Die Genossen träumen von Hannelore Kraft

9. November 2012, 16:20 Uhr

Die jüngsten Umfragewerte von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sind ein Desaster. In der Partei rumort es deswegen gewaltig - und schon machen erste Alternativ-Namen die Runde. Von Hans Peter Schütz

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Es sieht nicht gut aus für Peer Steinbrück - in Umfragen liegt er deutlich hinter Angela Merkel.

Die CDU erreicht mit 40 Prozent im November-"Deutschlandtrend" von Infratest Dimap den besten Wert seit Dezember 2007. Und dies trotz ihres "Ja" zum umstrittenen Betreuungsgeld. 59 Prozent der Befragten lehnen das jetzt im Bundestag beschlossene Projekt zwar ab. Die SPD, strikter Gegner der Regelung, fällt aber zugleich einen Punkt tiefer und steht derzeit in der Wählergunst bei schlappen 30 Prozent.

Der CDU-Rekordwert wird begleitet von einem dramatischen Abrutschen von Peer Steinbrück. In der Rangliste der beliebtesten Politiker ging es für ihn um neun Prozentpunkte nach unten - von Platz drei auf Platz sechs. Die Kanzlerin liegt weiterhin völlig unangefochten auf Platz eins. 68 Prozent sind mit ihrer Regierungsarbeit zufrieden. Und gäbe es eine Direktwahl des Regierungschef würde sie den SPD-Kandidaten mit 53 (plus 4 im Vergleich zum Oktober) zu 36 Prozent (minus 2) haushoch schlagen.

Dieser Trend war auch bereits im letzten stern-RTL-Wahltrend sichtbar geworden. 50 Prozent hatten sich auf die Frage nach der Direktwahl des Kanzlers für Merkel entschieden, nur 29 Prozent für Steinbrück.

Kraft liegt bei Dimap vor Steinbrück

Was in der SPD indes noch mehr für internen Gesprächsstoff sorgt als der sich dramatisch beschleunigende Absturz Steinbrücks, vermutlich dank der Diskussion über seine Nebeneinkünfte, ist eine andere Tatsache: Dass die nordrhein-westfälische SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft jetzt bei Dimap den Platz drei erobert hat, der bislang Steinbrück zugewiesen worden war. Aus Platz vier rangiert unverändert SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

In der SPD macht sich über diese Zahlen teils Träumerei, teils wütende Resignation breit. Zum einen wird Steinbrück vorgeworfen, sich erst am Donnerstag dieser Woche und damit viel zu spät entschlossen zu haben, das umstrittene 25.000-Euro-Honorar aus der Kasse der hoch verschuldeten Stadt Bochum einem mildtätigen Zweck spenden zu wollen. Der Eindruck des "Raffkes" Steinbrück wird nach Meinung des linken SPD-Flügels nicht dadurch aufgehoben, dass er auf die 25.000 Euro, die er ja bereits versteuert hat, jetzt noch rund 13.000 Euro aus privater Tasche drauflegen muss, um die ursprüngliche Summe des Honorars wieder zu erreichen.

Kanzlerkandidat zu früh ausgerufen

Steinbrück selbst hat dieser Tage gesagt, er habe davor gewarnt, den SPD-Kanzlerkandidaten zu früh auszurufen. Das bedeute schließlich dass man in die "Eierschleifmaschine gesteckt werde". Diese rotiert jetzt aufgrund der jüngsten Umfrageergebnisse schon bereits heftig - vor allem in der SPD selbst.

Dort ist intern eine Debatte entbrannt, wie man mit einem Kandidaten, dem sofort nach dem Start seine Glaubwürdigkeit als an sozialer Gerechtigkeit interessierter Politiker abhanden gekommen ist, mit Erfolgsaussichten antreten könne. Presseoffen wird darüber natürlich nicht diskutiert. Aber nach Zusicherung strikter Diskretion reden viele Sozialdemokraten, vor allem auf dem linken Flügel, mit Blick auf Steinbrück von einer "klaren Fehlentscheidung". Mehr noch: Davon, dass diese ohne kritisches Nachdenken erfolgt sei. Schließlich habe die Partei in der nordrhein-westfälischen SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eine glaubwürdige Gegenkandidatin gegen Angela Merkel gehabt. Dass sich Kraft von Anfang an strikt gegen derartige Anfragen aus der SPD gewehrt und auf ihre Verpflichtung verwiesen hat, auf jeden Fall vier Jahre in NRW zu bleiben, wird in der SPD verdrängt.

Die Entscheidung ist gefallen

Die Vorsitzende der Parteilinken, die Ulmer Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis, hat - wie sie einräumt - zwar vor der Entscheidung für Steinbrück gesagt "vom Typ her wäre Hannelore Kraft imstande Angela Merkel zu schlagen". Aber sie fügt aktuell hinzu: "Wir diskutieren das jetzt nicht in diese Richtung. Die Entscheidung ist gefallen. Wir sind realistisch", sagte sie stern.de. Auch die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Elke Ferner, wird gerne mit dem im Vorfeld der Steinbrück-Entscheidung gefallenen Satz zitiert, "Kraft hätte als SPD-Kanzlerkandidatin sehr gute Chancen."

Die Stimmung in der SPD ist vor allem dadurch geprägt, dass sich das "Theater um seine Nebeneinkommen" schon seit Wochen zäh dahinziehe. Er müsse jetzt endlich eine Position beziehen, die dem linken Wähler auch zu vermitteln sei. Sollte dies nicht im gebührenden Abstand zur geplante offiziellen Kür des SPD-Kanzlerkandidaten vom 9. Dezember in Hannover der Fall sein, wollen einige Steinbrück-Kritiker ihren Unmut öffentlich machen. Das müsse sich Ende November auch in den Umfragen zeigen. Dass es noch eine realistische Chance auf einen Wechsel des SPD-Kanzlerkandidaten gibt, glauben allerdings nur wenige Genossen. In der SPD-Führung ist kühl von "absurden Träumereien die Rede."

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