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Fahrbericht: Renault Twingo RS: Zahlenspieler

Die knuffige Knutschkugel Renault Twingo als Sportskanone? Vor Jahren undenkbar. Bei der zweiten Generation ist vieles anders. 133 PS stark wedelt der kleine Franzose willig und konkurrenzlos günstig um die Kurven.

Der Preis soll - auch - die Konkurrenz ärgern: "Ein PS kostet bei uns gerade mal 111 Euro", sagt Twingo-Produktmanager Marc Osseux. "Das bietet im Wettbewerb kein anderer." 14.800 Euro will Renault für einen ordentlich ausgestatteten Renault Twingo RS haben. Und wenn schon, denn schon sollte man sich die sportlichere Cup-Version gönnen. Die bietet zwar nicht mehr Leistung, jedoch ein schärferes Gesamtpaket – und kostet gerade 600 Euro mehr.

Scharf soll so ein Giftzwerg wie der Twingo RS schließlich sein. Der Markt an kleinen Spaßmachern dieser Art ist in Europa größer als man denkt. Vergangenes Jahr wurden in Europa mehr als 80.000 Fahrzeuge vom Schlage eines Mini Cooper, Suzuki Swift Sport, Citroen C2 VTS oder VW Polo GTI Cup abgesetzt. Besonders in Deutschland, Frankreich und Großbritannien erfreuen sich die kernigen Rennerchen einer durchaus beachtlichen Beliebtheit. Nicht jeder, der sich für einen Kleinwagen entscheidet, will auch nur klein motorisiert durch die Gegend gondeln.

Mit einem Sportmodell des erfolgreich gestarteten Twingo will Renault sein Markenimage schärfen und sich endlich auch zu seiner Sportlichkeit bekennen. Bis dato gab es keinen nennenswerten Imagetransfer zwischen dem breiten Motorsportengagement der Franzosen und den Serienfahrzeugen aus der Renault-Produktion.

201 km/h Spitze

"Ich denke, wir können angesichts des konkurrenzlosen Preises ab 14.800 Euro allein in Deutschland tausend Autos oder mehr von dem Twingo RS verkaufen", blickt Vertriebsvorstand Holger Böhme hoffnungsvoll in die Zukunft. "Schließlich kostet der Hauptkonkurrent Fiat 500 Abarth mit 18.100 Euro deutlich mehr." Der Preis soll also die Musik machen und die sportlich zumeist wenig ambitionierten Renault-Kunden in die Verkaufsräume bringen.

Das Paket des Twingo RS kann sich auf den ersten Blick denn auch sehen lassen. 98 kW/133 PS, 201 km/h Spitze und der Spurt von 0 auf 100 km/h in 8,7 Sekunden - das klingt nicht schlecht. Wer das sinnvolle Cup-Paket ordert, bekommt zu den ordentlichen Fahrleistungen gleich noch 17-Zoll-Alufelgen, Sportfahrwerk, ESP, vier Airbags, elektrische Spiegel und eine Klimaanlage dazu. Wenig Geld für viel Auto - denn die bekannten Stärken des Twingo in Sachen Platzangebot, Kofferraum (285 bis 959 Liter), verschiebbare Rückbank und Praktikabilität gibt es obendrein.

Die ersten Kilometer auf kurvenreicher Strecke werden gleich zu einer gelungenen Freizeitveranstaltung. Die elektrische Servolenkung ist ungeheuer direkt, die von Laguna und Clio entliehenen Bremsen packen prächtig und der rund 1,15 Tonnen schwere Franzose wieselt um die Ecken, dass es nur so eine Freude ist. Das Fahrwerk ist stramm und in Verbindung mit der um sechs Zentimeter verbreiterten Spur und dem 195/40 R 17-Radsatz exzellent abgestimmt.

Ebenfalls prächtig zeigt sich die kurze und knackige Handschaltung – zumindest bis man bei Tempo 100 angekommen ist. Dann gibt es nur noch einen Gang – die Nummer fünf. Und das ist heutzutage einfach zu wenig. Bei höherem Tempo ab Tempo 120 wird der Twingo RS nervig laut und will in die sechste Stufe geschaltet werden. Doch die gibt es schlicht nicht.

Müde vier Zylinder

Wenig dynamisch zeigt sich auch der aus Clio und Megane entnommene Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum und 98 kW/133 PS. Der Klang des RS ist bereits unten herum ordentlich – im Gegensatz zum Tatendrang. Bei 4.400 U/min steht das überschaubare Drehmoment von 160 Nm zur Verfügung. Wer flott unterwegs sein will, muss den Motor drehen, drehen und nochmals drehen. Dann wird es aber nichts mit dem in Aussicht gestellten Durchschnittsverbrauch von sieben Litern Super auf 100 Kilometern.

Wer will, der kann die Gänge bis an die 7.000-Touren-Marke bringen. Doch auch der geänderte Ansaugtrakt, neue Drosselklappen und modifizierte Brennräume können nicht darüber hinwegtäuschen, der der Vierzylinder keine Stimmungskanone ist. Hier wäre ein angeschärfter Vierzylinder-Turbo mit 1,2 Litern Hubraum wohl die bessere Alternative gewesen. Der ist in den Serienversionen von Twingo und Clio bereits für stattliche 100 PS gut und hätte mit oder ohne Hubraumerweiterung sicher noch mehr drauf.

So präsentiert sich der 3,60 Meter lange Twingo RS bei flotter Kurvenfahrt mit Berg- und schnellen Landstraßenpassagen sowie Beschleunigungen aus dem Teillastbetrieb heraus unerwartet zäh. Hier wünscht man sich von einem kleinen Krawallmacher einfach mehr Druck.

Der Innenraum kann ebenfalls nicht völlig überzeugen. Das Platzangebot ist bekannt ordentlich. Doch nicht nur größere Piloten finden im Sportvolant kaum eine gute Sitzposition. Das Lenkrad lässt sich nur unzureichend – weil nur in der Höhe - verstellen und die konturierten Sitzwangen der schmucken Sportstühle sind einfach zu weich. Zudem sitzt nicht nur der Pilot zu hoch. Auf der Beifahrerseite gibt es gar keine Sitzhöhenverstellung.

So ist es neben dem prächtigen Fahrwerk und dem sportlichen Äußeren in erster Linie der Preis, der beim Renault Twingo RS Cup stimmt - denn der ist eine Klasse für sich.

Stefan Grundhoff, Porto / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.