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5. Februar 2010, 14:23 Uhr

Pasta ja, kuscheln nein - der gelb-grüne Gipfel

Die FDP ist der Erzfeind der Grünen - und umgekehrt. Obwohl sie ähnliche Wählerschichten bedienen. stern.de lud die Jungstars Gesine Agena (Grüne Jugend) und Johannes Vogel (Junge Liberale) zum Gipfel.

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Grün-gelber Gipfel: Gesine Agena und Johannes Vogel© Michael Trippel

Willkommen beim gelb-grünen Gipfel der jungen Generation. Verraten Sie uns zunächst etwas Privates. Welche Musik hören Sie?
Agena: Ich höre gern Rock, teilweise auch Indie. In letzter Zeit viel Tocotronic.
Vogel: Schwere Frage. Ich höre quer Beet. Von Björk bis Britpop.

Gibt's einen Lieblingsfilm?

Vogel: "13 Days" mag ich. Das ist ja ein politischer Stoff als Spielfilm aufbereitet.
Agena: Der letzte Film, den ich richtig gut fand, war Bernd Eichingers RAF-Film.

Und abends essen Sie gerne ...?

Agena: Am liebsten Pasta, außerdem viel Gemüse, Salat. Alles ökologisch, natürlich.
Vogel: Ich koche auch gern Pasta.

Klingt, als würden die Gemeinsamkeiten für eine WG reichen. Die Pasta-Connection sozusagen.

Vogel [blickt auf Agena]: Warum nicht? Über den Videoabend pro Woche könnten wir uns schon verständigen.
Agena [lacht]

Der grüne Parteivorsitzende Cem Özdemir hat mal in einer WG mit dem FDP-Europa-Abgeordneten Jorgo Chatzimarkakis gelebt. Und Chatzimarkakis hat im stern vorgeschlagen, Grüne und Liberale zu fusionieren. Sie hätten ohnehin dasselbe Lebensgefühl und dieselben Wählerschichten. Einverstanden?

Vogel: Chatzimarkakis' Analyse hat großen Charme. Aber meine Schlussfolgerung wäre eine andere. Uns sind die grünen Wähler herzlich willkommen, gerade bei einer sich breiter aufstellenden FDP, die auch ihre ökologische und soziale Seite betont.
Agena: Wenn man sich die äußeren Fakten wie Einkommen und Bildungsgrad anguckt, dann sind unsere Wählerschichten schon sehr ähnlich. Aber es gibt einen großen Unterschied. Unsere Wähler wollen Solidarität. Bei der FDP geht es eher in Richtung Leistung und Eigenverantwortung.

Herr Vogel, Sie haben Ihre politische Karriere zunächst bei der Grünen Jugend gestartet - und wechselten dann zu den jungen Liberalen. Für wen ist das jetzt eigentlich peinlich?

Vogel: Also, mir ist das nicht peinlich.
Agena: Mir ist es auch nicht peinlich, dass er bei der Grünen Jugend angefangen hat. Es ist für ihn traurig, dass er gewechselt hat.
Vogel: Ich habe eben dazugelernt.

Es gibt die Theorie, dass sich Jugendliche nicht so sehr an Inhalten, sondern an kulturellen Befindlichkeiten orientieren. Fanden Sie Stricknadeln und Atomkraft-Nein-Danke-Sticker einfach bescheuert, Herr Vogel?

Vogel: Das spielte schon eine Rolle. Je tiefer ich vorstieß, desto bewusster wurde mir, dass etwas mit dem Menschenbild der Grünen nicht stimmt.

Mit dem Menschenbild?

Vogel: Mir gefiel, dass die Grünen Toleranz predigten. Aber das waren eben nur Predigten. Damals begann die New-Economy-Welle, auch Leute aus meiner Schule schwammen mit. Plötzlich trugen sie Anzüge und gründeten Firmen. Das war nicht mein Lebensentwurf, das war mir suspekt. Aber noch suspekter war mir, wie die Grünen darüber ablästerten. Mir schien der Freiheitsbegriff da nicht sonderlich konsistent.

Frau Agena, geben Sie es zu: Haben Sie mal mit den jungen Liberalen geliebäugelt?

Agena: Ich habe mich nie aktiv gegen die FDP entschieden. Aber für mich war immer klar, dass ich nur politisch aktiv sein kann in einer Bewegung oder Partei, die ein konsistentes Weltbild hat.

Das hat die FDP doch: Steuern senken, Steuern senken, Steuern senken.

Vogel: Frechheit! Unser Weltbild ist Freiheit und Fairness.
Agena: Für mich ist die ökologische und soziale Gerechtigkeit wichtig. Das sehe ich bei der FDP nicht. In Deutschland besitzen zehn Prozent der Gesellschaft 60 Prozent des Vermögens. Und nach den Steuersenkungen wird die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandergehen.

Gesine Agena, 22, und Johannes Vogel, 27

Gesine Agena, 22, und Johannes Vogel, 27 ... trafen sich auf Einladung von stern.de zum ersten Mal persönlich - und duzten sich sofort. Agena, aufgewachsen auf einem Bio-Bauernhof, ist Sprecherin der Jungen Grünen, Vogel, der schon im Bundestag sitzt, ist Chef der Jungen Liberalen. Die beiden Parteien leben in einem Paradox: Sie bedienen ähnliche, vorwiegend bürgerliche Wählerschichten, hegen aber eine tiefe Abneigung gegeneinander. Ein im stern publiziertes Thesenpapier des FDP-Vorstands Jorgo Chatzimarkakis, Grüne und FDP sollten fusionieren, wurde von den jeweiligen Parteispitzen rundweg abgelehnt. Und wie sieht es mit der jüngeren Generation aus? Agena und Vogel geben Antworten.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
Johann58 (05.02.2010, 16:23 Uhr)
Also stellen wir fest
die Gruenen moegen Pasta mit Pesto und die Liberalen Spaghetti Carbonara. Damit ist dann der Hauptunterschied definiert. Ich bin grad am Ueberlegen, gibt es die Josus eigentlich noch? Da muesste eigentlich ein Aufschrei erfolgen wenn sich die Softies von gelb/gruen mit weichgekochter Eierteigware bewerfen und die Dachatten auspacken. Jetzt koennen ja mal ein paar tannebaeume aus Tempelhof sich aufregen aber die so gerne beschimpften Alt 68er, die ja leider den Weg durch die instanzen genommen haben, waren auf der Strasse und haben demonstriert und randaliert waerend die Jugend heute offensichtlich lieber vor der Glotze sitzt und Idioten TV alla Bohlen guckt.
auwei (05.02.2010, 15:33 Uhr)
Nettes Interview
...aber nicht sehr aufschlussreich. Ein Juli, der das, was seine Partei aktuell verzapft, Sch..ße findet, und eine Grüne, die überzeugte Grüne ist. Das eine ist immerhin aufschlussreich, das andere wenig aufregend. Schnittmengen jenseits von Pasta? Keine. Perspektiven? Keine. Kontroversen? In dem Rahmen kaum möglich. So what? Solidarität vs. Egoismus - dass das der Unterschied beider "Jugend"-Parteien der Bessergebildeten ist, wusste ich vorher schon. Jetzt hab ich's schriftlich.
ganzbaf (05.02.2010, 15:24 Uhr)
Ähnliche Wählerschichten...?

Aber nur, weil die Wichtiggrünen in den 90er Jahren ihre "Fundis" ausgegrenzt und weggemobbt haben.
Damit Fischer und Co. freie Bahn hatten.

Davor waren die Grünen eigentlich fast linker, als die Linkspartei heute ;-)
alice_42 (05.02.2010, 15:20 Uhr)
@Johann58
Daran krankt die FDP, daran krankt die Politik insgesamt, daran krankt der Journalismus, daran krankt das ganze Land:
Nur Karrieristen ohne eigene Überzeugungen, so weit das Auge reicht.
alice_42 (05.02.2010, 15:15 Uhr)
Wie naiv ...
... ist dieser Herr Vogel eigentlich genau? Was glaubt er, weshalb sein Antrag gegen die "Hotelierssteuer" nicht durchgekommen ist?

Die FDP versucht, von der eigenen Käuflichkeit abzulenken, indem sie jetzt Spenden deutscher Autokonzerne an die SPD mit der Abwrackprämie in Zusammenhang bringt. Damals hat die FDP (zu Recht) kritisiert, dass deutsche Autobauer nicht von der Abwrackprämie profitieren, jetzt soll die Abwrackprämie auf einmal mit Spenden deutscher Autokonzerne erkauft worden sein. Lächerlich.

Da macht sich die FDP wohl mal wieder die Welt, wie sie ihr gefällt.
Johann58 (05.02.2010, 15:12 Uhr)
das Interview ist ein Witz!
Was interessiert es ob ein junger Liberaler angeblich gegen Swift oder Mwst Senkung fuer Hotels ist, wenn die Partei so wie so macht was sie will und bei den Gruenen die der Schwenk zu schwarz immer deutlicher wird. Kontroverse Themen waren keine dabei. Deutschland befindet sich im Krieg, auch wenn der in Afghanistan ist, es ist Krieg und dazu keine Stellung! Frueher waren junge Politiker mal radikal heute sind sie weichgespuelt und was dabei rauskommt sieht man zur Zeit in Berlin. Waschlappen und Laumaenner, Aussitzer und Schweiger aber in erster Linie Handaufhalter fuer grosszuegigen Spenden.
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