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9. September 2009, 08:17 Uhr

Dokumente belegen Druck auf Gorleben-Gutachter

Gerüchte und Zeugenaussagen gibt es bereits seit einiger Zeit, nun liegen handfeste Dokumente vor: Die Bundesregierung hat massiv Druck auf Gutachter ausgeübt, die die Eignung des Salzstocks von Gorleben als atomares Endlager beurteilten sollten. Sie mussten ihre Expertise schönen, heißt es.

Gorleben, Kohl-Regierung, Bundeskanzler Kohl, atomares Endlager

Protest gegen das Endlager in Gorleben vor dem Berliner Reichstag© Berthold Stadler/DDP

Neue Dokumente belegen offenbar, dass die christlich-liberale Bundesregierung von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl 1983 massiv Einfluss auf Wissenschaftler ausübte, die die Eignung von Gorleben als atomares Endlager prüfen sollten. Nach einem der "Süddeutschen Zeitung" vorliegenden Schriftverkehr drängten die Ministerien für Forschung und für Inneres unter den Ministern Heinz Riesenhuber (CDU) und Friedrich Zimmermann (CSU) die zuständige Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zum Umschreiben eines maßgeblichen Gutachtens. Dies gehe aus einem Fernschreiben hervor, das das Forschungsministerium am 13. Mai 1983 an die Fachbehörde sandte, heißt es in der Zeitung. Bisher hatte es nur entsprechende Hinweise und Aussagen gegeben.

Damals war ein wegweisender Bericht kurz vor der Fertigstellung. Er sollte die Ergebnisse zu Gorleben zusammentragen und letztlich klären, ob der Salzstock auch unter Tage erkundet werden soll. Die PTB, Vorläuferin des Bundesamtes für Strahlenschutz, zeichnete für den Bericht verantwortlich. Die beiden Ministerien hätten über die Zukunft Gorlebens jedoch offenbar bereits entschieden, schreibt die Zeitung. Unter anderem sei die Gefahr, dass radioaktive Substanzen ins Grundwasser gelangen könnten, in dem Bericht heruntergespielt worden.

Damit gebe es erstmals einen Beleg für die Einflussnahme der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung auf die Vorbereitungen zu Gorleben, berichtet das Münchner Blatt. Erst vor kurzem waren zwei Fassungen des Berichts aufgetaucht. Die frühere der beiden geht dabei deutlich kritischer mit Gorleben um als die spätere. Helmut Röthemeyer, damals Abteilungsleiter in der PTB, hatte schon im Frühjahr in einem Zeitungsinterview geklagt, die Behörde habe seinerzeit unter massivem Druck der Politik gestanden.

Asse als Entlastung für Gorleben

Nach einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" wollte nicht nur Niedersachsen, sondern auch der Bund in den 80er-Jahren die Asse als Atommülldeponie reaktivieren. Der Zeitung zufolge verwies die sozial-liberale Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) im Dezember 1981 auf "Bemühungen des Bundes um die Nutzung des ehemaligen Salzbergwerks Asse II als Endlager für schwachradioaktive Abfälle".

Zur Begründung hieß es, die zu erwartenden Mengen an atomarem Müll könnten nicht allein in dem vorgesehenen Endlager Gorleben beseitigt werden. Es sei daher "dringend erforderlich, für schwachradioaktive Abfälle möglichst noch in den 80er-Jahren wenigstens eines der geplanten Endlager Konrad oder Asse in Betrieb zu nehmen". Das inzwischen marode Bergwerk bei Wolfenbüttel war von 1967 bis 1978 als Versuchslager für schwach- und mittelradioaktiven Müll sowie als Forschungsstätte genutzt worden. Wegen auslaufender Genehmigung hatte man die Einlagerung 1978 gestoppt.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
utospatz (12.09.2009, 14:07 Uhr)
Wenn ich so dick wie Kohl wäre,
und auch angeblich so christlich, mein Dummgeschwätz in Büchern verkauft, dass manch normaldenkender die Haare sich rauft, würde ich heute beim Frühstück Schröder und Putin christlich "Guten Morgen sagen"! So viel christliches Fett kann selbst ein Neugeborener nicht ertragen!
screne (10.09.2009, 12:44 Uhr)
@vlcd
Alles wird in ein Netz gespeist, ob Ökostrom oder Atomstrom. das ist aber bekannt und liegt in der Natur der Sache. Wichtig ist, wie hinterher abgerechnet wird. Wenn viele Haushalte Ökostrom beziehen, bekommen auch die Ökostrom-Erzeuger mehr Geld.

Ansonsten sehe ich Ihren Beitrag als Lobbyversuch für die Atomindustrie.
mullus (10.09.2009, 09:09 Uhr)
wer einmal lügt
dem traut man nicht (alte deutsche Weisheit)
Zuständig in der Regierung Kohl war für die "Manipulation" Frau Merkel.
pitiplatsch (09.09.2009, 13:58 Uhr)
Na dann bin ich
mal gespannt was den parteiischen Gutachter passiert ! und den Politikern von damals !
eslipart (09.09.2009, 13:37 Uhr)
@Traumwelt
Abgesehen, daß das nur Propaganda der Atomlobby ist (wie der billige Atomstrom), was hat das damit zu tun, daß die Kohl-Regierung einen Ort als Endlager bestimmt hat, der gar nicht geeignet ist, sondern durch getürkte Gutachten "geeignet und sicher" gemacht wurde? Also durch kriminelle Machenschaften ?
vlcd (09.09.2009, 13:31 Uhr)
Traumwelt
Den billigen Ökostrom gibts gar nicht, schonmal informiert, woher der "Ökostrom" kommt? Der größte Anteil kommt aus dem Ausland.
Wo ist nun das Problem? Ganz einfach: Die Strecken sind zuweit, sodass unterwegs Energie hinzugeführt werden muss um die Verluste auszugleichen.
Jetzt kommt der Clou: Die zugeführte Energie muss nicht regenerativ entstanden sein und trotzdem darf man es als Ökostrom verkaufen.
Wer also von den Ökostrom-Käufern glaubt, er nutze nur Ökostrom, der täuscht sich.
Sozimod (09.09.2009, 13:20 Uhr)
Atom Lobbisten
schüren Angst! Die Behauptung mit erneuerbaren Energien geht euch das Licht aus, sind falsch. Hier ein Link:
http://www.hermannscheer.de/de/images/stories/pdf/Scheer_Renaissance_Atomenergie_Energieautonomie_apr05.pdf
Hermann Scheer strebte mit Frau Ypsilanti für eine Atomfreie Energie. Kurt Herzog (DIE LINKE-Niedersachsen), informierte die Bürgerinnen und Bürger in Cuxhaven mit sachlichen Argumenten. Er empfahl uns die PDF von Hermann Scheer, die frei runterzuladen ist, aufmerksam zu lesen. Der Mix aus Erneubaren Energien ist billiger als Kohle und Atom. Informiert euch bitte an Wahlständen der Partei DIE LINKE, SPD Hessen am Stand von Hermann Scheer und ich hoffe auch bei den Grünen. Wir alle sollten den Mut zur Veränderung besitzen. Mehr denzentralisieren, flächenländer stärken. Es entstehen 100000sende neue Arbeitsplätze. Es ist machbar! Ohne zu verzichten!
jo--jo (09.09.2009, 13:16 Uhr)
@Administrator (09.09.2009, 12:48 Uhr)
Glauben Sie, dass man diese "Volksvertreter" ohne zu schimpfen noch erreicht? Ich... nicht!
Freigeist5 (09.09.2009, 13:03 Uhr)
Ich hab da einen Gedanken....
Jeden Atombefürworter 100 KG Abfall als Geschenk.....Politikern 500kg und den Gutachtern 1 Tonne - ist ja sicher...
Administrator (09.09.2009, 12:48 Uhr)
@jo--jo
danke für Ihren Beitrag. Gerne nehmen wir Kritik entgegen, bitten Sie diese aber auf sachlicher Ebene, ohne Verwendung von Schimpfwörten zu formulieren.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
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