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8. Juni 2005, 14:03 Uhr

Schwarzwald schlägt Eton

Wo können deutsche Schüler optimal lernen? Eine neue Studie hat nun die 100 besten deutschen Schulen ermittelt - ganz vorne ein Gymnasium im Schwarzwald, das selbst das renommierte britische Eton-College schlagen würde.

Das sind Schüler der britischen Eliteschule Eton. Am Gymnasium Achern im Nordschwarzwald hätten sie es laut einer Studie besser© DPA/Picture-Alliance

Das Gymnasium Achern in Baden-Württemberg, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium im sachsen-anhaltinischen Halberstadt und die Gesamtschule Bonn-Beuel in Nordrhein-Westfalen sind die drei besten Schulen Deutschlands. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studie, die im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Capital" und des Software-Konzerns Microsoft, die ein Ranking der 100 besten Schulen mit gymnasialer Oberstufe in Deutschland erstellt hat.

Ungeachtet der verheerenden Ergebnisse der Pisa-Studie gibt es demnach viele deutsche Schulen, die ein großes Bildungsangebot haben und im europäischen Wettbewerb durchaus mithalten können. "Deutschland hat sehr viele Schulen, die weitaus besser sind als ihr Ruf und die vor allem im internationalen Vergleich sehr gut abschneiden", sagte Michael Forst, der Chef des Europressedienstes, der die Studie erstellt hat.

PlatzSchuleStadtGesamtpunkte
(von 100)
1.Gymnasium AchernAchern, BW60,23
2.Käthe-Kollwitz-GymnasiumHalberstadt, SA60,12
3.Gesamtschule Bonn-BeuelBonn, NW59,16
4.AloisiuskollegBonn, NW57,44
5.Odenwaldschule OberhambachHeppenheim, HE54,61
6.Günter Stöhr GymnasiumIcking, BY52,38
7.Gesamtschule MühlenbergHannover, NI52,01
8.Fallstein GymnasiumOsterwieck, SA50,48
9.Luther GymnasiumEisenach, TH50,29
10.Gymnasium Schloss HagerhofBad Honnef, NW49,13

Studie testet Voraussetzungen für Schüler

Spätestens seit den Ergebnissen der Pisa-Studie ist Bildung ein Top-Thema in Deutschland. Eine im internationalen Vergleich verbesserte Ausbildung an Schulen und Universitäten wird als Voraussetzung dafür gesehen, dass Deutschland auch als Wirtschaftsstandort Boden gut machen kann. Deshalb werden Regierungen - und Wahlkämpfer - in Bund und Ländern daran gemessen, welche Bildungskonzepte sie vorlegen. Während die Pisa-Studie die Leistungsfähigkeit deutscher Schüler untersuchte, illustriert das "Capital"-Ranking nun erstmals die Voraussetzungen, die den Schülern geboten werden. Dabei sticht besonders hervor, dass besonders jene Schulen erfolgreich abschnitten, die in einem verhältnismäßig wohlhabenden Umfeld angesiedelt sind.

Nordrhein-Westfalen und Bayern vorn

Im Länder-Vergleich liegt Nordrhein-Westfalen im "Capital"-Ranking vorne - 16 Schulen aus dem Westen befinden sich unter den besten 100 Einrichtungen. Auf NRW folgen Bayern mit 15 Schulen unter den 100 Besten und Niedersachsen mit zwölf, dicht gefolgt von Sachsen mit elf Schulen. Lediglich aus Schleswig-Holstein konnte sich keine Schule in der Hitliste der besten 100 platzieren. Die Kultusminister des Saarlandes, Sachsen-Anhalts und Thüringens hatten sich gegen die Teilnahme ihrer Einrichtungen an der Befragung ausgesprochen - einige Schulen aus diesen Bundesländern nahmen dennoch teil.

575 Schulen befragt

Insgesamt 3480 Schulen mit gymnasialer Oberstufe gibt es in Deutschland - dazu gehören Gymnasien, Gesamtschulen und Waldorfschulen. 575 dieser Schulen haben den umfassenden Fragebogen von Europressedienst ausgefüllt. Dabei wurden in der Studie zwanzig Kriterien in vier Kategorien ausgewertet. Zu diesen Kategorien zählten:

- die Bedingungen der Schülerbetreuung, etwa das Zahlenverhältnis von Schülern zu Lehrern

- die Ausstattung der Schulen, etwa mit Sportanlagen oder Computern

- die Vielfalt des schulischen Angebots, das etwa durch ein reiches Sprachenangebot zum Ausdruck kommt

- die "Kommunikation", also etwa die Anwerbung von Sponsoren durch die Schule oder der Internet-Auftritt

Aus den Angaben der Schulen ermittelte der Europressedienst dann eine Gesamtpunktzahl auf einer Skala von 1 bis 100. Die besten Schulen kamen auf etwa 60 Punkte. Zum Vergleich wurden auch 43 ausländische Schulen aus 16 Ländern befragt, die im Pisa-Test erfolgreicher waren als Deutschland.

20 Schüler teilen sich einen Computer

Der Studie zufolge besteht eine Schulklasse in Deutschland im Schnitt aus 27 Schülern (im internationalen Vergleich: 24 Schüler) und im vergangenen Jahr sind insgesamt 3,6 Prozent des Unterrichts ausgefallen (2,7 Prozent), 20 Schüler teilen sich einen Computer (neun Schüler) und in 40 Prozent der Schulen sind die Klassenräume mit einem Computer ausgestattet. Im Schnitt werden an deutschen Schulen vier Fremdsprachen (internationaler Vergleich: fünf) angeboten, 36 Prozent der Schulen bieten Förderunterricht für Begabte (16 Prozent) und 80 Prozent fördern ihre Schüler mit speziellen Angeboten (58 Prozent).

Schwarzwald vor Eton

Der Studie zufolge sind deutsche Schulen auch im internationalen Vergleich führend. Die beste ausländische Schule, das französische Lycée Anna Rodier würde nur auf Platz neun kommen, wenn es in dem Ranking aufgeführt würde, die britische Elite-Schule Eaton gar nur auf Platz 23. Prinz Harry, einer von Etons königlichen Absolventen, hätte demnach im Nordschwarzwald eine erheblich bessere Ausbildung genießen können.

Auffallend an der Studie war, dass Schulen besonders außerhalb der Ballungszentren gut abschnitten - also außerhalb sozialer Brennpunkte. Auch der "Gewinner" des Rankings, der Schulleiter Paul Droll des Gymnasiums Achern im Nordschwarzwald, räumte am Mittwoch Standortvorteile ein. "Wir haben eine Arbeitslosenquote von vier Prozent", sagte er. "In diesem Umfeld können wir eine Vision von Schule leben, die breit gefächert ist."

Florian Güßgen
 
 
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