sind eigentlich "Firmenkrankenkassen" entstanden??
Staatsbuerger_2010 (03.07.2010, 19:31 Uhr)
Beiträge für die Abzocker
Wie lange wollen wir hier noch für die zahlen
die uns unverschämt abzocken und die Volksvertreter wissen dieses!
Stellt diese Regierung endlich vom Platz.

Lazarus09 (03.07.2010, 15:17 Uhr)
mackeldei (03.07.2010, 15:05 Uhr) seien sie froh
Gratualtion .... Ich war in Deutschland auch mit Familie privat Versichert ..die waren echt prima solange wir nicht hatten. Sohn Nr3 brauchte ein paar Operationen ( Tagesklinik nicht Stationaer ) und Therapien..... an jeder Rechnung bin ich auf ein paar Hunderter sitzen geblieben..und nur Theater bis da mal Geld kam,angeblich falsch abgerechnet vom Arzt ....u.s.w. .
Privat ist echt klasse ..solange man nicht ernsthaft krank ist.
Lazarus09 (03.07.2010, 15:11 Uhr)
andym (03.07.2010, 14:53 Uhr) Ganz einfach...
1.Weil am Missstand zu viele gut verdienen
2.Weil die Erhoehung und Leistungskuerzung so einfach und ohne Wiederstand zu machen ist.

Denn ohne Alternativen sind nur die Versicherten,die koennen sich hoechsten aussuchen wem sie das Geld fuer schlechter werdende Leistungen nachwerfen muessen.

Ausser natuerlich man gehoert zu den " Elitiaeren Schmarotzern" die sich von Politik und Presse gedeckt ,beguenstigt,gerettet und verteidigt natuerlich die beste Med.Versorgung leisten koennen. Denn deren Kapitalzuwachs aus Kapitaleinkuenften wird weit tiefer besteuert als des Einkommen durch abhaengige Arbeit.....

Danke an alle Scheuklappen und Rosabrillen Traegern...die Moevenpick und die Perle der Uckermark gewaehlt haben !!!!
mackeldei (03.07.2010, 15:05 Uhr)
@cobdet
Bei meinem 10 jährigen Enkelkind, das nur mit einer Herzkammer auf die Welt kam, hat die private Krankenversicherung schon 5 schwere Herzoperationen bezahlt. Von wegen Rosinenpicken! Allerdings muss man viel vom Verwaltungskram selbst erledigen und sehr oft die Rechnung vorfinanzieren. Ich wünsche Ihnen jedenfalls eine gute Krankenkasse!
HenningHerbst110 (03.07.2010, 14:54 Uhr)
Das TINA - Prinzip.
TINA - there is no alternative.

Meiden Sie Ärzte die gleich operieren wollen - und meiden Sie Politiker die von Alternativlosigkeit sprechen. Es gibt immer Alternativen, man muss nur wollen.
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