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Steigende Energiepreise Stromanbieter Immergrün kündigt hunderten Kunden – Verbände sehen Preisexplosion mit großer Sorge

Stromleitungen und -mäste
Warum man die Lieferungen einstelle, begründete Stromanbieter Immergrün Berichten zufolge nicht (Symbolbild)
© Getty Images
Das Schreiben kam überraschend: Die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft, zu der auch die Marke Immergrün gehört, hat am Freitag hunderten Kunden die Lieferverträge gekündigt. Diese müssen sich nun bis Monatsmitte einen neuen Anbieter suchen. 

Steigende Preise für Strom, Gas und Benzin belasten nicht nur die Verbraucher, die Auswirkungen bringen nun offenbar auch den ersten größeren deutschen Energieanbieter in Bedrängnis. Wie das "Handelsblatt" und das Fachportal "Energate Messenger" berichten, soll die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft am Freitag hunderten Kunden überraschend die Lieferverträge gekündigt haben. 

In dem den Redaktionen vorliegenden Schreiben sei den Hauhalten mitgeteilt worden, dass man die Stromversorgung am 19. Oktober einstellen werde, heißt es. Einen Grund für die Kündigungen soll das in Köln sitzende Unternehmen den Berichten zufolge nicht genannt haben. Betroffen seien Kunden in Teilen von Bremen und Hessen. In der Hansestadt ist das Energieunternehmen mit der Marke Immergrün vertreten, in Hessen mit Meisterstrom. 

Vergleichsportal über Immergrün-Kündigungen informiert

Gegenüber dem "Handelsblatt" bestätigte das Vergleichsportal Verivox demnach, über die Kündigungen informiert zu sein. Immergrün habe zudem darum gebeten, vom 6. Oktober an keine ihrer Strom- und Gastarife mehr zu vermitteln. Auch in Großbritannien hatten sich vor wenigen Wochen Energieanbieter aus Vergleichsportalen entfernen lassen. Experten vermuteten, die Unternehmen würden so auch versuchen, sich vor stark gestiegenen Marktpreisen zu schützen.

Dies könnte auch bei Immergrün und Meisterstrom der Fall sein. Im Gegensatz zu Großanbietern, die sich häufig mit langfristigen Verträgen gegen Preisspitzen wie jetzt absichern, kaufen kleinere Anbieter wie die beiden deutschen Marken meist kurzfristig ein – und müssen dafür aktuell Rekordpreise zahlen. Diese Mehrkosten aber können vertraglich bedingt nur begrenzt an die Kunden weitergegeben werden. Die Unternehmen machen also Verlust. 

Die von den Kündigungen betroffenen Haushalte stehen vor einem anderen Problem: Sie müssen sich in den kommenden neun Tagen um einen neuen Anbieter kümmern. Grund zur Panik besteht laut der Verbraucherzentrale Bremen aber nicht. Verbraucher:innen fielen in die Grundversorgung, auch berate man gern beim Anbieterwechsel, hieß es auf Twitter.

Energiepreise: Verbände fordern Entlastungen durch Politik

Verbraucher- und Sozialverbände sehen die aktuellen Preisentwicklungen auf dem Energiemarkt mit Sorge und fordern Entlastungen durch die Politik. Wenn der Anstieg der Energie- und Benzinpreise ungebremst weitergehe, drohe eine "dramatische soziale Schieflage", sagte Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). "Die Politik muss dringend die gegenwärtige Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren, auf Energieeinsparungen setzen und Energiearmut verhindern", so Müller.

Auch Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, forderte, das Wohngeld für Menschen mit geringen Einkommen müsse jährlich an die steigenden Energiekosten angepasst werden. Angesichts der immensen Preissteigerungen für Energie müsse der Staat einen sozialen Ausgleich für Einkommensschwache schaffen. 

RWE-Chef erwartet weiteren Preisanstieg bei Strom und Gas

Dass die Preise zeitnah wieder sinken könnten, glaubt Markus Krebber, Vorstandschef des Energiekonzerns RWE, nicht – im Gegenteil. Er rechne damit, "dass Strom und Gas in den nächsten Jahren teurer werden", so Krebber gegenüber der "Rheinischen Post". Wie stark der Anstieg ausfallen werde, lasse sich heute noch nicht sagen. "Die derzeitige Explosion der Börsenpreise hat keiner erwartet."

Dafür gebe es mehrere Gründe. "Der vergangenen Winter war sehr kalt, das Windjahr war schwach, so dass Gaskraftwerke oft einspringen mussten. Es wurde weniger Flüssiggas nach Europa geliefert, und wir sehen weltweit einen Anstieg der Nachfrage aus der Wirtschaft, die nach Corona wieder voll angesprungen ist", fasste Krebber zusammen.

Russland produziere so viel Gas wie in den Vorjahren, stellte Krebber klar. "Doch wegen der hohen Nachfrage aus Asien und in Russland selbst kommt weniger in Europa an."

Quellen:"Handelsblatt" (Bezahlinhalt) / Fachportal "www.energate-messenger.de" / "Rheinische Post" (Bezahlinhalt) / Twitter / mit DPA

mod

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