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17. August 2007, 10:00 Uhr

Eva Haule kommt frei

Der Bombenanschlag vom 8. August 1985 war Anlass für die lebenslange Verurteilung der ehemaligen RAF-Terroristin Eva Haule. Jetzt kommt Haule, die als führende RAF-Terroristin gilt, frei. Von ihr gehe keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr aus.

Die RAF-Terroristin Eva Haule bei ihrer Festname am 3. August 1986© AP

Nach 21 Jahren Haft kommt die ehemalige RAF-Terroristin Eva Haule frei. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat den Rest ihrer Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Das teilte das Gericht am Freitag mit.

Attentat auf die Rhein Main-Airbase

In dem Urteil von 1994 hatte sich das Gericht überzeugt gezeigt, dass Haule dem Kommando angehörte, das das Attentat auf die Rhein- Main-Airbase verübte. In der Nacht zuvor hatten die Terroristen den US-Soldaten Edward Pimental in einem Wald bei Wiesbaden ermordet, um in den Besitz seines Ausweises zu gelangen. Mit diesem Ausweis fuhr dann einer der Täter einen mit 126 Kilogramm Sprengstoff beladenen Wagen auf den Parkplatz hinter dem US-Hauptquartier auf dem Flughafen.

Die Explosion der Autobombe tötete einen US-Soldaten und eine amerikanische Zivilangestellte. Zwei Menschen erlitten lebensgefährliche Verletzungen, 23 wurden schwerverletzt. Der Sachschaden betrug rund eine Million Mark (rund 500.000 Euro). Zu dem Anschlag hatten sich seinerzeit die RAF und die französische Terror- Organisation "Action Direct" bekannt. In dem Prozess hatten mehrere frühere Gesinnungsgenossen Haules ausgesagt, darunter die bei dem missglückten Anti-Terror-Einsatz von Bad Kleinen festgenommene Birgit Hogefeld.

Die 53-Jährige verbüßte ihre Strafe zuletzt als Freigängerin im Frauengefängnis Berlin-Neukölln. Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf fünf Jahre fest. Haule erhielt einen Bewährungshelfer. Der zuständige Senat hatte die Verurteilte zwei Mal persönlich angehört. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass von Haule derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr ausgehe. Haule habe überzeugend klargemacht, Gewalt in Form des "bewaffneten Kampfes" nicht mehr als geeignetes Mittel zur Erreichung politischer Ziele anzusehen.

Eva Haule galt als führende RAF-Terroristin

Die am 16. Juli 1954 in Baden-Württemberg geborene Eva Sybille Haule galt als eine der meistgesuchten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF), als sie im August 1986 gefasst wurde. Damals wurde die heute 53-Jährige mit zwei anderen Verdächtigen in einem Eiscafé in Rüsselsheim festgenommen, als sie nach Feststellungen der Fahnder gerade eine Lageskizze des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit studierten.

Im Juni 1988 verurteilte das Stuttgarter Oberlandesgericht die damals 33-jährige Haule zu 15 Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie 1984 an einem versuchten Sprengstoffanschlag auf die NATO-Schule in Oberammergau und an einem Raubüberfall auf einen Waffenhändler beteiligt war. Nach Überzeugung des Gerichts war sie nach der Festnahme führender RAF-Mitglieder im Jahr 1984 zur "ranghöchsten" Frau in der Terrororganisation aufgestiegen. So soll sie eine führende Rolle im "Kommando Jan Carl Raspe" gespielt haben.

Empörung über Haules Fotoausstellung

Als Freigängerin machte Haule, die Sozialpädagogik studierte, eine Ausbildung zur Fotografin. Für Ärger sorgte im März 2005 eine Ausstellung einiger ihrer Porträts von mitinhaftierten Frauen im Berliner Abgeordnetenhaus. Abgeordnete von FDP und CDU empörten sich über die Ausstellung im Parlamentsgebäude. Der Sprecher von Parlamentspräsident Walter Momper hatte dagegen die Auffassung vertreten, es dürfe kein lebenslanges Verbot für die Teilnahme an Kunstausstellungen geben. Die Rückkehr in die Gesellschaft müsse auch einstigen RAF-Terroristen ermöglicht werden. Haules Fotos wurden auch in einem Bildband veröffentlicht.

Nach der Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt im März aus einer bayerischen Justizvollzugsanstalt ist Haule die zweite Ex-Terroristin in diesem Jahr, die freikommt. Im Mai dieses Jahres lehnte Bundespräsident Horst Köhler ein Gnadengesuch des ehemaligen RAF- Mitglieds Christian Klar ab. Er kann frühestens im Januar 2009 entlassen werden.

Zwei weitere RAF-Terroristen bleiben in Haft

Christian Klar, 55, Der Sohn eines Freiburger Lehrer-Ehepaares sitzt seit mehr als 24 Jahren im Gefängnis, derzeit in Bruchsal (Baden-Württemberg). Er zählte Mitte der 70er Jahre zum inneren Führungszirkel der RAF. Fahnder hielten den studierten Historiker für besonders gewaltbereit. Klar war 1977 mitverantwortlich für die Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. 1985 erhielt er eine lebenslange Haftstrafe wegen gemeinschaftlich verübten Mordes an Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto sowie deren Begleitern. Bundespräsident Horst Köhler lehnte im Mai dieses Jahres Klars Gnadengesuch ab. Der Ex-Terrorist kann frühestens im Januar 2009 zur Bewährung entlassen werden.

Birgit Hogefeld, 51, war eine Leitfigur der dritten RAF-Generation. Im Juni 1993 wurde sie in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern festgenommen. Dabei starben ein GSG-9-Beamter sowie Hogefelds Komplize und Lebensgefährte Wolfgang Grams. Der Bundesgerichtshof bestätigte 1999 ihre Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung eines US-Soldaten und des Bombenanschlags auf die Frankfurter US-Airbase im Jahr 1985. Da eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, kann Hogefeld nicht mit ihrer Entlassung aus einem Frankfurter Gefängnis nach 15 Jahren rechnen. Ihr Gnadengesuch wies Köhler im Mai ab.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
catchme (19.08.2007, 11:06 Uhr)
... für " tufang (17.8.2007, 14:57 Uhr "
Ich rechne Ihre Freude über die Freilassung einer mehrfachen Mörderin Ihrer jugendlichen Dummheit zu ... ich gehöre zu der Generation, die die RAF bekämpft hat. Ich habe in diesem " Kampf " ein Opfer gebracht, das so sinnlos gestorben ist. Ich werde nie aufhören, diese Terroristen und jeden, der mit ihnen sympathisiert zu bekämpfen . Es wurden Menschenleben ausgelöscht, kaltblütig und ohne Sinn, nur um eine völlig verrückte Weltanschauung durchzusetzen ... ich werde diese Mörder immer verfolgen ! Das bin ich einem Opfer schuldig ...
gebenec (17.08.2007, 23:51 Uhr)
Frau Haule kommt frei
Frau Haule kommt frei
Das liest sich so als ob ein Mensch aus der Haft entlassen wird der zu Unrecht dort gesessen hat. Ich würde schreiben, sagen Frau Haule wird entlassen, hat ihre Strafe gebüßt und ist jetzt wieder als Mensch in unserer Gesellschaft aufgenommen (Jedenfalls bei mir)Die Opfer von damals macht keiner mehr lebendig (Vorteil von Frau Haule, unsere Gesellschaft tötet nicht ihre Gegner)
Ich will einfach nur hoffen das auch FRau Haule erkannt hat das Menschenopfer keinen Erfolg bringen und keine TAT rechtfertigen.
Gruß
tufang (17.08.2007, 14:57 Uhr)
DunconSilk
Zunächst Vielen Dank !!
Als ich Heute die Nachricht las dass ex.Raf-Terröristen Eva Haule nach 21 Jahren Haft endlassen wird habe ich mit freude als einer überzeugte "Demokrat" in Kenntniss genommen.Ich habe mich für sie gefreut.
Warum ??
Weil wir ihr als Gesellschaft nach 21 jahren ohne RACHE-GEFÜHLE eine nue Change geben damit sie sich mit uns versöhnen kann sonst nicht !!
Dass ich mit meine Meinung hier ganz allein stehe stört mich nicht,weil ich alle andere Kontsruktive Außerungen akzeptiere und Respektiere !!
Danke
MTG
Schwaebin (17.08.2007, 13:20 Uhr)
Gnade??
Diese Leute haben doch gerade unsere Freiheitliche Demokratie attackiert. Warum also sollen sie die Demokratischen Rechte voll geniessen koennen?
Wir gewaehren denen eine Gnade, die sie ihren Opfern nie gewaehrt haben.
Zudem sind manche RAF Morde ja noch gar nicht aufgeklaert.
Meiner Meinung nach gibts da nur eines: Einsperren und Schluessel wegschmeissen!
DuncanSilk (17.08.2007, 13:15 Uhr)
@sportartmakler
Ich für meinen Teil bin immer etwas vorsichtig, wenn ich jmd begegne, der anscheinend ausgesprochen blödsinnig antwortet. Dies liegt zum großen Teil darin begründet, dass ich seit 13 Jahren mit einer Chinesin verheiratet bin und sprachliche Mißverständnisse und Entgleisungen bei uns an der Tagesordnung sind.
Man sollte bei Tufang mal nachfragen (gut ich tue es hiermit), was denn der erste Kommentar ausdrücken sollte. Ich bin mir dessen bewusst, dass es trotzalledem zu Mißverständnissen kommen kann, weil man eventuell nebeneinander her redet, aber @tufang: Bitte um Aufklärung des 1. Kommentars.
sportartmakler (17.08.2007, 12:58 Uhr)
@dunconsilk
ich hab nie was gegen resozialisierung bzw. 2.chance gesagt, wenn es das nicht gäbe würde ja jeder lebenslänglich bekommen müssen oder etwas gekürzt werden müssen. gebe ihnen recht die erwähnung von tipp-oder rechtschreibfehlern ist schon billig, gerade wenn es eine fremdsprache desjenigen ist. aber im ersten kommentar applaudiert tufang eindeutig für die freilassung und nicht für das funktionieren unseres rechtssystems. somit huldigt er den täter und nicht unser system.
MeineAnsicht (17.08.2007, 12:45 Uhr)
Naja,,,,,
Ich finde, mit der Entlassung setzt man ein falsches Zeichen. In diesen terrorgefährdeten Zeiten ist ein falsches Signal der Politik. Es darf nicht vergessen werden, dass es sich hier um ein (EX)Mitglied einer terroristischen Vereinigung handelt. Die Anzahl der Jahre in Haft sind einfach im Verhältnis zu einen Bankräuber zu gering. Außerdem wird die kranke Weltauffassung der Dame nicht berücksichtigt. Es handelt sich nicht um einen Bankräuber der, wer er in die Enge getrieben wird, jemanden ermordet, sondern um die gezielte Tötung von Menschen mit gewissen Funktionen.
Übrigens, warum soll in diesem Fall die Demokratie eine Rolle spielen? Spielte sie bei den Attenaten ja auch nicht...
mramorak (17.08.2007, 12:43 Uhr)
Nicht die Opfer zaehlen, die Verbrecher
Das gleiche Lied wird rund um die Welt gesungen: Man kann sich nicht mit den Opfern ins Grab legen. Aber den Moerder kann man auch in ein Grab legen! Ist mir egal ob das der Herr Steinmeier, oder sonst jemand in Berlin, gerne hoert oder nich. Dieses Lied gehr auchmal anders: Die Opfer kommen doch nicht mehr zurueck wenn man den Moerder bestraft oder nicht. Wenn das so waere, koennte man doch auch den Moerder morden, ohne, dass man selber belangt werden kann, weil der ja doch nicht mehr zurueck kommt. Das freilassen eines Moerders hat nichts mit Demokratie zu tun, es hat was zu tun mit Verachtung der Demokratie zu tun, besonders die Freilassung von RAF-Moerdern! Deutschland ist ohnehin ein Land, von dem man glaubte, es ist auf dem Weg eine Demokratie zu werden.
DuncanSilk (17.08.2007, 12:41 Uhr)
@sportartmakler
oh nein, das habe ich nicht. Ich habe hier gelesen, das ein gewisser tufang (anscheinend kein Orginal-Deutscher ;-) ) sich gefreut hat, dass unsere Demokratie funktioniert. Nämlich dass wir zu unserem Wort stehen, welches einem Strafgefangenen gestattet, nach einer bestimmten Mindestgefängnisaufenthaltsdauer (nicht schimpfen bitte, mir fiel nichts kürzeres ein) wieder auf freien Fuss zu kommen und resozialisiert zu werden.
Und ich lese die Hasstiraden, die gegen Tufang gerichtet sind. Da wird seine Rechtschreibung kritisiert (da lieber Stern seid ihr gefragt, denn euer Kommentareditor ist der letzte Mist, keine Vorschau möglich), da soll er sich vorstellen wie es denn wäre, wenn ein Mörder seiner Familienangehörigen wieder frei käme.
Natürlich ist das für die Opfer schlimm. Aber Fr. Haule IST bestraft worden, sie kam nicht einfach davon ohne Bestrafung und dann kann sie doch jetzt versuchen ein "normales" Leben zu führen. Oder etwa nicht?
sportartmakler (17.08.2007, 12:31 Uhr)
@duncansilk
sie haben vielleicht einen anderen artikel bzw. kommentare gelesen als wir hier. es geht nicht in erster linie um resozialisierung- ja nein- sondern um einen gewissen tufang der applaudiert wenn ein mörder aus dem gefängnis kommt ( unabhängig ob dieser mensch aus seiner tat gelernt hat bzw. reuig ist)
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