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29. Juli 2007, 15:46 Uhr

Der Soli soll weg

Fragt man die Bürger, dann fällt das Urteil eindeutig aus: Fast 70 Prozent aller Deutschen wollen den Solidaritätszuschlag abschaffen, wie eine Umfrage ergeben hat. Auch in der Politik mehren sich die Stimmen, die die Aufbauhilfe mittlerweile als überholt betrachten.

Restaurierte Maedler Passage in Leipzig: Auch fast die Hälfte der Ostdeutschen will den Solizuschlag abschaffen© Picture Alliance

Zwei Drittel der Bundesbürger haben sich für eine Abschaffung des Solidaritätszuschlages ausgesprochen. In einer Forsa-Umfrage für "Bild am Sonntag" plädierten 72 Prozent der West- und 47 Prozent der Ostdeutschen für ein Ende der Sonderabgabe, mit der die Kosten der Wiedervereinigung finanziert werden sollen. Insgesamt sind der Umfrage zufolge 67 Prozent für die Abschaffung des Solis.

Von den Arbeitern sprechen sich 89 Prozent, von Angestellten und Selbstständigen jeweils 74 Prozent und von Beamten 46 Prozent für einen Wegfall der Sonderabgabe aus. Auch BDI-Chef Jürgen Thumann fordert ein Ende des nach der Wende eingeführten Solidaritätszuschlages. "Nicht der Aufbau Ost gehört abgeschafft, wohl aber der Soli, weil er zu einem großen Teil für das Stopfen von Haushaltslöchern verwendet wird", sagte Thumann der "Bild"-Zeitung.

"Eine Absenkung des Solis wäre jetzt angebracht"

Ähnlich äußerte sich der CSU-Finanzexperte Hans Michelbach: "Eine Absenkung des Solis wäre jetzt angebracht. Das käme auch der Kaufkraft zugute." Der Bundesvorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, plädierte in dem Blatt für ein Abschmelzen des Solidaritätszuschlages. "Der Soli hat nicht den Zweck, den Bundeshaushalt zu sanieren", sagte er.

Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wendt nannte die Diskussion dagegen leichtfertig. Auch das Bundesfinanzministerium hatte entsprechende Forderungen zurückgewiesen. Unionsfraktionschef Volker Kauder kündigte in der "Bild"-Zeitung eine Prüfung des Solidaritätszuschlages an. "Je nach Ergebnis der Prüfung muss es gegebenenfalls eine Korrektur geben", sagte er. Gleichzeitig betonte Kauder aber auch: "Der Aufbau Ost muss weitergehen."

Steuerzahlerpräsident Karl Heinz Däke hält den Solidaritätszuschlag gar für verfassungswidrig. Er verwies im Kölner "Express" darauf, dass der Soli nur befristet erhoben werden dürfe. "Nach 17 Jahren, das sind mehr als ein Drittel eines normalen Arbeitslebens, kann von Befristung nicht mehr die Rede sein", sagte er dem Blatt. "Vielmehr hat sich der Soli zu einer eigenen Steuer neben Einkommen- und Körperschaftsteuer entwickelt", sagte er. "Das ist nach Auffassung des Bundes der Steuerzahler verfassungswidrig. Der Soli muss deshalb schnellstmöglich abgeschafft werden." Gleichzeitig kritisierte er, dass der Bund aus dem Soli mehr einnehme, als er für den Aufbau Ost brauche. Der Bund der Steuerzahler hatte zuvor aus dem Solidaritätszuschlag Mehreinnahmen des Bundes errechnet, die bis 2019 angeblich um rund 30 Milliarden Euro über den Ausgaben liegen.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
hevosenkuva (01.08.2007, 11:06 Uhr)
der Moloch frisst und frisst...
Steuern erhöhen? ja! ja! Steuern senken? neineineineinein! geht leider nicht! schuld ist die letzte, vorletzte, überletzte Regierung! die haben alles falsch gemacht! wir machen alles richtig!
der Moloch Bundesrepublik und sein gefräßiger großer Kumpan EU verschlingen unvorstellbare Summen. nur für soziale Projekte, für Integration, für Kinder und Jugendliche, für Ausbildung ist nicht genug Geld da. dort wird sogar gestrichen.
warum prangert der Bund der Steuerzahler jedes Jahr unglaubliche Verschwendungen an? warum brauchen die hochherrschaftlichen Ämter für einfachste Entscheidungen Monate? warum werden Angestellte, die schnellere Entscheidungen treffen, gemobbt? warum sind unsere Staatsdiener vom kleinen Beamten bis zum höchsten Würdenträger keine Diener, sondern gehen nach Gutsherrenart vor?
wo fließt das ganze Geld eigentlich hin, das wir Monat für Monat, Jahr für Jahr diesem Staat erwirtschaften? wer kann eine übersichtliche Aufschlüsselung liefern? wäre das nicht eine schöne Aufgabe für den Stern?
sachsenwini (30.07.2007, 17:49 Uhr)

Wer in Deutschland ein steuerpflichtiges Einkommen hat,
der bezahlt auch den Solidaritätszuschlag, ganz gleich ob in Ost oder West. Das wäre auch hinnehmbar, wenn das Geld wirklich dort eingesetzt würde, wo es dringend gebraucht wird, die Infrastruktur verbessert und Arbeitsplätze geschaffen werden.
Es wäre auch noch hinnehmbar, wenn nicht gleichzeitig unzählige andere zusätzliche Steuern erfunden würden, die auch wiederum zweckentfremdet werden und wenn sie einmal da sind, nicht mehr abzuschaffen sind. (Biosteuer, erhöhte Mehrwertsteuer, Tabaksteuer usw. )
Steuern die ungerecht sind, da sie jeden Verbraucher unabhängig von seinem Einkommen belasten, und mit jeder Preiserhöhung praktisch stillschweigend mit erhöht werden.
Inselgraf (30.07.2007, 13:34 Uhr)
Unis Bohmen
In Dresden und anderen Ostdeutschen Gebieten geben jetzt die Unis für jeden Studianfänger, der sich dort wohnlich anmeldet 100 Euro, wobei verschwiegen wird, das dies durch den Solibeitrag finanziert wird.Es wohnen immer weniger Menschen im Osten, weil sie entweder im Ausland arbeiten oder in den Westen gezogen sind. So werden diese Gelder zweckentfremdet eingesetzt, wie Straßen und Wege bis zu jedem einzelnen Haus geschaffen ohne Beteiligung der Hausbesitzer, wie das im Westen ist.Die sagen einfach, das hat doch der Staat gemacht ohne uns zu fragen und zahlen keinen Cent.Das ist nicht der Sinn des Solibeitrags und damit muß jetzt auch Schluß sein, denn da werden unmögliche Bauprojekte durchgezogen, wie die Brücke nach Dänemark, die wir garnicht brauchen, es fahren genug Fähren, aber Tiefensee kann sich schön bedienen und besonders für den Osten.Es gibt bereits schon genug Orte und Firmen, die jetzt dort boomen und die sollen doch das Geld erwirtschaften, was noch ev. im Osten gebraucht wird, denn im Westen sieht es bald noch schlimmer aus, kaputte Straßen, leerstehende Wohnungen, renovierungsbedürftige Schulen usw. und da fehlt angeblich das Geld.
sportartmakler (30.07.2007, 11:41 Uhr)
@nostradamus
die aussagen zum gesundsheitssystem und zur altersvorsorge sind so nicht ganz korrekt, unabhängig ob das ergebnisse einer offiziellen studie sind. "im europäischen vergleich....mit vergleichbaren standards" - das ist genau der punkt, die systeme sind nicht vergleichbar. zum einen da die strukturen der sozialversicherungssysteme gänzlich verschieden sind, zum anderen der knackpunkt: der demografische wandel ist in dtl schon jetzt am stärksten ausgeprägt (tendenz steigend). außerdem hat dtl seit jahren mit die niedrigste geburtenrate weltweit, was sich natürlich noch stärker auf unsere demografie auswirkt. darüber hinaus haben wir in diesen beiden bereichen die meisten leistungsarten enthalten die ein staat seinen bürgern ermöglicht. ergo, wer krank oder alt wird, hat in dtl die besten absicherungsaussichten. kein luxusleben, keine frage, dennoch die beste alternative wenn man sich auf einen staat verlassen muß.
zum Thema: solidarzuschlag muß bleiben. alle eventuellen überschüsse daraus und aus dem solidarpakt 2 zum schuldenabbau verwenden, vielleicht schaffen wir es ja dann uns endlich an die tilgung der staatskredite zu versuchen ;-)
gmathol (30.07.2007, 10:22 Uhr)
Nur nichts vormachen lassen.
Wird der Soli tatsaechlich entfallen dann werden andere Steuern erhoben. Zur Zeit bedient sich der Bund schamlos aus den Sondereinahmen aus der Arbeitslosenversicherung. Zugleich steht eine Erhoehung der Pflegeversicherung auf 7% in Aussicht.
Im Prinzip wird hier die Methode: linke Tasche/rechte Tasche angewandt. Dabei geht die Konjunktur doch schon laengst baden und schon bald wird wieder alles beim alten sein: hohe Arbeitslosigkeit kombiniert mit noch hoeheren Steuern und Abgaben und obendrauf noch die Kriegslasten fuer Afghanistan.
So raecht sich wenigstens die Teilnahme am Voelkermord.
manndernichtdaist (30.07.2007, 07:48 Uhr)
Wenn wir mal alle...
... Entschädigungen für den 2.WK und alle Entwicklungshilfegelder an andere Länder aussetzen würden und jeder deutsche Bundesbürger von diesen Milliarden profitieren würde, indem Soli und noch etliche andere Dinge gesenkt werden würden (Benzinsteuer z.B.) dann wäre ich glücklich. Darum gehts nämlich. Der Haushalt wird durch Dinge wie den Soli gestopft, während wir andererseits China die Millionen reinpfeffern. Und das ohne ersichtlichen Grund - ein Witz.
Verbloedungspolizei (29.07.2007, 23:47 Uhr)
Stern wieder mal auf Bildniveau
Blöd macht eine Umfrage, und was wird wohl dabei herauskommen? Genau. Was Blöd will. Zuvor hat man der Leserschaft nämlich einen Artikel serviert in dem Solidaritätszuschlag und Solidarpakt II in einen Topf geschmissen wurden und dem Leser, wie es bei Bild eben oft üblich ist, verschwiegen, daß das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Der BdSt-Präsident hat natürlich auch kein Interesse daran, den richtigen Eindruck zu vermitteln. Kein Wunder also, wenn bei der Umfrage von Bild ein Ergebnis herauskommt, das in die gleiche Kerbe haut, wie der die Wahrheit verschweigende Artikel. Und mich wundert auch schon gar nicht mehr, daß auch wieder mal der Stern ins gleiche Horn trötet und Meldungen von Bild unkritisch und nicht hinterfragend übernimmt. Gut gemacht Stern. Nicht zum ersten Mal. Noch immer also nichts gelernt.
Zur Aufklärung: "Der Solidaritätszuschlag wird zusammen mit der Einkommensteuer erhoben und dient allgemein der Verbesserung der Steuereinnahmen des Bundes. (…) Es besteht somit weder eine explizite Zweckbindung, noch sind alle Mittel aus dem Solidaritätszuschlag zwingend für Aufgaben in den neuen Bundesländern bestimmt. Insofern ist auch eine (...) Gegenüberstellung von Solidaritätszuschlag und Verwendung der Mittel aus dem Solidarpakt II nicht möglich."
Quelle: Bundestag
http://www.bundestag.de/ausschuesse/a02/uebersicht_abgeschlossen/solidaritaetszuschlag1.pdf
Rosenengel (29.07.2007, 23:03 Uhr)
An Kalox und ähnliche Ausländer:
Auch ich bin für die Abschaffung des "Soli", hätte schon vor 10 Jahren passieren sollen. Aber die Unterstützung unserer Landsleute in Mittel- und Ostdeutschland ist nicht das Allein Geldverschlingende Loch. Es werden in Deutschland auch hunderttausende Ausländer durch Sozialahilfe alimentiert. Und da ordne ich Ihren Beitrag ein: Futterneid!
Deutschland ist als Gesamtdeutschland in den damaligen Krieg eingetreten und Gesamtdeutschland hat diesen Krieg verloren. Nicht nur die Mittel- und Ostdeutschen, die dann noch dazu das Pech hatten unter sowjetischer und kommunistischer Diktatur doppelt ausgebeutet zu werden. Und Aufbauhilfe leisten für unsere deutschen Mitbürger ist immer noch sinnvoller als wie die riesigen deutschen Milliarden - Summen (wogegen der "Soli" nur ein Klacks ist) für China, afrikanische Despoten, Polen (das dafür noch gegen Deutschland hetzt) und dutzende dubiose internationale Vereinigungen. Bis hin zu Millionenschweren Waffengeschenken für Israel und Kriegsunterstützung/Mitfinanzierung der amerikanischen Kreuzzüge (O - Ton G. Bush).
Und wer weiß, ob wirklich alle Soli - Gelder auch wirklich in Mittel- und Ostdeutschland ankommen!
Kalox (29.07.2007, 22:37 Uhr)
@Blaubeersammler
@Blaubeersammler, gruss an den Osten!
Ansonsten, weg mit dem Soli, was kümmert mich es, ob's da drüben besser geht. Warum soll ich als ausländer solidarität mit leuten zeigen, die oben auf der braunen soße mitschwimmen? Das Wort Solidaritätszuschlag ist im wahrsten sinne ein SCHLAG ins Gesicht für Leute, denen der Osten am Arsch vorbeigeht.
Justizius (29.07.2007, 21:51 Uhr)
Verfassungswidrig
Die Beibehaltung des Solis verstößt gegen die Verfassung, da der Soli schon per Definition eine zeitlich begrenzte Steuer ist. Dies sollte auch Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, wissen. Jüngst hatte der gelernte Jurist sich für eine mögliche Absenkung, aber gegen eine Abschaffung des Solis ausgesprochen. Während also das Soli-Geld weiter im Osten versickert, muss der Westen aus Geldmangel immer mehr strukturelle Defizite hinnehmen. Es wird Zeit, dass endlich Bilanz gezogen und der Erlass des Solidaritätszuschlages wieder aufgehoben wird. Schliesslich konnte der Soli weder massig Arbeitsplätze schaffen, noch konnte er es verhindern, dass etliche Ost-Bürger in den Westen ausgewandert sind. Der Soli ist somit zum Synonym für eine gescheiterte Wirtschaftspolitik der beiden großen Volksparteien geworden. Während ein Großteil des deutschen Volkes für die Abschaffung des Solis plädiert, hält eine Gruppe von konservativen Betonköpfen in den Regierungsparteien am Soli fest. Sie meinen der Soli sei immer noch notwendig, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Dabei merken sie nicht, dass der Karren und deren Glaubwürdigkeit schon im Schlamm versunken sind. Was wir brauchen ist ein neuer Karren, ein Dutzend neuer Köpfe und einen neuen Plan.
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