. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Oktober 2008, 11:44 Uhr

Ypsilanti will Hessen zum Musterland machen

Die Macht in Hessen ist für Andrea Ypsilanti zum Greifen nahe. SPD und Grüne haben sich auf einen Koalitionsvertrag zur Bildung einer von der Linkspartei tolerierten Minderheitsregierung geeinigt. Das rot-grüne Kabinett will Bildung, Umwelt und Soziales zu den Schwerpunkten seiner Arbeit machen.

Andrea Ypsilanti und Tarek Al-Wazir wollen Hessen zu einem Musterland der erneuerbaren Energien machen© Daniel Roland/AP

Fast neun Monate nach der Landtagswahl in Hessen haben sich SPD und Grüne auf die Bildung einer Minderheitsregierung geeinigt. Dem neuen Kabinett unter einer Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti (SPD) sollen insgesamt zehn Minister angehören. Zwei Ressorts werden laut Vereinbarung von den Grünen besetzt. Deren Vorsitzender Tarek Al- Wazir soll stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister werden.

Am 4. November wollen SPD und Grüne die neunjährige Regierungszeit von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) beenden. Ypsilanti braucht zu ihrer Wahl im Wiesbadener Landtag die Unterstützung der Linkspartei. Ohne die SPD-Rebellin Dagmar Metzger verfügen Sozialdemokraten, Grüne und Linke genau über die 56 nötigen Stimmen im Landtag, Ypsilanti kann sich daher bei der Wahl keinen Abweichler leisten.

Ypsilanti und Al-Wazir erklärten zum Abschluss der wochenlangen Verhandlungen, sie wollten Bildung, Umwelt und Soziales zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit machen. Hessen solle ein "Musterland der erneuerbaren Energien" werden.

Beim Streitpunkt Ausbau des Frankfurter Flughafens soll es laut Ypsilanti ein "ergänzendes Verfahren" geben, um ein Nachtflugverbot zu erreichen. Der Betreiber Fraport werde aufgefordert, mit den Bauarbeiten bis zu einer Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes, aber längstens bis Ende 2009 zu warten. Der Flughafen Kassel-Calden solle modernisiert werden und seine Funktion für den Geschäftsreiseverkehr behalten.

Ypsilanti kündigt Doppelhaushalt an

Sorgen macht den neuen Partnern vor allem die Finanzlage des Landes. Die CDU-Regierung hinterlasse eine "große Erblast", sagte Ypsilanti. Im Haushalt klaffe eine Lücke von 1,5 Milliarden Euro. Der Grünen-Vorsitzende Al-Wazir meinte, man habe noch nicht das ganze Ausmaß der Schuldenlast ans Tageslicht gebracht. Ypsilanti kündigte für die nächsten beiden Jahre einen Doppelhaushalt an, in dem pro Jahr 200 Millionen Euro zusätzlich eingespart werden müssten. Zugleich sollten aber 40 Millionen Euro zusätzlich für eine bessere Lehrerversorgung, kleinere Klassen und mehr Ganztagsschulen ausgegeben werden.

Al-Wazir als designierter Umweltminister sagte, dass er für erneuerbare Energien zuständig sein werde. Dafür kämen zwei Referate aus dem Wirtschaftsministerium zum Umweltministerium. Das Wirtschaftsministerium, geführt von dem SPD-Politiker Hermann Scheer, verantworte die "ordnungsrechtlichen Fragen der Energie". Al-Wazir kündigte die Einführung eines "Wassercent" an, den vor allem Kraftwerke für ihre Wassernutzung zahlen sollten. Der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Jürgen Walter, ursprünglich Kritiker dieser Pläne, erhält überraschend keinen Sitz im Kabinett.

Der Vertrag muss noch von Parteitagen der SPD (1. November) und Grünen (2. November) gebilligt werden. Bei den Linken läuft ein Mitgliederentscheid, ob die Partei im Landtag eine rot-grüne Minderheitsregierung dulden soll.

"Waghalsiges politisches Experiment"

Die hessische CDU und die FDP sehen in dem Koalitionsvertrag übereinstimmend eine Kampfansage an die hessische Wirtschaft. Die Bundes-CDU bezeichnete die Verständigung als "waghalsiges politisches Experiment" auf der "Basis eines Wortbruchs". Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) warnte die Sozialdemokraten vor einem "Harakiri-Experiment", das sie abhängig mache von der Zustimmung der Linken, die die soziale Marktwirtschaft insgesamt in Frage stellten.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 52)
 
SethusCalvisius (27.10.2008, 00:22 Uhr)
Darum!
Weil der deutsche Wähler zwar immer jammert, dass Politiker keine Ahnung vom normalen Leben haben, aber keinen wählen möchten, der mal in einem ganz normalen Beruf gearbeitet hat. Daran hat auch unser taxifahrender Außenminister nichts ändern können. Ypse hat zwar studiert, aber da kann man nicht so schön drüber pöbeln wie über ihre Arbeit als Stewardess.
Pamela_1971 (26.10.2008, 11:17 Uhr)
Warum....
... ist hier mehrfach von "Saftschubse" die Rede, wenn die (wahrscheinlich) zukünftige Ministerpräsidentin Frau Ypsilanti gemeint ist? Meines Wissens ist Frau Ypsilanti studierte Akademikerin mit Universitätsabschluss (Diplom), was soll das also?!?
ganzbaf (26.10.2008, 10:56 Uhr)
Das ist kein Problem...

Merkel und Maybrit Illner (seit 1986) standen auch auf der Gehaltsliste der SED ((O;
.
(Und Strauss natürlich auch.)
Aaron71 (26.10.2008, 10:00 Uhr)
schon gewusst...
...was für tolle "Unterstützer" Frau Y sich da gesucht hat? Der hessische Linken-Vorsitzende Willy van Ooyen stand von 1976 bis 1989 auf der Auslands-Lohnliste der SED, um die westdeutsche Politik zu unterwandern. Nachdem er das auch in der taz unumwunden zugegeben hat, streitet er inzwischen alles ab. Die entsprechenden Unterlagen in der SED Zentrale verschwanden just in dem Moment, als Gregor Gisy deren Vorsitzender war. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zumindest diese Investition der SED (500.000 DM pro Jahr) zahlt sich ja nun langfristig aus.
jackiki (26.10.2008, 04:44 Uhr)
manesse
in all den jahren als sogenannter ausländer hatte ich wenigstens immer was tröstendes an der seite, eine blauäugige deutsche blondine mit scharfen kurven :)...
Aaron71 (25.10.2008, 21:20 Uhr)
im Übrigen
...ist das ganze nun wirklich kein Drama. Entweder es gibt bei der Wahl einen Heckenschützen und Frau Ypsilanti kann wieder Saft schubsen gehen. Oder sie wird halt gewählt. In spätestens drei Jahren sind Neuwahlen, sofern die Koalition so lange hält. Und in drei Jahren kann selbst eine durchgeknallte Saftschubse nicht soviel anrichten, auch wenn sie von Oscar Lafontaine aus Berlin ferngesteuert wird. Danach ist der Spuk zuende, da rot/grüne Bündnisse üblicherweise die Haltbarkeit eines Joghurts haben.
Aaron71 (25.10.2008, 21:15 Uhr)
@Sethus
da muss ich Ihnen ausnahmsweise mal Recht geben. Dass Koch allen Ernstes den Grünen Avancen gemacht hat, war schon daneben. Die sauberste Lösung wären Neuwahlen gewesen, bei denen Frau Ypsilanti vorher den Wählern ankündigen sollte, notfalls auch mit der Linken. Hätte sie dann das gleiche Wahlergebnis erzielt, was man bezweifeln darf, wäre ja alles in Ordnung gewesen. Jetzt läßt sie sich mit Stimmen wählen, die die SPD niemals für eine solche Koalition bekommen hätte.
SethusCalvisius (25.10.2008, 16:18 Uhr)
Mittleweile
bedaure ich fast, dass Al-Wazir dem Werben von Roland Koch nicht nachgegeben hat. Das wäre doch mal interessant zu sehen, ob die ganzen "Konservativen" dann auch so ein Problem mit seiner doppelten Staatsbürgerschaft hätten.
Aaron71 (25.10.2008, 16:08 Uhr)
ent oder weder
Man sollte sich schon entscheiden, welchem Staat man dienen möchte und welcher Leitkultur man sich verpflichtet fühlt. Dies sollte insbesondere bei der Übernahme einer exponierten politischen Stellung gelten. Schließlich ist man ja auch Repräsentant des Landes, von dessen Steuerzahlern man bezahlt wird. Al Wazir sollte seine jemenitische Staatsbürgerschaft zumindest solange ruhen lassen, wie er Minister ist.
manesse (25.10.2008, 15:54 Uhr)
@SethusCalvisius
Bislang offenbarte Al Wazir ein Staatsverständnis, das wenig von der demokratischen Kultur des Westens erkennen lässt. Die Manipulation des Wählerwillens durch das von ihm mitzuverantwortende Bündnis lässt eher vermuten, Al Wasir verwechsle das Bundesland Hessen mit einer jemenitischen Satrapie. Vielleicht hat er während seiner Aufenthalte in Aden oder Sanaa jene Methoden politischer Machterschleichung studiert, die er nun gemeinsam mit der Jakobinerin Ypsilanti anwendet. Kurzum: Die demokratische Zuverlässigkeit des Mannes steht ohnehin in Frage. Seine Doppelstaatlichkeit macht ihn doppelt dubios.
MEHR ZUM ARTIKEL
Hessen SPD und Grüne auf der Zielgeraden

Die Koalitionsverhandlungen zwischen der SPD und den Grünen in Hessen stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Noch im Laufe des Tages soll das Ergebnis bekanntgegeben werden. Strittig ist offenbar nur noch ein Thema - wer welche Ministerposten bekommt. mehr...

Hessen-SPD "Mach es, Andrea!"

Die Tage von Roland Koch als Ministerpräsident von Hessen scheinen gezählt. Andrea Ypsilanti hat es geschafft, ihren Landesverband beinahe geschlossen hinter sich zu bringen. Nun darf sie mit dem Segen ihrer Partei über eine rot-grüne Minderheitsregierung mit dunkelroter Duldung verhandeln. mehr...

Hessen-SPD Klares Votum für Rot-Rot-Grün

Erfolg für Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti: Ein Sonderparteitag hat mit großer Mehrheit die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit den Grünen beschlossen. Sie sollen zur Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linkspartei führen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe