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23. September 2009, 07:40 Uhr

Über die Zähne und Klauen der Finanzlobby

Kurz vor dem G-20-Treffen in Pittsburgh redet Finanzminister Peer Steinbrück im stern Tacheles - und attackiert sowohl die britische Regierung als auch die Deutsche Bank. Von Andreas Hoffmann und Andreas Hoidn-Borchers

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Angriffslustig: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD)© Michael Sohn/AP

Der Mann liebt klare Worte. Und er lügt nicht gern. Aber er ist auch loyal - jedenfalls im Rahmen seiner Möglichkeiten. Deshalb mochte Peer Steinbrück sich beim stern-Interview in der vergangenen Woche lieber nicht mehr äußern über die von ihm so geschätzte Große Koalition - nachdem er sich ein paar Tage zuvor auf einer Gruner+Jahr Veranstaltung in Hamburg für eine Fortsetzung des schwarz-roten Bündnisses stark gemacht und seine wahlkämpfenden Genossen schwer irritiert hatte.

Der Finanzminister und SPD-Vize teilte aber auch diesmal aus. Nur knöpfte er sich nun andere vor - die Briten, die Finanzbranche und die Deutsche Bank. In Großbritannien sieht er dunkle Mächte am Werk, die schärfere Regeln für die Finanzbranche verzögern. "Da ist in London klar eine Lobby, die einen Wettbewerbsvorteil mit Zähnen und Klauen verteidigen will", sagte Steinbrück dem stern. Er verwies darauf , dass die britische Finanzindustrie 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschafte, in Deutschland seien es sechs Prozent. Mit der Regulierung der Hedgefonds tue man sich deshalb "besonders in Großbritannien schwer, um es höflich zu sagen".

Nachdrücklich warb Steinbrück vor dem G-20-Treffen der Staats- und Regierungschefs in Pittsburgh für die Idee einer internationalen Finanzmarktsteuer. "Jeder Euro, den wir auf den Finanzmärkten einsammeln können, entlastet die Steuerzahler", sagte Steinbrück dem stern. "Es geht um die zentrale Frage: Wer zahlt die Zeche? Es kann doch nicht sein, dass die Bürger die Kosten schultern müssen, obwohl sie an der Krise nicht schuld waren. Deswegen müssen wir den Finanzsektor beteiligen."

Steinbrück zeigte sich zuversichtlich, in Pittsburgh weitere Fortschritte zu machen: "Politik ist manchmal wie ein Lokomotive, die nur langsam in Fahrt kommt, dann aber zunehmend Anhänger zieht." Er sei sich sicher, so Steinbrück zum stern: "Wir werden die Spielregeln auf den Finanzmärkten nachhaltig ändern." Die Erfahrungen des vergangenen Jahres wolle er nie wieder machen: "Damals wäre uns beinahe eine Dynamitstange um die Ohren geflogen."

Scharfe Kritik übte der sozialdemokratische Finanzminister am Geschäftsgebahren der Deutschen Bank, die nach wie vor eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent anstrebt. "Ja, da schnappe ich durchaus nach Luft. Solche Renditen lassen sich auf Dauer nur erzielen, wenn man das Gleichgewicht auf den Märkten beschädigt", sagte Steinbrück dem stern. "Warum soll man in die reale Wirtschaft investieren, wenn der Finanzsektor zweistellige Renditen verspricht. Das setzt falsche Anreize."

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 40/2009

Das ganze Interview

Das ganze Interview ... lesen Sie in der neuen Ausgabe des stern

Von Andreas Hoffmann und Andreas Hoidn-Borchers
 
 
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