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8. August 2008, 15:54 Uhr
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Die vergrabene Bombe

Die ungelöste Integration von Zuwanderern ist das gefährlichste soziale Problem in Deutschland. Nach der Wahl 2009 ist es Zeit, in Berlin ein eigenständiges Ministerium dafür zu schaffen. Von Hans-Ulrich Jörges

Zahlen beschreiben die Dramatik treffender als jedes Wort. Also sollen zunächst Zahlen sprechen, wobei wir Menschen mit "Migrationshintergrund" - das sind seit 1950 Zugewanderte und deren Nachkommen, viele davon inzwischen mit deutscher Staatsangehörigkeit - der Einfachheit halber nur Migranten nennen.

Migranten in Deutschland: 15,3 Millionen; Anteil der Migrantenfamilien: 27 Prozent; Migrantenquote bei Kindern bis zwei Jahre: 34 Prozent; Migranten ohne Berufsabschluss: 44 Prozent; Migranten im Alter zwischen 22 und 24 Jahren ohne Berufsabschluss: 54 Prozent; türkische Migranten ohne Berufsabschluss: 72 Prozent; erwerbslose Migranten: 29 Prozent; einkommensschwache Migranten: 43,9 Prozent; Migranten in Armut: 28,2 Prozent; Migrantenkinder in Armut: 36,2 Prozent; türkische Migrantenkinder mit Misshandlungen und schweren Züchtigungen in den Familien: 44,5 Prozent; Berliner Migrantenkinder mit Förderbedarf in deutscher Sprache: 54,4 Prozent; Migrantenquote an der Eberhard-Klein- Schule, Berlin-Kreuzberg: 100 Prozent; Migrantenanteil bei Jugendlichen mit über zehn Straftaten in Berlin: 79 Prozent.

Zahlen werden werden beschwiegen und weggeschlossen

Diese Daten sind nicht geheim. Aber sie sind auch nicht leicht zugänglich. Viele finden sich - hartes Brot der Statistik - im Jahresbericht von Maria Böhmer, der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. Extrem schwierig ist es, an Daten über Ausländerkriminalität zu kommen. Es gilt noch immer als politisch inkorrekt und gefährlich, solche Zahlen an die Öffentlichkeit zu geben. Sie werden beschwiegen und weggeschlossen, die übrigen Daten still in Reserve gehalten.

Der wöchentliche Zwischenruf aus Berlin von Hans-Ulrich Jörges

Würden sie offen und öffentlich diskutiert, wäre die Erkenntnis unabweisbar: Die ungelöste Integration von Zuwanderern ist das soziale Problem in Deutschland. Vom Kindergarten über die Schule und die Berufsbildung bis zum Arbeitsmarkt - und Gefängnis. Es ist einiges geschehen - aber längst nicht genug. Maria Böhmer sitzt, mit kleinem Stab, als "Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration" im Range einer Staatsministerin im Kanzleramt, auf Angela Merkels Büro-Ebene, Blick auf den Reichstag. Zweimal, im Juli 2006 und im Juli 2007, hat die Kanzlerin inzwischen zu Integrationsgipfeln eingeladen. Beim zweiten Mal wurde ein "Nationaler Integrationsplan" mit mehr als 400 konkreten Maßnahmen vorgestellt. Parallel dazu lud Innenminister Wolfgang Schäuble zur Islam-Konferenz.

Gewaltige Schritte in die Wirklichkeit

Für die Union waren das gewaltige Schritte in die Wirklichkeit: Sie verabschiedete sich von nationalkonservativen Illusionen, akzeptierte, dass Deutschland Zuwanderungsland ist - und wegen schrumpfender Bevölkerung auch sein soll. Der CDU-Reformer Armin Laschet wurde in Nordrhein- Westfalen erster deutscher Integrationsminister - jedenfalls trägt er diese Aufgabe im Titel, neben "Gedöns" (Generationen, Familie und Frauen), wie Gerhard Schröder solches zu nennen pflegte. Gleichzeitig trennten sich Sozialdemokraten und Grüne von alter Multikulti-Ignoranz.

Probleme kulminieren - Berlin-Mitte hat einen Migrantenanteil von 44,5 Prozent -, duckt sich der Senat noch gern weg. Die Problembezirke fühlen sich allein gelassen von der um Glanz bemühten Party-Elite. Wird Klaus Wowereit nach Kompetenzen für seine bundespolitischen Ambitionen gefragt, nennt er gern Gesundheit und Pflege. Was aber, wenn nicht Integration, müsste Ziel seines Ehrgeizes sein, könnte Berlin zum Modell machen für das ganze Land?

Wowereits "Wirklichkeitsverweigerung"

Es ist Zeit für einen entschlossenen Schritt: die Schaffung eines eigenständigen Integrationsministeriums nach der Wahl 2009 - ohne "Gedöns". Siegte Merkel, hätte sie in Helmut Kohl ein Vorbild: Der berief 1986 Walter Wallmann zum ersten Umweltminister und Rita Süssmuth zur ersten Frauenministerin. In der EU, in Frankreich etwa, führen schon fünf Minister Integration im Titel. Würde Maria Böhmer zur Integrationsministerin, könnte sie nicht nur ein weiteres Kompetenzfeld für die CDU besetzen, wie schon Ursula von der Leyen die Familienpolitik.

Sie könnte auch aufhorchen lassen, indem sie zwei höchst erfahrene Staatssekretäre beriefe: Heinz Buschkowsky, den beeindruckend agilen SPD-Bezirksbürgermeister von Neukölln, der Wowereit "Wirklichkeitsverweigerung" vorwirft, neben Seyran Ates, der türkischstämmigen Frauenrechtlerin. Schon bald aber sollten, viermal im Jahr, griffige Daten veröffentlicht werden, um die soziale Entwicklung der Migranten zu messen.

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Ausgabe 32/2008

Von Hans-Ulrich Jörges
KOMMENTARE (10 von 14)
 
huddelduddel (11.08.2008, 12:27 Uhr)
@kb26919
vor über 30 Jahren als unsere gutmenschen anfingen die halbe welt in massen ein zu laden und her zu karren machte ich den vorschlag, daß jeder welcher "gäste" einläd (auch unsere Großindustrie) auch für sie auf zu kommen hat. aber:
meine unmittelbaren nachbarn, unsere erzfreunde die franzosen wie auch andere haben diese migrantenprobleme also nicht nur wir.
das größte problem dürften doch die getthobildung in den Großstädten sein. dem müßte man entgegen wirken.
kb26919 (10.08.2008, 19:45 Uhr)
Politische Bombe unintegrierte Zuwanderer
Wenn diese Zahlen sieht und den roten Faden weiterspinnt der sich durch diese fatale Tatsachen zieht dann wundert man sich ob man die Politiker,die fuer diese Zustaende verantwortlich sind nachtraeglich verklagen kann wegen Schaedigung und Gefaehrdung der inneren Sicherheit des Landes.Denn sie haben nicht gehandelt als ob sie Gefahr vom Volk abwenden wollten sonder eher der Gefahr ausgesetzt.
ecomoc4u (10.08.2008, 16:30 Uhr)
warum immer extreme...
multikulti auf der einen seite, deutsche tugenden auf der anderen.
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bewusste volksverblödung auf allen seiten. ...habe ich wirklich nur die wahl zwischen mtv und der hitlerjugend... wie armseelig.
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PEFRA (09.08.2008, 11:46 Uhr)
Jaja
die werden aber vor Verblödung nicht weit kommen.
Der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit von Stamm wie man sieht...
Also ruhig Blut.
ganzbaf (09.08.2008, 10:33 Uhr)
Diese Bombe...

ist allerdings ein "Bömbchen" gegen den verdrängten und überall totgeschwiegenen Negativeffekt, den die vielen "Millionäre und Aktionäre" für unser Land darstellen...! ;-Pp
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Der Großteil von denen besteht nälich aus kriminellen Steuerhinterziehern, Politikbestechern und sonstigen müßiggängerischen Faulpelzen, die noch staatliche Sozialhilfen (Subventionen) kassieren und sich auf ihren hohen leistungslosen Einkommen ausruhen...)-:
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DAS wirkt erst mal zersetzend auf die bundesrepublikanische Bevölkerung, die im Gegengzug immer weiter verarmt.
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Deutschland ist das Flächenland mit der höchsten Millionärsdichte weltweit. (!)
DAS MUß anders werden!
Die vielen Überbegüterten müssen vom Staat sehr viel härter angefasst werden - zwecks Re-Umverteilung!
Kroko (08.08.2008, 23:46 Uhr)
@BerndHH -- Ein Loch ist im Eimer
Jörges kommentiert.
Es wird hier nicht einmal vorgegaukelt, es handele sich um eine sachliche Abhandlung.
Kommentare mögen gut, oder schlecht sein; niemals jedoch sachlich!
Auch Ihre Äußerung ist subjektiv--es sei denn, Sie bestünden darauf, ein Eimer zu sein---dann gäbe ich Ihnen vieleicht recht...
Ich finde in Jörges´Kommentar mehr Denkanstösße, als in Ihren "Hinweisen" zur "Grenze des Strafgesetzes".
Stehen Sie zu klaren Aussagen, oder machen Sie keine.
bissig Kroko
BerndHH (08.08.2008, 22:16 Uhr)
Gibt es eine Statistik über Volksverhetzung in deutschen Medien?
Also wer die Migranten als "Bombe" bezeichnet sollte wissen, dass er sich an der Grenze des Strafgesetzes bewegt. Dank unserer "informativen" Massenmedien werden hier Migranten schon gleich mit Ehrenmorden und üblen Schimpfworten in Verbindung gebracht. Mal ne andere Frage: Sind die Verfasser der Beiträge überhaupt am Erfolg von Migranten interessiert? Bzw. an ihrer Integration? Hier geht es offen um geistige Brandstiftung. Sachliche Erläuterung von Statistiken sieht ganz anders aus.
UweB (08.08.2008, 20:18 Uhr)
Ach so bei Wowereit Wirklichkeitsverweigerung
Wie wär s wenn Sie ihn mal direkt fragen.
3 Jahre neben all den anderen Jahren Nichtstun und Wirklichkeitsverweigerung a la Cdu und Merkel finde ich noch schlimmer.
Warum denn erst NACH DER WAHL 2009, wenn das dass gefährlichste soziale Problem ist. Noch immer nicht ganz von Wolke Angela auf dem Boden angekommen?
UweB (08.08.2008, 20:15 Uhr)
Multikulti und Integration
sind TOT - toter ;-) geht s nicht.
Kuschel-Richterinnen, eine Politik, die nach wie vor wegsieht und viele Probleme durch "Ehren"morde, Kriminalität, Gewalt und Intensivtäter sind überdeutliche Indizien.
Kohl, die Cdu und KEINE passenden Maßgaben bei der Einwanderung sind die Schuldigen.
Bei anderen Ländern (Schweiz) gehts ja auch. Kohls Lieblingsrojekt (leider fast 2 Jahrzehnte) war eben ausschl. er selbst und seine großer Europäer-Egotrips.
Aber gut, dass auch Herr Jörges mal das Ganze thematisiert. Längst überfällig.
Bei Rot_Grün war das, wie immer man diese Zeit auch im nachhinein betrachtet, wenigstens THEMA - wie vieles andere von Kohl (Merkel war Ministerin) liegen gelassenes. Seit 3 Jahren wieder nur Aussitzen und Wagner-Trallala. Sonst passiert nichts. Merkel hat noch viel zu gute Umfragezahlen. Eigentlich unglaublich bei diesen schlechten bzw. eigentlich NULL Leistungen.
UweB (08.08.2008, 20:09 Uhr)
Wohl wahr.....
erst mal jahrzehntelang verdrängen, verlügen usw a la Cdu ("Deutschland ist kein Einwanderungsland"), dann die teilweise richtigen ANSÄTZE von Rot-Grün konterkarriert durch die Kommission von Frau Süßmuth, die noch mehr Einwanderung forderte aufgrund der Geburtenzahlen, aber dabei übersah, dass diese Einwanderung seit Jahren schon in die maroden Sozialsysteme Deutschlands geschah und geschieht, denn auch in Sachen Bildung ist der etablierten Politik nichts eingefallen. Die Schröder-Regierung scheiterte bis auf die Anschubfinanzierung für die Ganztagsschulen an der Finanzierungsfrage - und die Merkel-Regierung macht da weiter wo Kohl aufgehört hat: mit Aussitzen!
Ach nein, man hat nach fast 60 Jahren erkannt: D ist ein Integrationsland. Aber leider ist nicht nur Multikulti bis auf ein paar wenige Ausnahmen durch die jahrzehntelangen Unterlassenschaften gescheitert, sondern auch die Integration an die Wand gefahren worden. Wenn man mal in die Parallelwelten (ohnehin meistens ein zweifelhaftes "Vergnügen") kommt, sieht und weiß man warum.
Intensivtäter, Ehrenmorde und eine Lame Duck-innenpolitische Regierung. Schlimmer geht s nicht.
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