Faszination: Autoquartett im Web Mein Auto sticht


Auch mal wieder Lust auf eine Runde Autoquartett? Ein Kartenspiel mit eigenen Lieblingsautos können sich Autofans jetzt ganz leicht selber basteln. Alles was man braucht: schöne Fotos - und das Web.

Höchstgeschwindigkeit? Hubraum? Zylinder? PS? Aufgetrumpft, Stich gewonnen, abgeräumt. Autoquartett hat wohl jedes Kind einmal gespielt. Wenigstens dann, wenn die Kinderjahre in grauer Vorzeit liegen, als lange Autofahrten noch ohne Gameboy oder andere unterhaltungselektronische Hilfsmittel durchgestanden werden mussten.

Der pädagogische Mehrwert der Auto-Quartette war vermutlich gering. Zu einspurig wurde die Phantasie der jungen Spieler auf technische Superlative getrimmt. Vielleicht haben all die Lambos, Porsches und Maseratis, mit denen sich fast immer gewinnen ließ, sogar nachhaltig auf das Unterbewusstsein eingewirkt und schieben dort noch heute einer echten Begeisterung für vernünftige Familienkutschen den Riegel vor.

Sei es drum, die PS-Protzerei mit Spielkarten hat eine Menge Spaß gemacht.

Das sagten sich auch ein paar junge Männer, als sie vor einigen Jahren einen Sommertag am See verbrachten. Dass sich im Internetzeitalter rund ums gute alte Quartett pfiffige Geschäftsideen entwickeln lassen, wurde beim Brainstorming am Badesee auch schnell klar. Ende 2007 brachten die Hamburger ihr eigenes Internetportal www.meinKartenspiel.de an den Start. Die Plattform bietet den Fans starker Motoren und schön geformter Karossen Gelegenheit, ein eigenes Quartett mit ihren automobilen Lieblingen zu basteln.

Schere, Kleber und Papier braucht es dafür nicht. Alles geht ganz einfach online – mit ein paar Klicks und dem Quartettkonfigurator. Damit können 32 Spielkarten mit eigenen Auto-Fotos bestückt werden. Danach werden die Kategorien festgelegt, nach denen die Fahrzeuge gemessen werden sollen. Höchstgeschwindigkeit, Hubraum, Zylinder und PS, Beschleunigung oder maximales Drehmoment. Die entsprechenden Werte werden in die vorgegebenen Textspalten eingetippt. Wer mag, füllt anschließend noch einen kurzen Infotext zum Fahrzeug ein – fertig ist das Spiel.

Professionelleren Anwendern bietet die Kartenspielplattform zudem Gelegenheit, mit klassischen Grafikprogrammen Spiele noch individueller – also ganz ohne Vorlage – zu gestalten.

Spiele für den Messestand

Internetnutzer zwischen 16 und 40 Jahren sind es zumeist, die auf der Kartenspielplattform aktiv werden – um Freunde, Verwandte, Kollegen oder Mitschüler mit einem originellen Geschenk zu erfreuen, weiß Thorsten Kucklick, Mitbegründer von meinKartenspiel.de. "Besonders gern werden Quartette rund um die Themen Urlaub, Hochzeit oder Abitur entworfen."

Aber nicht nur Privatkunden, auch Firmen haben das Quartett für ihre Zwecke entdeckt. So gestalten Firmen beispielsweise Kartenspiele für den Messestand. Gern wird auf jeder Spielkarte ein neues Produkt präsentiert. Gelegentlich verpacken Unternehmen sogar Lerninhalte für Mitarbeiterschulungen in Form eines Kartenspiels, haben Kucklick und Kollegen festgestellt.

Das klassische Autoquartett steht aber auch noch hoch im Kurs. Sowohl einzelne Autofans als auch Autoclubs entwerfen eigene Spielkarten und schicken ihre Favoriten ins Rennen um den Stich. Oldtimer stehen ganz oben auf der Hitliste der Selbstgestalter.

So gestaltete die Karmann Ghia Interessengemeinschaft aus Lippe ein Spiel mit Bildern und Daten ihrer automobilen Schätzchen, bei dem neben den üblichen Autoquartettkategorien wie PS und Hubraum auch die Anzahl der bisherigen Besitzer spielentscheidend ist. Deutlich dynamischer geht es dagegen beim "Driftquartett" zu. Hier treten einige der besten Drifter Deutschlands mit Ihren Wagen gegeneinander an - spektakuläre Bilder von rauchenden Reifen inklusive. Auch die Einsatzfahrzeuge der Münchner Feuerwehr treten bereits im Quartett gegeneinander an.

Spielende Aktivisten

Dass selbst Kleinauflagen und Einzelexemplare zu erschwinglichen Preisen angeboten werden können, liegt an der Produktionsinfrastruktur, die Kucklick und sein Geschäftspartner Ole Boyken geschaffen haben. Kleinabnehmer werden per Digitaldruck bedient, Aufträge von Großkunden gehen an die Offsetdruckerei.

Wer mag, kann sein selbst entworfenes Kartenspiel auch auf dem "Marktplatz" des Internetportals zum Kauf anbieten und wird dann mit 15 Prozent am Umsatz beteiligt. "Das soll ein kleiner Anreiz für unsere Autoren sein", sagt Kucklick.

Bleibt abzuwarten, ob demnächst auch Politiker und Klimaschutzaktivisten das Quartett als Medium für ihre Themen entdecken. Mit gut fotografierten Produkten und den richtigen Spielkategorien ließe sich die kommende Autofahrergeneration vielleicht frühzeitig auf Ökokurs bringen. Und das ganz spielerisch. Wenn man mit minimalem CO2-Ausstoß oder maximalem Nachhaltigkeitsfaktor Stich für Stich gewinnt, stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht.

Susanne Kilimann / pressinform PRESSINFORM

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