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26. April 2010, 06:36 Uhr

FDP schießt massiv gegen Schäuble

Dicke Luft in der Koalition: Vor den Beratungen zur Griechenland-Hilfe stellt die FDP offen die Fähigkeiten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) infrage.

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Unter Beschuss der FDP: Finanzminister Wolfgang Schäuble will nicht so wie die Liberalen wollen© Michael Gottschalk/DDP

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird zur verbalen Zielscheibe der FDP. Nach den ablehnenden Äußerungen Schäubles zu Steuersenkungen wird die Fähigkeit des CDU-Politikers als Haushaltssanierer vom Koalitionspartner offen in Frage gestellt. Offenbar zeige sich Schäuble bei den FDP-Steuerwünschen "so hartleibig, weil er bei den Wünschen und Begehrlichkeiten der Unions-Minister zu oft nachgeben muss", sagte FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke der "Frankfurter Rundschau".

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht Schäuble in der Pflicht und fordert von ihm Sparvorschläge zur Gegenfinanzierung von Steuersenkungen. "Der Finanzminister ist sozusagen in der Bringschuld, was Einsparungen betrifft", sagte Brüderle der "Rheinischen Post". Er mahnte den CDU-Minister zur Vertragstreue bei den verabredeten Steuersenkungen in Höhe von 16 Milliarden Euro. "Dabei bleibt es", machte Brüderle klar.

"Die Steuersenkungen kommen"

Er habe aber keinen Zweifel, "dass sich der Finanzminister koalitionsloyal und vertragstreu" verhalten werde, sagte der liberale Kabinettskollege. "Die verabredeten Steuersenkungen kommen." Ein Splitten der Reform lehnte Brüderle ab. "Steuervereinfachung und Entlastungen lassen sich nicht trennen. Wir müssen ein umfassendes Konzept entwickeln, das auch auf die finanziellen Bedürfnisse der Länder und Kommunen eingeht", sagte der FDP-Minister.

Neben der Steuerdebatte ruft auch das Agieren Schäubles in der Griechenland-Krise bei der FDP Kritik hervor. Finanzexperte Hermann Otto Solms sagte der "Passauer Neuen Presse": "Es war falsch, den Honigtopf von Anfang an in die Mitte des Tisch zu stellen. Das war das Signal an die Griechen, dass sie nur zugreifen müssen." Es wäre richtig gewesen, kein Hilfsangebot zu machen und Griechenland nur an den Internationalen Währungsfonds zu verweisen. "Hier hat Herr Schäuble einen Fehler gemacht", so Solms.

"Keine Automatismen für Hilfen in Europa"

Schäuble trifft sich heute mit den Fraktionsspitzen, um über die mögliche deutsche Hilfe von 8,4 Milliarden Euro für Griechenland zu beraten. SPD und Grüne fordern eine Beteiligung der Banken an den Rettungskosten - auch in der Union gibt es große Bedenken bei der möglichen Milliardenhilfe. Es wird befürchtet, das Athen auch über das Jahr 2010 hinaus weitere Notkredite braucht.

Zwar schließe die FDP Finanzhilfen nicht grundsätzlich aus, jedoch dürfe die Entscheidung "nicht überstürzt werden", sagte Solms. "Wir werden nicht jede Lösung akzeptieren." Das habe die FDP auf ihrem Parteitag deutlich gemacht. "Wir wollen keinen Automatismus für Hilfen innerhalb Europas, keinen Europäischen Währungsfonds."

Der FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte am Montag ebenfalls vor einer voreiligen Finanzspritze für die Griechen. Er stellte sich aber auch hinter die Einschätzung seines Kabinettskollegen Schäuble, wonach die Bundesregierung die Kredite für Griechenland auch ablehnen kann, wenn sie die strengen Bedingungen nicht erfüllt sieht. Zuerst müsse Griechenland seinen Haushalt konsolidieren, sagte der Minister. "Es kann nicht so sein, dass wie selbstverständlich der europäische Steuerzahler für das Fehlverhalten von einzelnen Ländern geradesteht", sagte er. Die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarten dagegen eine rasche Freigabe der Hilfen in Höhe von insgesamt 45 Milliarden Euro.

Griechen-Ausschluss aus Euro-Zone wird diskutiert

Unterdessen meldeten sich erste Unionspolitiker, die sich für einen Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone stark machen. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hält den Vorschlag für überlegenswert. "Ich glaube, dass das zumindest eine Alternative ist, die man nicht gleich vom Tisch streichen sollte." Dagegen lehnten Unions-Fraktionschef Volker Kauder und Hessens Regierungschef Roland Koch einen solchen Ausschluss Griechenlands ab.

Kauder machte die Finanzhilfe für Griechenland erneut von den Sparbemühungen des Landes abhängig. "Es muss zunächst einmal konkret geprüft werden, dass Griechenland auch die Sparbemühungen voranbringt", erklärte Kauder. Nichts werde auf dem Silbertablett präsentiert.

Im Vorfeld der Beratungen mit dem Finanzminister betonte Kauder, bei der Erarbeitung eines Gesetzes zur geplanten Finanzhilfe müsse sorgfältig vorgegangen werden. "Da müssen wir die Formalien sehr beachten, damit da kein Fehler passiert." Angedrohte Klagen verschiedener Antragsteller vor dem Bundesverfassungsgericht würden nicht auf die leichte Schulter genommen. "Das nehmen wir schon ernst, weil das Bundesverfassungsgericht sich den Lissabon-Vertrag noch einmal ganz genau anschauen wird."

DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
Administrator (26.04.2010, 12:34 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht.
Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
Wahrhyde (26.04.2010, 12:25 Uhr)
Selbstverständlich
... müssen die Griechen gerettet werden. Das sind auch nur Menschen wie Du und ich.

Deshalb müssen die Gläubiger 'dran glauben - wie das Wort es schon sagt.
kabelmann (26.04.2010, 11:58 Uhr)
@Kasperltheater
Ja, ich verstehe. Mit so einer Logik wäre es allerdings eher angebracht, wenn wir überhaupt keine Steuern mehr bezahlen und jeder macht, was er will.

Und dann schauen wir mal, wie weit wir kommen.

Ich nehm auch gerne Wetten an
ganzbaf (26.04.2010, 11:49 Uhr)
@endbenutzer

Die Banken sind sogar SO systemrelevant, dass es nur noch staatliche Banken geben darf ;-)
Kasperltheater (26.04.2010, 11:47 Uhr)
@kabelmann
da ich teil der Gemeinschaft bin, ist es im Endeffekt mein Geld. Ich könnte es auch ins Ausland schaffen oder mein Unternehmen verlagern...dann wärs auch mein geld...Sie verstehen was ich meine?
kabelmann (26.04.2010, 11:42 Uhr)
@Kasperltheater
Falsch. Steuern sind das Geld, dass sie für die Gemeinschaft erarbeitet haben. Ihnen gehört davon alleine überhaupt nichts.

jm2c
stasicom (26.04.2010, 11:39 Uhr)
Wer soll das bezahlen? Wer hat soviel Geld?
Wer hat soviel Pinke Pinke wer hat das bestellt?

8 MRD? 10 MRD?

Los Löhnen Deutschland, Frankreich,
sonst geht eure Rüstungsindustrie auf die Barrikaden. Dann ist aber was los!
sportartmakler (26.04.2010, 11:39 Uhr)
seltsame einstellung herr brüderle
der finanzminister soll eine bringschuld für die gegenfinanzierung der steuerentlastungspläne haben, dem herzenswunsch unserer fdp zum wohler aller...oder wenigstens einzelner...?
bei dieser seltsamen auffassung würde ich an schäubles stelle sofort die notwendigkeit eines entwicklungsministeriums hinterfragen, beim akt. kindergartenniveau unserer regierung durchaus denkbar. dass ein herr solms jetzt nachträglich die vorschnell zugesagte hilfe für griechenland kritisiert, ist ebenfalls kindergarten, weil daran nichts mehr zu ändern ist und man sich lieber der akt. lage stellen müßte statt den koalitionspartner zu kritisieren.
Prologo (26.04.2010, 11:22 Uhr)
Man kann sich nur noch wundern, über......

.....diese Gurkentruppe schwarz /gelb !!!

Für die Banken Milliarden, für den Afghanistan Milliarden, jetzt auch noch für Griechenland Milliarden,....

....aber für die eigenen Kinder haben wir nichts, gar nichts?

Halt, wir haben doch was, Schulden haben wir aufgebaut für unsere Kinder, Milliarden von Schulden für die Zukunft unserer Kinder?

Danke ihr Politiker mit den Super Renten, vielen Dank wie ihr die Zukunft unserer Kinder Mussbraucht für euren Schwachsinn.

MfG,
T.
endbenutzer (26.04.2010, 11:18 Uhr)
Wie einfach...
...doch alles ist: Banken sind systemrelevant und dürfen nicht pleite gehen. Griechenland ist natürlich auch systemrelevant (und zwar wg. der Stabilität des Euro) und muss deshalb gerettet werden. Dann werden also auch Italien, Irland und Portugal systemrelevant sein und uns bleibt nichts anderes übrig, auch hier wieder zu zahlen. Derweil werden die Löcher in unseren Straßen immer größer, die Reallöhne in Deutschland sinken weiter und den Kommunen fehlt immer mehr Geld. Sind die Herrschaften Politiker eigentlich erst zufrieden, wenn wir Normalbürger in Deutschland auf dem wirtschaftlichen Niveau von Albanien angekommen sind?

Langsam denke ich es wird Zeit, die EU zu verlassen.
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