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Ford startet voll durch - nicht nur elektrisch Das Milliardending in Dearborn

Ford Bronco
Ford Bronco
© press-inform - das Pressebuero
Kaum ein Autohersteller startet gerade derart erfolgreich durch wie Ford. Während viele von Medienliebling Tesla, Verfolger Nio oder elektrischen Neuankömmlingen aus China reden, hat sich der Autobauer aus Dearborn den Staub vom Ärmel geschüttelt und zeigt der Konkurrenz, wie man höchst unspektakulär Vollgas gibt.

Der Moderator von Channel 56 kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "An sich bin ich ein Jeep-Guy - wie meine ganze Familie", jubelt er durch den Country-Äther, "aber dieser Bronco ist einfach ein tolles Teil. Wer will den nicht?" Genau - wer will den denn nicht? Die Lieferzeiten des neuen Ford Bronco sind endlos - mehr als ein Jahr und es werden leicht und locker 80.000 bis 100.000 Dollar für einen dieser Geländewagen auf dem Graumarkt geboten, der an sich gerade einmal die Hälfte kostet. Da kann keiner außer der Mercedes G-Klasse mithalten - da liegen die Wartezeiten mittlerweile bei knapp zwei Jahren. Ford ist in und wie. Der Börsenwert stieg vergangene Woche erstmals wieder über die magische 100-Milliarden-Dollar-Grenze. Die Konkurrenz schaue noch etwas irritiert, doch mittlerweile haben die meisten verstanden, dass das Blue Oval aus Dearborn / Michigan wieder eine dicke Nummer ist und kräftig mitmischt.

Einmal mehr, weil Firmen-CEO Jim Farley nunmehr abernten kann, was seine Vorgänger eingeleitet haben. Er wird nunmehr gefeiert, doch die wichtigen Entscheidungen in die rechte Richtung wurden bereits von Mark Fields und Jim Hackett getroffen. Klar setzt Ford auf Elektro und in den USA warten alle bereits mit Hochspannung auf den F-150 Lightning. Der könnte zum absoluten "Gamechanger" werden, wie die Amerikaner es nennen, wenn sich das Blatt komplett dreht. Seit vier Jahrzehnten sind der Ford F-150 und seine Heavy-Duty-Schwestermodelle die unangefochtenen Bestseller in den USA. "Die Nachfrage ist selbst bei uns hier in Colorado viel größer, als wir es erwartet hätten", so ein großer Ford-Händler aus Denver, "ansonsten tun sich die Elektroautos hier schwerer als in anderen Regionen, weil wir einen langen und harten Winter mit viel Schnee haben."

Musk selbst kommt mit dem vielfach angekündigten Tesla Pick Up nicht nach und musste parallel mit den Erfolgsnachrichten aus Dearborn jetzt zum wiederholten Male vermelden, dass sich der elektrische Pick Up weiter nach hinten verschiebe. Bereits Ende 2019 wurde dieser vorgestellt und sollte 2022 auf den Markt rollen. Mittlerweile gibt es vom elektrischen F-150 Lightning mehr als 200.000 Vorbestellungen. Wie schnell die Produktion angesichts der Halbleiterprobleme, die 2021 insbesondere auch das Massenmodell F-150 volumenmäßig abstürzen ließen, hochgefahren werden kann, ist ein anderes Thema. Massenfertigungen dürfte es frühestens in der zweiten Hälfte 2022 geben und viele Kunden bekommen ihren F-150 Lightning nach Ansicht des Ford-Dealers von der Colorado-Automeile nicht vor Mitte 2023. "Mit fast 200.000 Reservierungen arbeiten unsere Teams hart und kreativ daran, die Produktionsbeschränkungen zu überwinden, um mehr F-150 Lightning-Trucks in die Hände unserer Kunden zu bringen", sagte Kumar Galhotra, Präsident der The Americas & International Markets Group von Ford, "die Realität ist klar: Die Menschen sind bereit für einen vollelektrischen F-150 und Ford zieht alle Register, um unseren Betrieb zu skalieren und die Produktionskapazität zu erhöhen."

Der F-150 verkauft sich seit vier Jahrzehnten nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil er nicht nur die Privatkunden, sondern auch die Gewerbetreibenden anspricht. Keine Überraschung daher, dass auch der F-150 Lightning als sogenanntes "Work Horse" unter dem Titel Lightning Pro angeboten wird. Der Basispreis für den Ford F-150 Lightning Pro mit Standard-Akku, elektrischem Allradantrieb, 426 PS und einer maximalen Reichweite von 370 Kilometern mit einer Akkuladung liegt bei knapp 40.000 US-Dollar. Für 10.000 US-Dollar mehr gibt es 563 PS, 480 Kilometer Reichweite sowie eine verbesserte Ausstattung. "Ford ist auf einem ehrgeizigen Weg, die Elektrifizierungsrevolution anzuführen - von der Tatsache, dass wir uns als einziger amerikanischer Automobilhersteller auf die Seite Kaliforniens gestellt haben, um die Treibhausgasemissionen zu verschärfen, bis hin zur Elektrifizierung unserer bekanntesten und beliebtesten Fahrzeuge, wie dem F-150 Lightning, dem Mustang Mach-E und dem E-Transit", sagt Ford-CEO Jim Farley, "die Kundennachfrage hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir gehen daher davon aus, dass wir gut positioniert sind, um bis 2030 40 bis 50 Prozent unserer Verkäufe in den USA auf vollelektrische Fahrzeuge zu konzentrieren."

Doch noch ist der Rückstand lange nicht aufgeholt. Tesla hat vergangenes Jahr mehr als 936.000 Fahrzeuge ausgeliefert - das ist ein Zuwachs von 87,4 Prozent gegenüber 2020 mit 499.550 Auto. Die Analysten berechneten jüngst, dass die Firma von CEO Elon Musk in diesem Jahr nicht nur die Millionengrenze überschreitet, sondern mit mehr als 1,5 Millionen Neufahrzeugen einen Zuwachs von nochmals 65 Prozent feiern kann. Ford will bis 2025 dagegen mehr als 30 Milliarden Dollar in Elektrofahrzeuge investieren; viel Geld, aber deutlich weniger als einige andere europäische Konzerne wie zum Beispiel Volkswagen oder Daimler. Trotzdem will Ford in den nächsten zwei Jahren zumindest in den USA die klare Nummer zwei hinter Tesla werden und den Börsenliebling danach beim Kampf um die Krone herausfordern. Bis Ende 2024 plant Ford weltweit pro Jahr mehr als 600.000 Elektrofahrzeuge zu produzieren.

Doch Ford ist nicht zuletzt so erfolgreich, weil es mehr gibt als den F-150 und eine reine Elektrostrategie. Denn während sich scheinbar alle auf den F-150 Lightning freuen, sorgt der Dauerbrenner Mustang ebenso für Image wie der Bronco, dem Ford mit dem Bronco Sport gleich noch einen ebenfalls schmucken SUV zur Seite stellte. Rückenwind erwartet sich der Autobauer aus Dearborn davon auch in Europa, auch wenn der Glanz der US-Modelle aktuell noch fehlt. Mittelfristig dürften jedoch nach Mustang- und Explorer-Vorbild auch Bronco und F-150 - zumindest elektrisch - den Sprung über den Atlantik schaffen. Ein Treffer ist schon einmal der Ford Mustang Mach-E, an dem man sich allenfalls am Namen stören kann, denn der Elektro-SUV hat mit einem Mustang ungefähr so viel zu tun wie mit dem 80er-Jahre-Erfolgsmodell Ford Sierra. Seine Produktionskapazität soll bis Mitte kommenden Jahres auf 200.000 Fahrzeuge steigen. Ganz nebenbei hängt Ford indirekt an dem Elektro-Start-Up Rivian, wo man die eigene Beteiligung auf mittlerweile zwölf Prozent schrittweise erhöht hat. Der Hersteller von Elektro-Pick-Up und -SUV hat zum Jahreswechsel seine ersten rund 1.000 Fahrzeuge zu ausgewählten Kunden gebracht, wird aber von Anlegern, Börse und Autobranche gefeiert, sodass auch hier Erinnerungen an den Tesla-Start hochkommen.

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