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9. Juli 2008, 14:50 Uhr

Boeing plant Bau von Luftschiffen

Fast genau sechs Jahre nach der Insolvenz des Cargolifter-Projektes in Deutschland will jetzt Boeing ein Lasten-Luftschiff bauen. Geplant ist eine Mischung aus Hubschrauber- und Luftschifftechnologien. Von Gerhard Hegmann

Boeing betritt mit dem geplanten Bau von Luftschiffen neues Terrain© Boeing

Der größte US-Luftfahrtkonzern Boeing steigt in den Bau von Lasten-Luftschiffen ein. Gemeinsam mit dem privaten kanadischen Unternehmen Skyhook International ist die Entwicklung und der Bau von zunächst zwei Lasten-Luftschiffen geplant. Sie sollen jeweils 40 Tonnen Nutzlast bis zu 320 Kilometer weit transportieren können und etwa ab dem Jahr 2012 im praktischen Einsatz sein, sagte ein Boeing-Sprecher der FTD. Über die Entwicklungskosten werden keine Angaben gemacht.

Die Luftschiffe beruhen im Kern auf einem Patent der kanadischen Firma Skyhook. Es sieht eine Mischung aus Technologien eines Hubschraubers und eines Luftschiffs vor. Danach soll das gut 92 Meter lange und knapp 70 Meter breite Luftschiff nach der Befüllung mit Heliumgas selbst schweben können. Vier starke Hubschraubermotoren sollen dann die Nutzlast an Seilen anheben und transportieren.

Mit Boeings Einstieg in den Lasten-Luftschiffbau beschäftigt sich ein weiterer US-Luftfahrtkonzern mit der so genannten Leichter-als-Luft-Technologie. Bekannt sind auch Prototypen des Konzerns Lockheed Martin, der an einer Mischtechnologie aus einem Flugzeug und einem Luftschiff arbeitet sowie Pläne für unbemannte hochfliegende Aufklärungs-Luftschiffe verfolgt.

Das bislang bekannteste Projekt für ein Lasten-Luftschiff war der Bau des Cargolifter in Deutschland, das 2002 an Geldmangel scheiterte. Geplant war der Bau eines 260 Meter langen Luftschiffs, das bis zu 160 Tonnen Nutzlast transportieren sollte, also vier Mal so viel wie jetzt das Boeing-Projekt. Die Cargolifter-Entwickler verfolgten auch eine andere Technologie. So sollte beim Cargolifter CL160 nach dem Absetzen der Nutzlast als Gewichtsausgleich Wasser getankt werden.

Boeing seit Jahren interessiert

Boeing interessierte sich damals auch für das Cargolifter-Konzept und unterzeichnete 2002 eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit. Der US-Konzern lehnte aber Investitionen in die börsennotierte Gesellschaft ab. Nach der Insolvenz der Cargolifter AG im Juni 2002 hoffen Luftschiff-Enthusiaten noch immer, dass über die Nachfolgegesellschaft Cargolifter KGaA und über einen Förderverein "Zukunft in Brand" eines Tages doch noch ein Lasten-Luftschiff zumindest im Auftrag der Gesellschaft gebaut wird. In der ehemaligen Luftschiffhalle von Cargolifter in Brand bei Berlin entstand inzwischen mit Tropical Island eine der größten europäischen Bade- und Saunalandschaften, die aber nach wie vor hohe Verluste schreibt.

Nach Angaben von Boeing soll das künftige Luftschiff JHL-40 (Jess Heavy Lifter) vor allem im Umfeld von Kanada und Alaska in der Öl- und Gasbranche zum Einsatz kommen. "Mit den Luftschiffen lassen sich Ausrüstungen auch in entlegene Gebiete umweltfreundlich transportieren", sagte ein Boeing-Sprecher. Der US-Konzern will die ersten beiden Luftschiffe in seiner Helikopter-Sparte im US-Bundesstaat Philadelphia bauen.

Weltweit gibt es seit Jahren immer wieder Ankündigungen und spektakuläre Visionen über neue Luftschiffprogramme. In der Praxis tatsächlich umgesetzt werden aber nur wenige Projekte. Das größte, derzeit im regulären Einsatz befindliche Luftschiff ist der in Friedrichshafen gebaute Zeppelin NT mit 75 Meter Länge. Ein Modell wurde jüngst in die USA für Passagierrundflüge rund um San Francisco verkauft und soll im Herbst geliefert werden. Der deutsche Zeppelin NT - von dem es vier Stück gibt - bekam im Juni auch die Zulassung der US-Luftaufsichtsbehörde. Damit ist praktisch der Markteintritt möglich.

Von Gerhard Hegmann
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
fitness.dk (10.07.2008, 23:53 Uhr)
Zeppelin
Muss ich immer an Zeppelinbrand denken und Weltrezession - nur Gelaber, aber noch kein Beweis, dass es auch funktioniert. Was steckt da hinter der Idee des Revival - Umweltschutz oder Paniktriebe nach vorne?
Warum gibt es da nur Hochglanzprospekte?!
tricky_dude (10.07.2008, 13:15 Uhr)
Anmerkung an die Redaktion
Einen "US-Bundesstaat Philadelphia " gibt es definitiv nicht. :-)
Grüße aus Pisa.
endbenutzer (10.07.2008, 12:39 Uhr)
Cargolifter geht pleite....
...und Boeing realisiert die Idee einige Zeit später. Ich hätte gerne mal hinter die (finanziellen) Kulissen gesehen. Ob da nicht ein Unternehmen gezielt fertiggemacht wurde? Wundern würde mich es nicht - bei den US-Aktivitäten bezüglich Industriespionage der NSA
tricky_dude (10.07.2008, 10:35 Uhr)
@AH.Maurer
Schätze mal das nur eine Verkehrsgesellschaft so einen Superzepp in Auftrag geben müßte, natürlich müßte die Nachfrage auch bestehen. Ich hoffe das das ein Nebeneffekt der derzeitigen Energiekrise sein wird. Zeppelin würde bei solch einem Auftrag sicher nicht nein sagen.
AH.Maurer (10.07.2008, 10:00 Uhr)
Was möchte uns ...
Gmathol damit sagen ?? Was hat denn diese hochgebildeten und mit !ach! so grosser Kultur gesegneten Russen zum ehemaligen Klassenfeind verschlagen. Die Village People waren es bestimmt nicht (-; Nebenbei : wetten, daß "Kreuzfahrten" über Land mit einem adäquaten Luftschiff ein Mega-Hit würden ? Aus den vorherigen Kommentaren schreit einen die Marktlücke ja beinahe an. Wollen wir einen neuen Fond auflegen ? Ja, auch ich wäre dabei ... Gruß aus Lanzarote.
tricky_dude (10.07.2008, 08:18 Uhr)
Cargolifter
konnte nicht mal ein selbstetnwickeltes Modell vorweisen. Die damals präsentierten teile waren gekauft. Deshalb ging es in die Hose. Sie hatten nichts!
Der Zeppelin NT schwebt hier regelmäßig über München, macht Rundflüge und Werbung, aber die Kabine ist recht klein. Eine größere Version für den Linienverkehr wäre wünschenswert. Würde auch gerne damit in den Urlaub fliegen.
Ich finde gut was Boeing da macht, aber ich frage mich nur warum EADS sowas nicht liefern kann? Hat die Firma Zeppelin das Monopol in Europa??
gmathol (09.07.2008, 23:32 Uhr)
Alle Boeing Grossprojekte...
...der letzten 10 Jahre sind gescheitert.
Lachhaft! Zumal derzeit 3.600 russische Ingeniere die fuer Boeing schafften sich auf dem Heimweg befinden, da Amerika immer mehr verarmt und gebildete Menschen den taeglichen Anblick von Menschen die fuer Nahrung anstehen oder die ungezaehlten Obdachlosen einfach nicht ertragen koennen.
Den USA geht es mittlerweile schlechter als der ehemaligen Sowjetunion.
Josh67 (09.07.2008, 22:01 Uhr)
BANANENREPUBLIK
Lieber "STR_EDDS" ( wie bekomme ich denn fettgedruckte Schrift?)
es gibt auch einen Grund. Es ist der gleiche Grund warum die meisten Inovationen die in Deutschland entwickelt werden im Ausland gebaut und genutzt werden.
Kartelle und Korruption!!!!
Josh67 (09.07.2008, 21:57 Uhr)
nicht aus Geldnot
Hallo,
Cargolifter ist nicht aus Geldmangel gescheitert, sondern wurde vom deutschen Transportkartell mit Hilfe von Lobbyisten und korrupten Politikern ins Aus befördert.
Warum recherchieren Journalisten heute nicht mehr und schreiben nur von Dpa oder anderen Propagandaorganen ab?
STR_EDDS (09.07.2008, 21:45 Uhr)
Wie im Film
Wenn mal wieder in einer Dokumentation gezeigt wurde, wie das Reisen im LS damals so war, habe ich immer weniger Lust die Enge und Angespanntheit in Business-Class Bombern zu ertragen.
.
Die Frage ist nur: Warum zum Teufel machen wieder die Amerikaner das "Unwirtschaftliche" möglich? In FN wird doch schon seit Ewigkeiten am Zeppelin NT geforscht. Es muss doch einen Grund geben, warum Boeing eine Wirtschaftlichkeit sieht, die uns offenbar verborgen bleibt.
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