Die FDP ist der Erzfeind der Grünen - und umgekehrt. Obwohl sie ähnliche Wählerschichten bedienen. stern.de lud die Jungstars Gesine Agena (Grüne Jugend) und Johannes Vogel (Junge Liberale) zum Gipfel.

Grün-gelber Gipfel: Gesine Agena und Johannes Vogel© Michael Trippel
Willkommen beim gelb-grünen Gipfel der jungen Generation. Verraten Sie uns zunächst etwas Privates. Welche Musik hören Sie?
Agena: Ich höre gern Rock, teilweise auch Indie. In letzter Zeit viel Tocotronic.
Vogel: Schwere Frage. Ich höre quer Beet. Von Björk bis Britpop.
Vogel: "13 Days" mag ich. Das ist ja ein politischer Stoff als Spielfilm aufbereitet.
Agena: Der letzte Film, den ich richtig gut fand, war Bernd Eichingers RAF-Film.
Agena: Am liebsten Pasta, außerdem viel Gemüse, Salat. Alles ökologisch, natürlich.
Vogel: Ich koche auch gern Pasta.
Vogel [blickt auf Agena]: Warum nicht? Über den Videoabend pro Woche könnten wir uns schon verständigen.
Agena [lacht]
Vogel: Chatzimarkakis' Analyse hat großen Charme. Aber meine Schlussfolgerung wäre eine andere. Uns sind die grünen Wähler herzlich willkommen, gerade bei einer sich breiter aufstellenden FDP, die auch ihre ökologische und soziale Seite betont.
Agena: Wenn man sich die äußeren Fakten wie Einkommen und Bildungsgrad anguckt, dann sind unsere Wählerschichten schon sehr ähnlich. Aber es gibt einen großen Unterschied. Unsere Wähler wollen Solidarität. Bei der FDP geht es eher in Richtung Leistung und Eigenverantwortung.
Vogel: Also, mir ist das nicht peinlich.
Agena: Mir ist es auch nicht peinlich, dass er bei der Grünen Jugend angefangen hat. Es ist für ihn traurig, dass er gewechselt hat.
Vogel: Ich habe eben dazugelernt.
Vogel: Das spielte schon eine Rolle. Je tiefer ich vorstieß, desto bewusster wurde mir, dass etwas mit dem Menschenbild der Grünen nicht stimmt.
Vogel: Mir gefiel, dass die Grünen Toleranz predigten. Aber das waren eben nur Predigten. Damals begann die New-Economy-Welle, auch Leute aus meiner Schule schwammen mit. Plötzlich trugen sie Anzüge und gründeten Firmen. Das war nicht mein Lebensentwurf, das war mir suspekt. Aber noch suspekter war mir, wie die Grünen darüber ablästerten. Mir schien der Freiheitsbegriff da nicht sonderlich konsistent.
Agena: Ich habe mich nie aktiv gegen die FDP entschieden. Aber für mich war immer klar, dass ich nur politisch aktiv sein kann in einer Bewegung oder Partei, die ein konsistentes Weltbild hat.
Vogel: Frechheit! Unser Weltbild ist Freiheit und Fairness.
Agena: Für mich ist die ökologische und soziale Gerechtigkeit wichtig. Das sehe ich bei der FDP nicht. In Deutschland besitzen zehn Prozent der Gesellschaft 60 Prozent des Vermögens. Und nach den Steuersenkungen wird die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandergehen.
Gesine Agena, 22, und Johannes Vogel, 27 ... trafen sich auf Einladung von stern.de zum ersten Mal persönlich - und duzten sich sofort. Agena, aufgewachsen auf einem Bio-Bauernhof, ist Sprecherin der Jungen Grünen, Vogel, der schon im Bundestag sitzt, ist Chef der Jungen Liberalen. Die beiden Parteien leben in einem Paradox: Sie bedienen ähnliche, vorwiegend bürgerliche Wählerschichten, hegen aber eine tiefe Abneigung gegeneinander. Ein im stern publiziertes Thesenpapier des FDP-Vorstands Jorgo Chatzimarkakis, Grüne und FDP sollten fusionieren, wurde von den jeweiligen Parteispitzen rundweg abgelehnt. Und wie sieht es mit der jüngeren Generation aus? Agena und Vogel geben Antworten.