Stefan Wolle wuchs in Ostdeutschland auf, heute leitet er das DDR-Museum in Berlin. Im stern.de-Interview spricht er über das Sandmännchen, Mauer-Reliquien und neue Grenzen.
Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Ich bin froh und glücklich, dass es die DDR nicht mehr gibt.
Das Sandmännchen war ja ganz süß, aber mir fällt beim besten Willen kein Vorteil ein, höchstens, dass ich damals mehr Zeit zum Bücherlesen hatte. Aber das war nur die Folge davon, dass wir eingesperrt waren.
Ja, das musste er. Da er die DDR retten wollte, hatte er 1961 keine andere Wahl. Die einzige Alternative für Erich Honecker und Walter Ulbricht wäre gewesen, eine Gesellschaftaufzubauen, in der die Menschen gerne geblieben wären. Wenn der Sozialismus eine reale Chance dazu geboten hat, dann ist sie nie ergriffen worden.
Als die Mauer fiel, saß ich gerade in einer Kirche außerhalb von Berlin. Ich dachte eigentlich, dass sie die Grenze in der Nacht wieder schließen würden, daher bin ich auch erst am nächsten Tag in die Stadt gefahren. Da kam ich dann ins Foyer der Humboldt-Universität, wo mir ein Kollege entgegen kam und sagte: "Hier ist nichts mehr los, die Studenten tanzen alle auf dem Kuhdamm." Da bin ich dann auch hingefahren. Es war ein wunderbarer Tag, ich war sehr glücklich, denn ich begriff, dass es vorbei war mit der DDR, für immer vorbei.
Die Firmen, die die Steine verkaufen, garantieren für deren Echtheit. Echt werden sie dadurch, dass man daran glaubt. Das ist wie mit den Reliquien im Mittelalter, da gab es auch mehr Nägel vom Kreuz, als man je hätte gebrauchen können. So etwas wie einen Mauer-TÜV gibt es nicht. Beton ist Beton und dann wird da noch ein Klecks drauf gemacht und dann sind es echte Steine. Jeder, der das kauft, weiß das auch, da wird also niemand betrogen.
In meinem Kopf nicht, aber verständlicherweise gibt es noch Menschen, bei denen das so ist. Aber ich sehe das optimistisch: Meine Kinder haben in Karlsruhe und Essen studiert. Für sie spielt es keine Rolle mehr, dass sie im Osten geboren wurden. Wenn dann doch mal einer fragt, dann ist es eher exotisch und abenteuerlich.
Der Anblick der Mauer in Jerusalem berührte mich sehr unangenehm, die Grenzanlage ist sehr modern und die Mauern sehr hoch. Aber ich würde diese Parallele zwischen den verschiedenen Mauern nicht ziehen, denn jede hat andere Ursachen. Die Mauer in Israel wurde gebaut, um die Bevölkerung vor Bombenanschlägen zu schützen. Da wäre ich nicht so arrogant zu sagen: "Das ist eine Mauer und die muss weg." Die Frage nach der Sicherheit der eigenen Bevölkerung ist eine schwierige Frage, da sollte man sich nicht von Emotionalitäten leiten lassen. Mit einer amerikanischen Journalistin habe ich einmal über Mauern gesprochen, sie schrieb ein Buch darüber. Sie sprach über die Grenze zwischen den USA und Mexico und die Mauer in Israel, aber die Berliner Mauer ist einfach etwas Einzigartiges. Weil sie die Leute nicht beschützt hat, sondern eingesperrt.