Peugeot 308 Der gegen den Golf tanzt


Peugeot würde aus dem 308 gerne den neuen Star der Kompaktwagen-Klasse machen. Deshalb gibt es eine Portion Extra-Platz, -Glas und -Umwelteffizienz. Nur eine Extra-Portion Charme haben sie vergessen einzubauen.
Von Sabine Franz

Ein bisschen Mystery-Feeling war schon dabei. Als im Juni streng geheime Werksfotos des neuen 308 im Internet auftauchten, noch bevor der Wagen offiziell vorgestellt wurde. Dann fuhren plötzlich hunderte Exemplare des Neulings in und rund um Paris durch die Straßen. Geklaut waren die Autos nicht, sondern sie wurden von Peugeot-Mitarbeitern gesteuert, die - Marketingidee sei Dank - ganz offiziell und fleißig Reklame fahren sollten. Das Publikum winkte, lachte, wollte mal anfassen. Ein echter Franzose weiß einen echten Franzosen zu schätzen. Und wir?

Auf den ersten Blick ist der 308 eine Mischung aus sportlichem Flitzer und Papa-Mobil. Das liegt zum einen an seinem Gesicht, den Scheinwerfern und dem Kühlergrill, die auf knurriges, angriffslustiges Raubtier machen. Und zum anderen am vielen Glas, das sich ab der Version Sport Plus sogar serienmäßig über den Köpfen spannt und im Falle eines Überschlags sicherer ist als Blech. Knapp fünf Quadratmeter misst das rekordverdächtige Panoramadach, das den herrlich unverbauten Blick in den Himmel gestattet und viel Licht ins Innere bringt. Leider kann man als Fahrer die Aussicht ohnehin zu selten genießen. Stattdessen behindern die lang gestreckte A-Säule die Sicht seitlich nach vorn und die weit nach hinten verlegte B-Säule den Blick nach links über die Schulter. Dass man beim Rückwärtsfahren mehr schlecht als recht sieht, ist heute Standard bei fast allen Modellen und auch beim 308 keine Überraschung. Dafür gibt es ja schließlich gegen Aufpreis eine Einparkhilfe.

Solide, ohne Überraschungen

Nach knapp vier Entwicklungsjahren und stolzen zwei Millionen Testkilometern präsentiert Peugeot den Löwen-Frischling 300 Euro billiger im Einstiegspreis und über sieben Zentimeter größer als Vorgänger Nummer 307. Dabei wurde auch noch für ordentlich Geräumigkeit im Innenraum gesorgt. Das gilt sowohl für die Bewegungsfreiheit auf den Vordersitzen als auch auf der Rückbank. Der Kofferraum hingegen ist überschaubar, die Ladekante ein bisschen hoch geraten, so dass das Hineinhieven von Gepäck schon mal mühsam werden kann. Ansonsten ist der Eindruck: solide ohne große Überraschungen. Moment! Eingefallen sind den Machern ein paar Gimmicks wie mehr oder weniger nützliche Ablage-Ensembles quer durchs gesamte Gefährt, ein Taschenhaken im Beifahrer-Fußraum und ein Duftspender in der Klimaanlage. Wählen kann man unter anderem zwischen den Düften mit den viel versprechenden Namen "Cocoon Lodge", "Sweet Air" und "Wood Sensation". Sensationell riechen sie weniger, eher wie Potpourris oder Duftbäume, und dürfen ruhig unter Verschluss bleiben.

Auch klein kann oho sein

Gibt man mit dem 308 aber mal richtig Gas, machen unter den sechs angebotenen Motoren die "Kleineren" das Rennen und dazu noch richtig Spaß auf der Straße. Sowohl der 1,6-Liter-Benziner VTi mit 88 kW/120 PS als auch der 1,6-Liter-Diesel HDi mit 80 kW/109 PS sind das, was man gemeinhin so spritzig und wendig nennt. Das heißt, man kann durchaus ein bisschen Landstraßen-Carrera-Bahn spielen. Der PS-stärkere 1,6-Liter-Beziner (110kW/150 PS) sowie der 2-Liter-Diesel (100 kW/136 PS) mit Sechs-Gang-Getriebe wirken dagegen bei den Testfahrten überraschend schwerfälliger und letzterer verbreitet dazu noch etwas überflüssigen Trecker-Sound.

Stromlinienförmigere Karosserie

Auf die Fahnen hat sich Peugeot den aktuellen und auch verkaufsträchtigen Trend "Umwelt" geschrieben. Geworben wird mit einem im Vergleich zum 307 knapp zehn Prozent geringerem Benzinverbrauch und somit verminderte CO2-Emissionen, was unter anderem der stromlinienförmigeren Karosserie, Gewichtsreduzierung sowie einem neuen Satz Reifen Marke "Michelin Energy Saver" zu verdanken sein soll. Das Ergebnis: 6,5 bis 7,9 Liter Durchschnittsverbrauch bei den Benzinern, 4,7 bis 6,8 Liter bei den Diesel-Modellen. Diese gibt es außerdem serienmäßig mit Rußpartikelfilter. Und wer schon vor dem Kauf ans Entsorgen denken will: Recyclingfähig im Sinne der ab Ende 2008 geforderten lückenlosen Auflistung ist der 308 auch - auf beispielsweise Cadmium, Blei und Quecksilber haben die Bauer, so verkünden sie stolz, komplett verzichtet. Nur Interessenten, die auf das Hybrid-Modell warten, werden vorerst enttäuscht, das wird es erst 2010 geben.

Für’s Geld gibt’s serienmäßige Sicherheit à la ESP

Mit Kompaktwagen-Konkurrent Nummer 1, dem Golf kann Peugeots ganzer Stolz vor allem in Sachen Preis konkurrieren. Mit dem Einstiegsangebot von 14.950 Euro geht der 308 geradezu auf Sparkurs. Fürs Geld gibt’s serienmäßige Sicherheit à la ESP, sieben Airbags und aktive Kopfstützen. Je nach Ansprüchen und Luxus-Wünschen (Faustregel: ein Fünf-Türer ist jeweils 800 Euro teurer als ein Dreitürer) stehen insgesamt fünf Ausstattungslinien zur Verfügung, da schraubt sich der Preis dann zwar bis maximal rund 27.000 Euro hoch. Für etwas weniger gibt es aber je nach Variante schon sehr viel sportliches Outfit, Leder, Audio-Equipment und die eingangs erwähnte Klarsicht per Panorama-Glasdach.


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