Mehr als 20.000 Apfelsorten wachsen weltweit, doch im Supermarkt gibt es meist die immer gleichen fünf. Der industrialisierte Markt beschert Verbrauchern langweiliges, oft auch vitaminarmes Obst. Ein Wegweiser zu besseren Früchten. Von Ruth Hoffmann

Äpfel enthalten reichlich Vitamine, Mineralien und Spurenelemente© Getty Images
Wie viele Sorten gibt es?
Weltweit mehr als 20.000, allein in Deutschland sind rund 4000 wissenschaftlich erfasst und beschrieben. Vermutlich gibt es aber, alle Lokalsorten mitgezählt, viel mehr. Äpfel sind spalt-erbig: Legt man zehn Berlepsch-Kerne in die Erde, bekommt man nicht zehn Berlepsch-Bäumchen, sondern zehn neue Sorten. Um eine bestimmte zu vermehren, muss man darum Triebe auf einen Stumpf aufpfropfen.
Außerdem sind Apfelblüten mit sich selber unfruchtbar. Ein einzelner Baum auf weiter Flur, wird darum niemals Früchte tragen. Seine Blüten müssen erst durch Insekten mit Pollen anderer Bäume bestäubt werden. Im Laufe der Zeit entstand auf diese Weise eine Vielfalt verschiedenster Sorten.
Manche waren nur innerhalb einer Region, manche nur innerhalb eines Dorfes bekannt. Viele lokale Spezialitäten sind eng an regionale Sorten gebunden - wie etwa "Hupfelds Süßapfel" aus Nordhessen, der traditionell in die Füllmasse von Bratwürsten gehörte. Noch in den 30er Jahren wusste man diese überbordende Vielfalt zu schätzen, doch schon damals gab es von staatlicher Seite Bestrebungen, den Apfel zu industrialisieren. Über mehrere Jahrzehnte wurden seither Niederstamm-Plantagen mit "marktgängigen" Sorten subventioniert und die Beseitigung alter Hochstamm-Obsthöfe belohnt, sodass die meisten Sorten inzwischen ausgestorben sind.
Echte Marktbedeutung haben heute noch etwa 30 verschiedene Sorten, im Supermarkt stehen meist sogar nicht mehr als fünf zur Auswahl, in der Regel immer dieselben, die es auch als Importware gibt: Golden Delicious, Jonagold, Granny Smith, Elstar, Braeburn, Gala. Der einstige Reichtum an Sorten und Geschmäcken ist einem weltweit gängigen, reproduzierbaren Standard gewichen.
Übernommen aus ...
GesundLeben
Ausgabe 05/2006