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15. Oktober 2009, 21:38 Uhr

Schwarz-Gelb einigt sich bei allen Sicherheitsthemen

Das ging überraschend schnell: Union und FDP haben in ihren Koalitionsverhandlungen alle Streitpunkte der Innen- und Sicherheitspolitik geklärt. Demnach werden Online-Durchsuchungen eingeschränkt, die Vorratsdatenspeicherung wird ausgesetzt, und bei Kinderpornografie im Netz gilt vorerst Löschen statt Sperren.

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Koalitionsverhandlungen, Union, FDP, CDU, Online-Durchsuchungen, Vorratsdatenspeicherung

Online-Durchsuchungen sollen künftig nur noch durch den Bundesgerichtshof angeordnet werden dürfen© Armin Weigel/DPA

Union und FDP haben sich in ihren Koalitionsgesprächen in allen wichtigen Streitpunkten der Innen- und Sicherheitspolitik geeinigt. Das erklärten Vertreter beider Seiten am Donnerstag nach der Sitzung der Koalitionsarbeitsgruppe Sicherheit/Justiz in Berlin. Überraschend schnell wurden die brisanten Themen BKA-Gesetz, Onlinedurchsuchungen, Internetsperren, die Vorratsdatenspeicherung sowie der Schutz von Berufsgeheimnisträgern abgearbeitet.

"Wir haben eine gute Lösung bei allen Hauptstreitpunkten gefunden", sagte der FDP-Innenexperte Max Stadler nach der Sitzung. "Ich gehe davon aus, dass sie auch von der großen Verhandlungsrunde so akzeptiert wird."

Kinderpornografie löschen statt sperren

Dem Kompromiss zufolge wird die umstrittene Vorratsdatenspeicherung bis zum ausstehenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausgesetzt, das im Frühjahr erwartet wird. Ebenfalls nicht zur Anwendung kommen ein Jahr lang die Internet-Zugangssperren zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Hier soll das Bundeskriminalamt (BKA) zunächst versuchen, entsprechende Seiten zu löschen statt zu sperren. Laut Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll dies auch durch die Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit erreicht werden. Nach einem Jahr sollen die Erfahrungen mit der Löschung ausgewertet werden und es soll entschieden werden, ob doch Sperren mittels schwarzer Listen nötig sind.

Bei den umstrittenen Online-Durchsuchungen konnten die Liberalen nur leichte Verfahrensänderungen erreichen, wie die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einräumte. Stadler zufolge wird das Recht zu Online-Durchsuchungen für das BKA nicht auf andere Behörden wie etwa die Geheimdienste ausgedehnt. Zudem soll die weitreichende Maßnahme künftig nur noch von einem Richter des Bundesgerichtshofs auf Antrag der Bundesanwaltschaft angeordnet werden dürfen, und nicht mehr von normalen Amtsrichtern. Desweiteren werde im BKA-Gesetz ein besserer Schutz des persönlichen Kernbereichs festgeschrieben.

Der Schutz von Berufsgeheimnisträgern wird von Strafverteidigern auf alle Anwälte ausgedehnt. Für andere Berufsgruppen wie Journalisten gibt es dem Kompromiss zufolge einen "Prüfauftrag".

"Warnschussarrest" für jugendliche Kriminelle

Jugendliche Straftäter will die schwarz-gelbe Regierung härter anfassen. Bei Mordfällen soll die Höchststrafe von 10 auf 15 Jahre heraufgesetzt werden, außerdem werde ein sogenannter Warnschussarrest eingeführt, teilten Schäuble und Leutheusser-Schnarrenberger mit. Damit können Jugendrichter auch bei einer Bewährungsstrafe die Verurteilten bis zu vier Wochen in Jugendarrest schicken.

Stadler hatte vor den entscheidenden Verhandlungen mehrfach die Erwartung geäußert, dass die Union nicht bei ihrer Ausgangsthese bleiben könne, dass alles von einer früheren Regierung Beschlossene als gegeben hingenommen werden müsse. "Wir sind ja gerade dafür gewählt worden, dass wir Änderungen und Verbesserungen anbringen", hatte der Bundestagsabgeordnete aus Bayern erklärt.

mad/AP/DPA/Reuters
KOMMENTARE (6 von 6)
 
ice-t (16.10.2009, 10:11 Uhr)
was ist eigentlich mit dem einsatz der bewaffneten camping truppe in olive im innland?
das gehört m.E. auch zu den ach so wichtigen sicherheitsfragen!

nochmal zur begründung mit den internetsperren:

pornographie ist ein massengeschäft...man wird in 1 jahr schlicht behaupten, man käme mit dem löschen nicht hinterher, weil die masse zu groß sei und sperren einfacher wären...

und nochwas...die sache mit der jugendstrafe auf 15 jahre für mord zeigt einmal mehr, dass die politik NICHTS gelernt hat. höhere strafen sind und bleiben SINNLOS. hier wird sinnfreie handlungsfähigket demonstriert, mehr nicht.
Selbst die Todesstrafe hält niemanden vom Morden ab...und 10 bzw. 15 jahre kriegt bei unsere kuscheljustitz doch sowieso niemand...

für mich zeigt dies hier, dass die fdp nicht anders oder besser als der rest ist. es wird rumgeeiert, es werden kompromisse ohne überlegung und berücksichtigung der wirklichen ansichten des bürgers beschlossen...wie eh und je...
DIE partei die alles verändern wird, ist die FDP nicht, auch wenn herr westewolle noch so großspurige reden im vorfeld geschwungen hat...hier erwartet uns der gleiche murks wie mit der großen koalition...es heißt alles nur ein wenig anders!
ice-t (16.10.2009, 09:56 Uhr)
nein, nein und nochmals nein. das ist auf gut deutsch QUARK. hier werden scheinheilige zugeständnisse auf zeit gemacht. mehr nicht. vorratsdatenspeicherung bis zum urteil des BVG...und danach??was ist wenn der BGH es für legal hält...dann haben Schäuble und Co gewonnen.
Internetsperren kommen 1 lächerliches Jahr nicht zum Einsatz...und danach? wird fröhlich ein scheinheiliger grund erfunden, warum man sie doch braucht.
onlinedurchsuchung darf nur von bka genutzt werden, "kernsphäre" wird stärker geschützt und ein hoher richter muss es erlauben. was ist daran jetzt großartig anders, als vorher? wer das anordnet ist wurscht, ich merke trotzdem nix davon als ottonormalo!
die forderungen hießen eindeutig:"ZURÜCKDREHEN DER GESETZE!OHNE WENN UND ABER!" Diese Regelungen müssen KOMPLETT WEG und nicht nur eine Weile aus dem Blickfeld der Bevölkerung geschafft, um dann irgendwann unbemerkt wieder aus der Versenkung geholt zu werden! Hier wird m.E. riesengroße Volksverar*che betrieben!
raptor-xl (16.10.2009, 09:24 Uhr)
besser als nichts und mehr als...
...vor der wahl erwartet. und vor allem schön, dass nun nicht jeder dorfrichter die ermittlungsbehörden in fremde pc's lassen darf und noch schöner, dass die sperren raus sind, denn diesen unfug hat ja keiner verstanden. danke fdß, dass ihr wenigstens da auch stärke gezeigt habt. denn vor wahl hatten die piraten, die fdp und gar die grünen das gefordert. da aber nur die fdp in der regierung sitzen wird, lag alle verantwortung bei ihr...
RDUKE7777777 (16.10.2009, 07:38 Uhr)
Ach kuck mal an
Die Piraten werden ignoriert, belächelt, als Kinderprono-Befürworter dargestellet.

Und plötzlich werden deren Forderungen doch noch umgesetzt und als Idee der FDP gefeuert.

Die etablierten Parteien sind nur noch peinlich.
dentix07 (15.10.2009, 23:55 Uhr)
Und was ist
mit Berufsgeheimnisträgern wie Ärzten?
Dazu hätte ich gern was erfahren!
Außerdem wette ich, daß das BKA nach dem einen Jahr GAAANZ SCHLECHTE Erfahrungen mit dem Löschen vermeldet und sich auch darüber beschweren wird, daß ihnen durch den langwierigen und umständlichen Weg über Bundesanwaltschaft und Bundesgerichtshof unzählige Täter durch die Lappen gegangen sind! Ich schicke 'ne Flasche Sekt an Ziercke wenn' s nicht so kommt!
AST61 (15.10.2009, 22:32 Uhr)
mmh...
das ging ja überraschend schnell mit den Sperren
Mal sehen, ob's stimmt.
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