9. Mai 2012, 06:08 Uhr

Mit "Vollhorst 2.0" in der Nobeldisco

Nur ein paar hundert Gäste kamen in die Münchner Nobeldisco P1, um mit Silver-Surfer Horst Seehofer zu feiern. Der gab sich auf seiner Facebook-Party als Feierbiest zum Anfassen. Von Malte Arnsperger, München

Gerhard will zur Facebook-Party. Gerhard ist 62, hat graue Haare, trägt ein blaues Hemd, ockerfarbene Leinenhose und Turnschuhe. Soeben hat Gerhard im Englischen Garten ein paar Bier getrunken und ist nun ganz spontan ein paar hundert Meter weiter zur Diskothek "P1" gewankt. Gerhard hat nämlich am Morgen in der Zeitung gelesen, dass dort der Horst Seehofer eine Facebook-Party schmeißt. Doch weil Gerhard nicht bei Facebook ist und deshalb auch nicht auf der Gästeliste steht, kommt er nicht rein. Nun fragt Gerhard jeden, der zum Eingang strebt: "Hast du vielleicht so eine Facebook-Karte für mich." Das man zu dieser Party nur mit einer virtuellen Eintrittskarte eingelassen wird, ist Gerhard noch nicht ganz klar.

Gerhard hat deshalb auch keine Chance mitzuerleben, wie der ebenfalls 62-jährige bayerische Ministerpräsident einen Schritt ins digitale Zeitalter vollziehen und das Motto des Abends einlösen will: "Horst Seehofer trifft seine Facebook-Fans".

"Gästeliste voll. Scheiß drauf, ich komm trotzdem!"

Das die angeblich erste Facebook-Party eines deutschen Spitzenpolitikers ein Wagnis werden würde, war schon seit Tagen klar. Für die Idee musste Seehofer im Vorfeld viel Häme einstecken. "Vollhorst 2.0" betreibe mit der Party "beim Wahlvolk anbiedern 2.0" gehören da noch zu den harmloseren Kommentaren im Netz. 2561 Zusagen hatte Seehofer, bis die Gästeliste dann vorsorglich geschlossen wurde, "da die räumlichen Kapazitäten des P1 erschöpft sind". Dies führte dazu, dass einige Facebook-Nutzer ziemlich unverhohlen mit Randalen drohten. "Die Gästeliste ist voll. Scheiß drauf, ich komm trotzdem!" hieß es da und "Die Gästeliste ist voll? Wofür brauch ich das bei 'nem Flashmob?" Dies wiederum veranlasste andere User, die Begleiterscheinungen der Party zu kritisieren: "Eeyyyyy Horst, wer bezahlt den scheiss Polizeieinsatz heut Abend??? Wir Steuerzahler mal wieder!!!! Danke Mr. HORST :-("

Bis sich der viel geschmähte Gastgeber jedoch an diesem mit Spannung erwarteten Abend auf seiner eigenen Party blicken lässt, bleibt den Gästen erst mal viel Zeit, sich durch die Leibesvisitation (ziemlich akribisch) und die Gästelistenkontrolle (nach Facebook-Namen) zu kämpfen und dann das Gastgeschenk (ein Freigetränk) einzulösen. Zu den Menschen, die zu diesem Zweck ihre virtuelle Anonymität aufgegebenen haben und sich nun mit den anderen "Seehofer-Fans" im realen Leben treffen, gehört Benjamin Ölke, 29 Jahre alt, Dreitagebart, Khaki-Shorts, Kopftuch, Mitglied in der Piratenpartei. "Ich bin hierhergekommen, um zu sehen, was die CSU so unter Netzpolitik versteht." Wenige Meter weiter steht Celine Dambacher, 23 Jahre alt, blondes langes Haar, lila Dirndl, Mitglied in der Jungen Union. "Ich finde Horst Seehofer einen sympathischen Menschen und finde es toll, dass er versucht CSU, Party und das Internet zu vereinen."

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