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27. Mai 2009, 16:35 Uhr

Es brodelt unter der HSV-Raute

Nach dem überraschenden Abgang von Trainer Martin Jol will der Rauten-Club möglichst schnell einen Nachfolger verpflichten. Gerüchte über mögliche Kandidaten überschlagen sich – und von einer geplanten Demontage von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer will man in der Clubführung nichts wissen.

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hsv, jol, beiersdorfer

Wollte angeblich zu viel Macht: Hamburgs ehemaliger Trainer Martin Jol verlässt die Elbe Richtung Amsterdam nach nur einem Jahr© John MacDougall/AFP

Die Telefondrähte glühten am Tag nach der Jol- Flucht, Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer waren schon auf Reisen, und die Gerüchte um mögliche Trainer-Kandidaten beim Hamburger SV überschlugen sich. Namen wie Mirko Slomka, Bruno Labbadia, Slaven Bilic, Michael Skibbe und Michael Laudrup machten die Runde - doch dem HSV läuft 37 Tage vor dem Trainingsstart am 3. Juli die Zeit davon. "Es muss schnell gehen, der neue Trainer muss schließlich seine personellen Vorstellungen einbringen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker am Mittwoch. Die Suche beginnt nicht bei Null, schließlich haben die Hamburger im Vorjahr 177 Tage nach einem neuen Coach gefahndet und dabei umfangreiche Datenbanken angelegt.

Spekulationen über eine Demontage von Sportdirektor Beiersdorfer verwies Becker ins Reich der Fabeln: "Davon ist kein Wort wahr. Das ist alles frei erfunden. Darüber wurde nie ein Wort verloren". Dennoch scheint Kontinuität beim HSV ein Fremdwort zu sein: Jols Nachfolger wird schon der siebte Trainer in zehn Jahren sein. Seit Vorsitzender Hoffmann die Geschicke des dienstältesten Bundesligisten führt, geben sich die sportlichen Leiter nahezu im Jahres-Rhythmus die Klinke in die Hand. Hoffmann, seit Februar 2003 am Ruder, wird in wenigen Tagen den sechsten Coach in seiner Amtsperiode nach Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Thomas Doll, Huub Stevens und Jol begrüßen.

Zum sechsten Mal im Europacup

"Wir haben jetzt die Chance, frühzeitig zu planen und auch personell die Weichen für die Zukunft zu stellen. Eine Transfer- Periode reicht weit über eine Saison hinaus. Der neue Trainer kann nun direkt Einfluss auf die Personalplanungen nehmen", sagte Hoffmann, der trotz der ständigen Rotation auf der Übungsleiter-Position eine Konstante ausgemacht hat: Zum sechsten Mal in sieben Jahren ist der HSV im Europacup dabei.

Nachdem Jol 40 Millionen Euro an Investitionen in neue Spieler und das letzte Wort bei Einkäufen verlangt haben soll, wird vom Nachfolger auf diesem Gebiet Genügsamkeit gefordert. Ein Modell Alleinherrscher wie Felix Magath in Wolfsburg oder einen Teammanager nach englischem Vorbild wollen Hoffmann und Beiersdorfer auf keinen Fall. Sie sind die Entscheider, nicht der Coach.

Erst ein neuer Trainer, dann neue Spieler

Kritik an der Transferpolitik des Vorstands lässt Becker nicht zu: "Natürlich haben wir in dieser Saison gute Spieler für gutes Geld verkauft. Aber wir haben auch stark investiert, zum Beispiel in Marcell Jansen, Alex Silva, Thiago Neves", so der Aufsichtsratschef. Er verteidigte die Verkäufe von Rafael van der Vaart, Vincent Kompany und Nigel de Jong, die rund 42 Millionen Euro eingebracht haben.

Ersatz für den zu Bayern München abgewanderten Ivica Olic, vielleicht auch für den umworbenen Paolo Guerrero, stehen zunächst aber hintenan - der neue Übungsleiter hat Priorität. Namen wie Tim Borowski von den Bayern und das niederländische Talent Eljero Elia von Twente Enschede befanden sich ganz oben auf Jols Wunschzettel, für die ganz großen Cracks fehlt aber das Geld. Für rund 16 Millionen Euro will der Teilnehmer an der neuen Europa League maßvoll einkaufen. Ein bis zwei Millionen Euro fließen zusätzlich in die Kasse, denn Ajax Amsterdam muss für den vorzeitig aus dem Vertrag gekauften Jol in die Tasche greifen.

"Wir waren in den letzten Jahren immer im internationalen Geschäft, aber wir haben nur zweimal die Champions League erreicht. Nur die bringt richtig Geld", betonte Becker. "Werder Bremen hat fünfmal nacheinander Champions League gespielt. Die haben dadurch einen finanziellen Vorsprung von rund 100 Millionen Euro."

Franko Koitzsch und Britta Körber/DPA
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