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Peugeot 607 HDi FAP: Der vergessene Luxus

So richtig möchte man bei Peugeot im Konzert der großen Limousinen nicht mitspielen. "Da ist die deutsche Konkurrenz zu stark", so der schüchterne Kommentar. Deshalb muss sich der Peugeot 607 mit der E- und nicht der S-Klasse messen. Schade eigentlich, und so eine Verschwendung.

So richtig möchte man bei Peugeot im Konzert der großen Limousinen nicht mitspielen. "Da ist die deutsche Konkurrenz zu stark", so der schüchterne Kommentar. Deshalb muss sich der Peugeot 607 mit der E- und nicht der S-Klasse messen. Schade eigentlich - und so eine Verschwendung.

Die Fahrzeug-Übernahme zog sich nach der Anlieferung unseres Test-607 etwas in die Länge. Der Fahrer hatte das gute Stück genau neben einem 7er BMW geparkt. Im Schatten des kantigen Münchners wurde der dezent gestaltete Peugeot glatt übersehen.

Dezente Formen

Optisch ist der große Löwe ein echtes Samtpfötchen. Völlig ohne Ecken und Kanten entwaffnet das neckische Grinsen aus Kühler und Scheinwerfen jeden Zweifler. Dezent eingesetzte Chromleisten sind alles an Zierrat, was sich der XXL-Peugeot leistet. Selbst das Heck fügt sich in die verordnete Zurückhaltung ein. Wo bei der Konkurrenz wichtige Kofferraumdeckel und markante Ecken und Sicken die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, trägt der 607 nicht einmal ein richtiges Stufenheck mit sich herum. Nur ein dezenter Knick verkündet den Übergang zwischen Dach und Kofferraum, die flachen Rückleuchten machen gar nicht erst den Versuch, aufzufallen. Understatement auf französisch!

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

"Was ist das denn für einer?"


Trotz, oder gerade wegen dieses extrem konservativen Auftretens kommt man im Peugeot kaum unbehelligt durch die City. Kaum in die, zugegeben mächtig große, Parklücke eingefädelt, bleiben vor allem Frauenblicke an der glattgeschmirgelten Karosserie hängen. Kostprobe gefällig? "Was ist das denn für einer?", fragte eine schicke Mitt-Vierzigerin, die zusammen mit dem graumelierten Gemahl durch Hamburg schlenderte. Mercedes-Fahrer, eindeutig... "Ein Peugeot 607", kam die ehrliche Antwort. "Ist der so groß wie die E-Klasse", erkundigte sich die Dame weiter. "Klar, aber viel seltener". Klatsch, das saß. Aus dem vorwurfsvollen Blick, den sich daraufhin ihr Begleiter einfing, konnte ich schließen, dass familieninterne Diskussionen über die Wahl des zukünftigen Fahrzeugs folgen würden.

Herrlich unaufdringlich


Solche Erlebnisse sind Balsam auf die Seele eines jeden 607-Fahrers. Denn nicht nur äußerlich kann der große Löwe locker mit den Platzhirschen mithalten. Einmal durch die großen Türen auf die kuscheligen Ledersitze (1.700 Euro Aufpreis) geflutscht, möchte man eigentlich nicht so schnell wieder aussteigen. Herrlich unaufdringlich wird man von Armaturenbrett und Mittelkonsole eingefasst und mit edlen Holzbeschlägen optisch und haptisch verwöhnt. Die Verarbeitung ist tadellos, die Materialwahl sehr hochwertig.

"Wohnwert"

Ganz offensichtlich haben die Peugeot-Designer viel Mühe darauf verwendet, dem 607 viel "Wohnwert" mit auf den Weg zu geben. Technische Spielereien mussten dabei hinter der Gestaltung zurückstehen. So hört das Autotelefon nicht aufs Wort, und auch der Abstand zum Vordermann muss per Fuß geregelt werden. Vermisst habe ich dies "Errungenschaften" nicht. Im Gegenteil. Egal ob Autobahn oder Stadtverkehr - der 607 hat genau das an Bord, was man zum entspannten Dahingleiten braucht.

Kleine Bedienknöpfe Trotz der Detailliebe, ganz ohne Makel kommt auch der große Peugeot nicht davon. So sind die einzelnen Menüs des Bordcomputers nur nach eingehendem Studium des Handbuches zu beherrschen. Dabei in Weg stehen vor allem zu kleine Bedienknöpfe, die zwar gut aussehen, aber Gift für dicke Männerfinger sind. Probleme macht auch der Wählhebel für den Tempomat. Der liegt so nahe am Blinkerhebel, dass man auf der Autobahn gerne mal das Zeichen zum Spurwechsel gibt, obwohl man eigentlich beschleunigen will.

Park-Probleme Als Alptraum entpuppen sich kleine Parklücken. Die fließenden abfallenden Formen von Motorhaube und Heck sind wahnsinnig schick - aber leider nicht einzusehen. Feindkontakt ist beim Park-Gekurbel vorprogrammiert. Da empfiehlt sich die Anschaffung der 340 Euro teuren Einparkhilfe. Der coupéartigen Dachform Tribut zollen muss der 607 beim Platzangebot auf den Rücksitzen. Schon der Norm-Erwachsene macht vor allem auf den äußeren Plätzen schnell Bekanntheit mit dem Dachhimmel.

Peugeot 607 HDi FAP

Motor

Vierzylinder Turbodiesel-Direkteinspritzer

Leistung

133 PS / 98 kW

Länge/Breite/Höhe

4.871/1.826/1.460 Millimeter

Leergewicht

1.625 Kilogramm

Bremsen

Scheibenbremsen rund, vorne innenbelüftet. ABS, ASR und ESP

Getriebe

4-Stufen Automatikgetriebe

Höchstgeschw.

202 km/h

0-100 km/h

12,1 Sekunden

Durchschnittsverbr.

7,2 Liter (Werksangabe)

Grundpreis

31.150 Euro

Sauberer Selbstzünder

Ob man sich nun einen Benzin- oder Dieselmotor unter die Haube pflanzen lässt, hängt ganz davon ab, was man mit seinem Peugeot vorhat. Kompromisslose Autobahn-Bügler mit dem Hang zur Links-Lastigkeit, sei dringend der 207 PS starke Sechszylinder empfohlen. Wir waren mit dem 133 PS Diesel unterwegs. Der Direkteinspritzer ist mit seinem Partikelfilter der derzeit sauberste Selbstzünder auf den Straßen, leidet jedoch unter den 1.625 Kilo Gewicht, die so ein 607 mit sich herumschleppt.

Sparsam aber kraftlos


Fürs flotte Cruisen reicht das allemal - aber eben auch nicht für mehr. Kurze Überhol-Sprints sind mit dem kleinen Diesel nicht zu machen, selbst wenn man ihn mit ausreichend Drehzahlen versorgt. Dafür wird man nach getaner Arbeit mit einem Durchschnittsverbrauch von kaum mehr als sieben Litern verwöhnt. Egal wie hart man seinen großen Löwen dabei rangenommen hat.

Ebenfalls verschont bleibt man von allerlei Fahrbahn-Ungemach. Lange Fahrbahnwellen und Längsrillen schluckt das 607-Geläuf klaglos. Lediglich kurze Querschläge offenbaren, dass das Fahrwerk eigentlich zu weich abgestimmt ist. Flottes Wedeln über die Landstraße wird dadurch zur Schaukeltour - da dürfte es ruhig etwas straffer sein.

Fazit


Der Peugeot 607 ist nichts für Prestige-Proleten. Für den samtpfötigen Löwen entscheiden sich kosten- und umweltbewusste Freunde der Ästhetik. Mit einem strafferen Fahrwerk, einem kräftigeren Diesel und mehr Selbstbewusstsein bei der Vermarktung müsste der mindestes 30.050 Euro teure Franzose kaum Konkurrenz fürchten.

Jochen Knecht
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