Mobbing-Kampagne gegen Sami Khedira

17. Oktober 2013, 15:36 Uhr

Beliebt war Real Madrids deutscher Nationalspieler Sami Khedira in Spanien noch nie. Jetzt hat die Kritik an seiner Person absurde Züge abgenommen. Wie lange tut er sich das noch an? Von Klaus Bellstedt

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Diese Eleganz am Ball zeigt Sami Khedira nach Meinung der spanischen "Experten" viel zu selten©

Man mag vom Fußballer Sami Khedira halten, was man will. Natürlich ist er kein Filigrantechniker. Er ist kein Özil, kein Reus oder Götze. Seine Stärken liegen im kämpferischen Bereich. Khedira ist einer, der – wie es so schrecklich in neudeutscher Fußballsprache heißt – "gegen den Ball" arbeitet. Das defensive Mittelfeld ist sein Terrain. Bei seinem Club Real Madrid und auch in der Nationalmannschaft. Im ersten Drittel des Spielfeldes treibt der 26-Jährige zum Schrecken seiner Gegenspieler dann sein Unwesen. Grätscht, kratzt, beißt.

Im DFB-Trikot trifft Khedira trotz seines Kettenhund-Gens schon auch mal ins Tor. Zuletzt beim 3:0 gegen Irland vergangenen Freitag in der WM-Qualifikation. In Madrid ist ihm das in dieser Saison noch nicht gelungen. Aber wie erwähnt: Das Toreschießen ist auch nicht sein Auftrag. Dafür sind bei den Königlichen Ronaldo, Benzema, Isco und Co. zuständig.

Medienhetze nimmt zu

Khedira geht es gut bei Real. Eigentlich. Unter Reals neuem Trainer Carlo Ancelotti hat er einen Stammplatz sicher. So wie in den drei Spielzeiten zuvor unter José Mourinho auch. Es war der portugiesische Startrainer, der sich 2010 persönlich dafür stark gemacht hat, Khedira vom VfB Stuttgart nach Madrid zu holen. Auch bei den Fans ist der defensive Mittelfeldspieler beliebt. Es könnte also alles prima sein. Wenn da nur nicht die spanischen Medien wären.

Die haben sich seit geraumer Zeit auf den deutschen Nationalspieler eingeschossen. Und die Medienhetze nimmt eher noch zu. Mittlerweile hat die maßlose Kritik groteske Züge angenommen. Man wird den Eindruck nicht los, hier soll jemand möglichst schnell aus Madrid vertrieben werden.

Kritik auch von Khedira

Ja, es ist noch nicht die Saison von Real. Das Starensemble hinkt Barcelona und, viel schlimmer, dem eigenen Stadrivalen Atlético, nach acht Spieltagen bereits fünf Punkte hinterher. Hauptschuldiger dafür aus Sicht der spanischen Medien: Khedira.

Der hatte sich vor Kurzem erstmals öffentlich in einem Interview des Fachmagazins "Kicker" über seine Behandlung beklagt. "Ich werde in Spanien nie ein Liebling der Medien werden", sagte der 26-Jährige. Und weiter: "Ich bin auch jetzt wieder der Sündenbock. Selbst wenn ich gute Leistungen abrufe, werden diese schlecht bewertet. Ich bin eben kein Spanier, habe nicht viel Geld gekostet und bin ein Mourinho-Schüler." Nach diesen kritischen Aussagen gingen die spanischen Medien nun noch härter mit Khedira ins Gericht.

"Zucchini in den Füßen"

"Seit dem Weggang von Mesut Özil ist Khedira im Kader von Real Madrid isoliert", schrieb Spaniens auflagenstärkste Zeitung, die "Marca", am Dienstag. "Der Club betrachtet ihn nicht mehr als unverzichtbar, und die Fans haben ihn auf dem Kieker." In der beliebten TV-Fußballshow "Tiki-Taka" legte Miguel Serrano von der "Marca" nun nach: "Ich versetze mich in die Haut des Balles, und der Ball fühlt sich von Khedira misshandelt. Er kann nicht mal einen einfachen Pass spielen. Er hat Zucchini in seinen Füßen."

Noch schärfer urteilte Carlos Forjanes von der Zeitung "AS": "Khedira ist ein Maulesel, er nimmt seine Rolle zu ernst. Er hat noch nicht begriffen, dass er mehr spielt, als er verdient hat." Man wiegelte sich in dieser Runde weiter auf. Paco Gonzales von "Cadena Cope" schimpfte: "Tun euch nicht die Augen weh, wenn Khedira am Ball ist? Er ist wie ein Dorn im Filet." Lediglich ein Journalist in der sogenannten Experten-Runde ergriff Partei für den Ex-Stuttgarter. "Es ist respektlos zu sagen, er hätte Zucchini in den Füßen. Das ist traurig", sagte Alberto Cuellar von der Zeitung "El Mundo".

Von Khedira war in den vergangenen Tagen nichts mehr zu hören. Das ist wahrscheinlich auch klüger so. Trotzdem stellt sich die Frage: Wie lange tut er sich diese unwürdigen Lästereien noch an?

Zum Ende der Transferperiode Anfang September flatterte bei Real ein Angebot von Manchester United über angeblich 40 Millionen Euro für Khedira ins Haus. Die Königlichen lehnten ab. Eigentlich ein Jammer.

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